Wer ein Leben retten will, darf nicht zimperlich sein

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Anke Hohage erklärte bei den Landfrauen, wie jeder bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt zum Lebensretter werden kann.

Nachrodt-Wiblingwerde - Kalter Schweiß, fahler Teint, Übelkeit, Beklemmungsgefühle, Kurzatmigkeit – das alles können Anzeichen für einen Herzinfarkt sein. Anke Hohage, Ausbilderin für erste Hilfe, erklärte am Montag den Wiblingwerder Landfrauen, wie bei Herznotfällen und Schlaganfall zu handeln ist. Zudem gab’s eine praktische Auffrischung zum Thema Lebensrettende Sofortmaßnahmen.

Manchmal bemerkt es der Betroffene selbst nicht, dass sein Gang plötzlich unsicher ist oder eine Gesichtshälfte an Spannung verliert. Es sind die Angehörigen, denen auffällt, dass Wortfindungsstörungen auftreten oder ein untypisches Verhalten – alles Anzeichen für einen Schlaganfall. „Rufen Sie dann die 112 und verlangen explizit nach einem Rettungswagen“, riet Anke Hohage ihren mehr als 30 Zuhörerinnen in der Gaststätte Zur schönen Aussicht. „Denn auf einen Krankenwagen muss man schon mal ein paar Stunden warten.”

Der betroffene Patient, ob ihn nun Schlaganfall oder Herzinfarkt ereilt hat, sollte auf dem Boden zum Sitzen kommen. „Knien Sie sich hinter ihn, so dass er sich anlehnen kann”, riet Hohage. Diese Haltung habe zwei Vorteile: Der Mensch kann nicht mehr stürzen und befindet sich auf festem Untergrund. Der ist notwendig, wenn eine Herz-Lungen-Wiederbelebung nötig wird. „Im Bett kann keine Herzdruckmassage durchgeführt werden. Die Unterlage gibt zu sehr nach“, erläuterte die Referentin.

An der Übungspuppe wurde das deutlich: Sechs Zentimeter tief wird der Brustkorb bei der Sofortmaßnahme eingedrückt. 30 Mal in einem Rhythmus von 100 Schlägen pro Minute. Diesen Rhythmus wählten auch – vermutlich eher unfreiwillig – die Bee Gees beim Komponieren ihres Welthits „Staying alive“. „Aber an dem kann man sich orientieren”, so Hohage. Nach 30 flotten Druckeinheiten mit ausgestreckten Armen und breit auseinander platzierten Knien wird es Zeit, dem Kreislauf Sauerstoff zuzuführen. Zwei kräftige Züge der eigenen Lunge werden bei zugehaltener Nase von Mund zu Mund am überstreckten Kopf weitergegeben. Ob etwas davon ankommt, merkt der Ersthelfer, wenn sich der Brustkorb hebt. „Jemand, der gerade frisch umgekippt ist, hat noch Sauerstoffreserven im Körper. Die gilt es, durch die Druckmassage weiter zu verteilen”, berichtete Anke Hohage und lud ihre Zuhörerinnen ein, live an der Puppe zu üben. Frauen sollte übrigens der BH ausgezogen werden – sonst gibt der Ersthelfer zu schnell auf, weil ihn das ständige Drücken auf den harten Bügel an den zusammenlaufenden Rippen selbst zu sehr schmerzt.

Die Scheu, einer verletzten Person womöglich noch mehr Schaden zuzufügen, sollte jeder Ersthelfer ablegen. „Natürlich können Sie jemandem die Rippen brechen, wenn Sie zu fest zudrücken. Aber das sind Schäden, die innerhalb weniger Wochen wieder zu beheben sind. Das verlorene Leben ist nicht zurückzuholen.“

Ebenfalls nicht zimperlich sein sollten Passanten, die eine Person auf dem Boden liegend auffinden: „Rütteln Sie an ihr und prüfen Sie, ob der Mensch ansprechbar ist und atmet”, erklärte Anke Hohage und zeigte dann praktisch, wie leicht ein Mensch in die vereinfachte Stabile Seitenlage zu bringen ist. Die Handgriffe der neuen Methode ermöglichen sogar Kindern, einen Erwachsenen Menschen in diese Position zu bringen, die ihn vor dem Ersticken bewahren kann. Abschließend gab Anke Hohage allen Landfrauen einen Tipp: „Frischen Sie doch mal Ihren Kurs auf, den sie damals für den Führerschein gemacht haben. Es lohnt sich!“ - Ina Hornemann

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