Angeklagter bestreitet die Tatvorwürfe

Vor dem Hagener Landgericht hat ein Prozess wegen Kindsmissbrauch gegen einen 57-jährigen Mann begonnen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Immer wieder bricht die Stimme des 57-Jährigen bei seiner Aussage im Landgericht Hagen unter Tränen. Der Mann, der sich wegen des fünfmaligen Missbrauchs von Kindern über einen Zeitraum von sechs Jahren seit gestern Morgen verantworten muss, bestreitet sämtliche Vorwürfe.

Dem 57-Jährigen, der zum Tatzeitraum in Nachrodt-Wiblingwerde wohnte, wird vorgeworfen, sich mehrfach an einem seiner Pflegekinder in der Wohnung und einmal an einem Kind im gemeinsamen Urlaub vergangen zu haben. Seine Opfer sind heute jeweils 15 Jahre alt.

So soll er seine Pflegetochter veranlasst haben, ihn im Intimbereich zu berühren oder ihn zu befriedigen. Der Angeklagte gab diesbezüglich an, dass das Mädchen gerne und häufig bei ihm im Bett geschlafen habe. In den Ferien, so lautet ein weiterer Vorwurf, soll er ein Mädchen aus der Nachbarschaft unsittlich angefasst haben.

Doch der 57-Jährige stellte sich gestern vor dem Hagener Landgereicht als Opfer dar. Er unterstellte seiner ehemaligen Pflegetochter, schon früh eine Tendenz zu Männern hin gehabt zu haben. Seine Frau habe sie deswegen auch zu einer Therapie begleitet. Das Jugendamt sei diesbezüglich im Bilde gewesen, gab er an.

„Seit 30 Jahren haben wir Pflegekinder. Da ist nie was gewesen. Ich habe sie in den elf Jahren, in denen sie bei uns war, weder geschlagen oder mit ihr geschimpft. Sie durfte bei mir immer alles“, beschrieb er seine Beziehung zu seiner Pflegetochter als fürsorglich und liebevoll. „Ich kann zu den Vorfällen nichts sagen, weil es nicht passiert ist.“ Vielmehr habe sich das Mädchen ihm öfters genähert, habe ihm über den Kopf gestrichen und ihn auch angefasst. „Ich habe ihre Hand dann weggedrückt“, sagte der Angeklagte.

Auch zum Vorwurf, ein weiteres Kind belästigt zu haben, gab der 57-Jährige an, nichts getan zu haben. Einen Grund für die Beschuldigungen der Kinder konnte der Mann allerdings nicht nennen. Der Beginn der angeblichen Taten läge in einer Zeit, in der er „andere Sorgen im Kopf gehabt hätte“, so der Beschuldigte, der damals um den Tod seines Adoptivsohn getrauert habe.

Die durch die Polizei sichergestellten Fotos auf dem Computer des Mannes, die die Mädchen zwar bekleidet aber in sexy Posen zeigten, spielte er herunter. Sie seien nicht schlimm und bei verschiedenen Gelegenheiten entstanden. Teilweise hätten auch andere die Fotos geschossen. Er habe sie einfach vom USB-Stick auf den Computer gezogen und nicht weiter überprüft.

Der Prozess gegen den 57-Jährigen wird am Donnerstag fortgesetzt. ▪ GrAn

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