Andreas Murza: Mit dem Mountainbike an den Ostseestrand

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Andreas Murza

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Sylvia Murza aus Einsal glaubte, dass ihre Ohren ihr einen Streich gespielt haben. „Wie? Du willst mit dem Fahrrad kommen? Hierauf?“, fragte sie ihren Ehemann, während sie in Norddeutschland Urlaub machte.

Von Hartwig Bröer

Doch Sylvia Murza hatte sich nicht verhört. Ihr Mann hatte sich in den Kopf gesetzt, ihr mit dem Fahrrad an die Ostsee nachzureisen, um dann gemeinsam mit seiner Ehefrau nach Einsal zurückzukehren. Er hatte sich spontan entschlossen, die Anreise mit einem Mountainbike anzutreten.

Für die rund 550 Kilometer lange Strecke bis zum Sehlendorfer Strand in die Holsteinische Schweiz benötigte Andreas Murza vier Tage. Und die waren mühsam. Murza startete am 4. August morgens um 6.30 Uhr in Einsal. Schon am ersten Tag erreichte er Detmold am Rande des Teutoburger Waldes, rund 150 Kilometer entfernt.

Der zweite Tag führte ihn dann nach Nienburg an der Weser. Am dritten Tage schaffte er es bis Geesthacht an der Elbe. Und am vierten Tag erreichte er endlich die Ostsee. „Das war schon eine echte Strapaze“, sagt Murza im Nachhinein. Aber er habe Gegenden gesehen, die von Touristen normalerweise nicht besucht würden.

Doch Murza wählte nicht den direkten Weg zur Ostsee, der ihn über Land- und Bundesstraßen geführt hätte. Er entschied sich für die „härtere“ Variante. Dazu lud sich er ein Navigationssystem für sein Smartphone aus dem Internet herunter. „Da konnte ich mir zwar eine Karte anzeigen lassen“, so Murza, „denn dann wäre der Akku zu schnell leer gewesen.“ Also verzichtete er auf die Anzeige der Karte und verließ sich statt dessen auf die stimmliche Navigation. Und die führte ihn über Feld- Wald- und Wiesenwege letztlich zum Ziel. „Ich war überrascht“, sagt Murza. Denn die Angaben des Systems hätten auf den Meter genau gestimmt.

Übernachtet hat Andreas Murza während seiner Fahrt erfolgten in so genannten „Bed and Bike“-Hotels. Die gebe es an fast jeder Fahrradstrecke, erklärt Murza. Das sei zwar nicht unbedingt Luxus pur, aber ein gutes Zimmer und ein ebensolches Frühstück habe er immer vorgefunden. „Einmal habe ich sogar in einem Vier-Sterne-Hotel übernachtet“, schmunzelte Murza. „Die machten für Fahrradfahrer Sonderpreise“.

Aber ganz schmerzfrei überstand Murza diese Tour, bei der er rund 10 Kilogramm Reisegepäck im Rucksack mit sich führte, dann doch nicht. „Mein Fahrrad hatte einen schmalen Sattel“, sagt Murza. Und schon am zweiten Tag habe er bemerkt, dass sich an einem bestimmten „hinteren Teil“ seines Körpers einige wunde Stellen bildeten. „Als ich das spürte“, lachte Murza nachträglich, „wäre Zurückfahren auch dumm gewesen. Ich hatte doch schon fast die Hälfte der Distanz hinter mir“.

Und so kam er ein wenig lädiert an der Ostsee an. Dort verbrachte er drei Tage Urlaub mit Ehefrau Sylvia. Dann ging es zurück ins heimische Einsal. Allerdings wesentlich komfortabler. Denn für die Rückfahrt nutzte das Ehepaar ein Auto. „Das war auch gut so“, schmunzelt Ehefrau Sylvia. „Denn sonst hätte man ihn hier wahrscheinlich mit einem Pavian verwechseln können“, sagte sie in Anspielung auf die Spuren, die die Fahrradtour bei ihrem Gatten hinterlassen hatte.

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