Angst vor Arztbesuchen / Nachrodter Zahnärztin: „Es geht wieder bergauf“

Eine Welle der Solidarität

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Vermummt: Zahnärztin Michaela Christodoulakis.

Nachrodt-Wiblingwerde – Kleinere Wehwehchen hält man aus. Größere mittlerweile auch. Ein Besuch beim Arzt? „Nur in Notfällen“, denken augenscheinlich viele Menschen und vermeiden während der Corona-Zeit Arztbesuche, wenn sie nur können. In der Hochphase der Pandemie ging die Zahl der Facharztbesuche massiv zurück.

 Auch in Nachrodt-Wiblingwerde. Zahnärztin Michaela Christodoulakis behandelte im April nur ein Viertel der Patienten im Vergleich zum April des Vorjahres. „Das muss man sich mal vorstellen“, sagt Michaela Christodoulakis. „Die Patienten waren zögerlich, sehr verunsichert, aber mittlerweile ist es ganz anders.“ Eine Welle der Solidarität schlägt ihr nun entgegen. „Auch ältere Patienten sagen, dass sie jetzt unbedingt wieder behandelt werden möchten, weil sie mich auch unterstützen wollen. Ich bin ganz geflasht.“ Die Situation entspannt sich also in der Praxis für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde an der Altenaer Straße 47. „Es geht bergauf. Die Leute sind sehr zuvorkommend. Und Angst haben sie auch nicht oder nicht mehr. Wir haben hohe Sicherheitsstandards, wir arbeiten mit Terminen. Es sind auch nicht mehr als höchstens drei Patienten gleichzeitig in der Praxis, und wir haben alle möglichen Abstandsregelungen auf den Boden geklebt“, sagt die Nachrodter Zahnärztin, die bei Behandlungen immer komplett vermummt ist: Langarmkleidung als Vollschutz inklusive Schutzmaske und Kopfbedeckung.

 „Am Anfang war besonders die Kopfhaube für die Patienten irritierend“, erzählt Michaela Christodoulakis schmunzelnd von den Kommentaren: „Wie sehen Sie denn aus?“ Michaela Christodoulakis ist froh, dass sie ihre Praxis in Nachrodt hat. Die Solidarität sei hier einmalig. „Das ist eben der Unterschied zu großen Städten. Ich liebe Nachrodt und möchte mich gern bei den Patienten bedanken.“ Einige brachten auch schon Kuchen mit. Noch ist die Pandemie nicht ausgestanden, noch ist die Zurückhaltung bei den Arztbesuchen zu spüren. „Wir haben Kurzarbeit, und ich musste Teams bilden. Die Mitarbeiter unterstützen mich, wo es geht und es wird nicht gemeckert, wenn die Schichten doch kurzfristig verändert werden müssen“, sagt Michaela Christodoulakis. Keine Kurzarbeit gibt es in der Hausarztpraxis von Matthias Hartig an der Altenaer Straße 43. Der Patientenrückgang hält sich in Grenzen. Der Allgemeinmediziner spricht von einem etwa 20-prozentigen Rückgang. „Wahrscheinlich aus Sorge vor Ansteckung, anders kann ich es mir nicht vorstellen“, so Dr. Matthias Hartig. Zu Beginn der Corona-Pandemie suchten die Patienten gern das Gespräch mit dem Arzt über das Virus. „Das war am Anfang sehr intensiv, lässt jetzt aber nach.“

Im Moment beschäftigen sich die Patienten mehr mit der Terminvergabe, „an die sie sich erst gewöhnen müssen“, sagt der Hausarzt. Denn mehr als vier Patienten dürfen nicht im Wartenzimmer sein, und Mundschutz ist natürlich Pflicht. In einer bundesweiten Umfrage des NDR äußerten Vertreter von Berufsverbänden, Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen die Sorge, der Ausfall von Terminen könne zu lebensbedrohlichen Verschlechterungen der Gesundheit der Patienten geführt haben. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich in einem ARD-Interview besorgt und appellierte an die Bevölkerung, jetzt notwendige Arztbesuche zu terminieren: „Chronisch Kranke, auch akut Kranke, brauchen den Arzt, brauchen den Besuch in der Praxis und in der Klinik. Ich kann sie nur auffordern und ermuntern, tatsächlich auch zum Arzt zu gehen, wenn sie ihn brauchen.“

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