Kein Doppelgänger am Steuer

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Eine Fahrzeugkontrolle am Ortsausgang von Nachrodt und ihre Folgen beschäftigten am Mittwoch das Amtsgericht.

Nachrodt-Wiblingwerde - Große Verwunderung löste im Amtsgericht Altena die Hartnäckigkeit eines 31-jährigen Nachrodters aus, der sich trotz der klaren Zeugenaussage eines Polizisten nicht von seiner gebetsmühlenartig wiederholten Aussage abbringen lassen wollte: „Ich bin an dem Tag nicht mit dem Auto gefahren.“

Das Auto war ein Fiat Punto, dessen Kennzeichen der Angeklagte am 16. April 2014 als gestohlen gemeldet hatte. Mit der gleichzeitigen Abmeldung beim Straßenverkehrsamt erlosch auch der obligatorische Haftpflichtversicherungsvertrag – das Auto durfte also nicht mehr auf öffentlichen Straßen bewegt werden. Dennoch begegnete der Punto zwei Polizisten, die am Sonntag, 14. September, um sieben Uhr morgens am Ortsausgang von Nachrodt in Richtung Letmathe eine Fahrzeugkontrolle durchführten. Sie waren auf das Fahrzeug aufmerksam geworden, weil die Tüv-Plakette schon lange abgelaufen war. Dabei kontrollierten sie auch den Führerschein des Fahrers – es war jener des Angeklagten. Und auch an den 31-Jährigen konnte sich der Beamte gut erinnern – er hegte keinerlei Zweifel, dass dieser es gewesen war, der an jenem Morgen am Steuer des Kleinwagens gesessen hatte: „Wir haben an jenem Morgen miteinander gesprochen.“

So blieb schließlich wenig, um den Angeklagten zu entlasten: Ein Mann, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht und nicht nur das Auto, sondern auch die gestohlenen Kennzeichen und den Führerschein des Angeklagten an sich gebracht hatte? Oder gar ein eineiiger Zwillingsbruder? Wie Auto und Kennzeichen angeblich wieder zueinander gefunden hätten, schilderte der Angeklagte selber: „Ich habe die Kennzeichen in der Nachbarschaft wiedergefunden.“ Zwei Allgemeinplätze brachte er immer wieder vor: „Ich war noch nie vor Gericht“ und „Sonntagmorgen um sieben Uhr kann ich nicht unterwegs gewesen sein“. 45 Tagessätze zu je 15 Euro und ein dreimonatiges Fahrverbot beantragte die Amtsanwältin, und der Angeklagte wehrte sich weiter gegen die drohende Verurteilung: „Ich bin mit dem Fahrzeug nicht gefahren und sehe das nicht ein.“ Richter Dirk Reckschmidt verurteilte den Angeklagten schließlich wegen Urkundenfälschung und des Gebrauchs einer falschen Urkunde zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 15 Euro – zehn mehr als im Strafbefehl gestanden hatten. Dazu kam ein Fahrverbot von zwei Monaten. „Ich glaube Ihnen nicht“, machte der Richter deutlich und begründete die Erhöhung der Strafe mit dem verweigerten Geständnis des Angeklagten. - Thomas Krumm

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