Fischen in fremdem Revier / Fische in Lenne gesetzt

Angler kritisieren: "Immer wieder angeln Leute ohne Berechtigung"

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Jürgen Tamski angelt gern am Obergraben. 

Nachrodt-Wiblingwerde – „Kommt der Wind aus Osten, lass die Angel rosten“, heißt eine von vielen Angler-Weisheiten. „Und das stimmt“, sagt Jürgen Tamski. Er angelt gern auf Forelle und Karpfen am Obergraben. Köder: kleine Würmer. „Oder Regenwürmer, die ich in meinen Garten finde.“ Obwohl wenig idyllisch direkt an der B236 gelegen, findet Jürgen Tamski den Platz super.

„Hier muss ich nicht weit laufen“, meint der Angler, der im Nachrodter Angelfischerverein Mitglied ist. Drei Mal in der Woche versucht er die Fische zu überlisten. Ein nicht so einfaches Unterfangen. Dass sich die Angler auch an Abstandsregelungen halten müssen, versteht sich von selbst, ist aber eigentlich ohnehin kein Problem. Große Unterhaltungen auf engstem Raum gehören einfach nicht zum Angeln. Jürgen Tamskis geangelten Fische werden meistens geräuchert.

Aber er mag sie auch gebraten oder auf dem Grill zubereitet. Er angelt bei Wind und Wetter. „Es kommt nur darauf an, dass man sich richtig anzieht.“ Und vor allem Geduld sollte man mitbringen. Dass kein Fisch beißt, es keinen einzigen Zupfer an der Angel gibt, kommt vor. Aber: „Man weiß ja nie, was passiert. Es könnte ja auch etwas Großes anbeißen“, sagt der 54-jährige Frührentner, der die Ruhe und Gelassenheit beim Angeln schätzt. Sein größter Fisch war bisher ein Hecht von 1,23 Metern, den er aus dem Harkortsee gezogen hat.

Ein solches Exemplar wird er wahrscheinlich nicht in der Lenne finden. Der Angelfischerverein Nachrodt-Wiblingwerde hat an zwei Terminen Forellen, Karpfen und Rotaugen eingesetzt – und zwar auf der ganzen, acht Kilometer langen Strecke von AGN bis Glas Nielsen. Und so schwimmen nun unter anderem 600 fangfähige Bachforellen (39 bis 40 Zentimeter), ein paar 1000 kleinere (20 bis 25 Zentimeter) und an die 6000 Forellen von der Brut bis 15 Zentimeter in der Lenne. Unter der Voraussetzung eines guten Nahrungsangebots und reines, strömendes Wassers können Bachforellen bis zu 20 Jahre alt werden. Dabei vervielfachen junge Fische bereits nach einem Jahr ihr Gewicht. So romantisch das Angeln selbst ist, so ärgerlich sind die schwarzen Schafe, die dem Angelfischerverein Kummer bereiten.

„Immer wieder angeln Leute ohne Berechtigung, ohne Schein. Oder sie buchen in Altena eine Tageskarte und fischen in unserem Revier“, sagt Thorsten Fitz. Er ist seit Februar neuer Vorsitzender des Nachrodter Vereins und möchte auch gegen die Umweltverschmutzer vorgehen. „Am schlimmsten ist es in den Bereichen Edeka und Netto. Da fahren die Menschen hinten auf die Parkplätze und entsorgen ihren Müll.“ Und so nehmen die Nachrodter Angler meist auch Mülltüten mit, um den Dreck der anderen zu entsorgen. „Wenn ich mich einem Verein anschließe, bin ich als Angler auch dafür verantwortlich, dass das Gewässer gepflegt wird“, sagt Thorsten Fitz, der weitere Probleme aufzeigt: Es gibt ein massives Problem mit dem Kormoran und auch aufgrund der Wasserkraftanlagen „geht viel Fisch verloren“, so der 35-Jährige.

Zudem verstopfe die Fischtreppe am Obergraben schnell, sodass kein Fisch durchkomme. 135 Mitglieder zählt der Angelfischerverein: Spinnfischer, Fliegenfischer und Ansitzangler lieben ihr Hobby. Viele angeln schon seit ihrer Kindheit, wie Jürgen Tamski, der mit zehn Jahren seine erste Angel bekam.

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