Sorgen in Nachrodt-Wiblingwerde

Ende der Rastatt? Anke Ahlers wirft im Oktober 2019 das Handtuch

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Anke Ahlers, die Wirtin der Gaststätte „Zur Rastatt“.

Nachrodt-Wiblingwerde - Sie wirft das Handtuch? Ja. Aber nicht jetzt und sofort. Der Pachtvertrag für die Rastatt läuft im Oktober 2019 aus – und dann möchte – oder besser muss – sich Anke Ahlers von der Gaststätte und von ihrem Traum verabschieden. Dass ein paar Tage vor Weihnachten eine Pachterhöhung ins Haus flatterte – inklusive einer deftigen Nachzahlung für 2017 – hat das Fass wohl zum Überlaufen gebracht. Ist dies das Ende der Rastatt?

Sechs Tage vor Heiligabend: Post von der Gemeinde. Der Verbraucherpreisindex hat sich erhöht. Eine Klausel im Pachtvertrag rechtfertigt die Erhöhung und auch die Nachzahlung, verkompliziert aber die Situation. Denn seit Monaten ist die Bausubstanz der Rastatt in aller Munde. Sanierungskosten in schwindelerregender Höhe und sogar ein Abriss wurden und werden immer wieder diskutiert. Mittendrin eine verunsicherte Pächterin – und ebenso verunsicherte Gäste.

„Das ist nicht glücklich gelaufen“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding zur Pachterhöhung, die allerdings nicht zurückgenommen wird.

Stattdessen möchte die Gemeinde die Pächterin anderweitig unterstützen. Denn nachdem auf der Suche nach Schimmelspuren Raumluftmessungen im Saal der Rastatt durchgeführt wurden, soll Anke Ahlers nun den Saal permanent heizen. „Es ist nicht so dramatisch, dass man den Saal schließen müsste, aber man muss einige Dinge ändern, um auf die sichere Seite zu kommen“, so Dirk Röding. Heizen, Putzen, Lüften. Aktuell wird der Saal einmal in der Woche für den Gesangverein auf wohlige Temperaturen gebracht – jetzt soll er permanent warm sein. Folge: Die Heizkosten werden steigen. Drastisch. Und daran möchte sich die Gemeinde beteiligen, was augenscheinlich im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung diskutiert wurde.

Und doch: Was bleibt, sind Kosten, Kosten, Kosten. „Jedes Jahr mehr Geld für Strom, mehr Geld für Gas, mehr Pacht. Die Rastatt war mein Traum, den ich auch gelebt habe. Doch ich stelle fest, dass ein Überleben so nicht mehr möglich ist“, sagt Anke Ahlers. Die Kosten fressen sie auf. Hinzu komme, dass sich das Freizeitverhalten der Menschen verändert habe. Der Thekenbetrieb läuft schlecht, nur noch drei oder vier Stammtische kommen, die Raucher trinken ihr Bier lieber zu Hause. „Das wird nicht schöner“, weiß Anke Ahlers. Nur die Vereine kommen noch. Kommen gerne – wie unter anderem Frohsinn, Kelleramt, Bürgerbus. Die Rastatt ist Treffpunkt – der einzige weit und breit.

„Aber wenn hier von Grund auf saniert wird oder gar ein Neubau hinkommt, wie hoch soll denn dann die Pacht sein?“, glaubt Anke Ahlers nicht daran, dass sie das stemmen könnte. „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich hätte die Rastatt gern bis zur Rente gemacht, aber ich freue mich auch auf ein ganz normales Leben.“ Dafür hat sie auch schon eine Wohnung in Altena angemietet. „Wir brauchen ein Zuhause“, sagt die Rastatt-Pächterin mit Blick auf ihre Tochter.

Eine Million Euro sind im Haushalt für die Sanierung der Rastatt eingeplant. Doch die Kommunalpolitiker haben sich einmütig dafür ausgesprochen, zunächst eine Art Bestandsaufnahme für alle Immobilien der Gemeinde voranzutreiben. Alle Gebäude sollen umfassend untersucht werden. „Bevor das nicht abgeschlossen ist, wird kein Auftrag vergeben“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding, der das Ende der Rastatt aufgrund des Rückzuges von Anke Ahlers so noch nicht sieht. „Doch es wäre natürlich fatal, wenn wir eine Million investieren würden und dann einen Pächter suchen, den wir nicht finden“, sieht Dirk Röding durchaus dunkle Wolken am Himmel.

Für Bürgermeisterin Birgit Tupat ist die Aussage von Anke Ahlers, nach 2019 nicht weitermachen zu wollen, eine ganz neue Situation – und alle Pläne rund um die Rastatt müsse man nun in einem anderen Licht sehen. „Wir werden jetzt schnellstmöglich das Gespräch mit Anke Ahlers suchen. Ich finde es schade, wenn sie geht. Für Nachrodt und auch für Anke Ahlers selbst. Sie ist ja mit viel Idealismus daran gegangen. Und ich habe immer den Hut davor gezogen, wie sie die Rastatt alleine stemmt.“

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