Ampel und Einbahnstraße: Kunden bleiben aus

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Mahmut Sisman in seinem Markt. Seit neun Jahren ist er in Nachrodt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Der Abschied tut weh. Mahmut Sisman möchte seinen Markt aufgeben – und in Letmathe ein neues Geschäft eröffnen. Denn die Einbußen, die der Einzelhändler aufgrund der Ampel an der Brücke und der Einbahnstraßen-Regelung an der Ehrenmalstraße hat, sind so erheblich, dass eine Zukunft in Nachrodt für ihn unmöglich erscheint. Den Rest geben dem Hemeraner Gerüchte rund um die neue Brücke.

„Hier sehe ich keine Zukunft“, sagt Mahmut Sisman. Seitdem die Lennebrücke aufgrund ihres maroden Zustandes nur noch einspurig befahrbar ist und eine Ampelschaltung den Verkehr regelt, bleibt die Kundschaft mehr oder weniger aus. Der Grund: Autofahrer, die bei Stau auf der A45 oft schon ab den Walzwerken in der Schlange stehen, sind froh, wenn sie endlich die Engstelle passiert haben, und verzichten auf einen Einkauf im „Sismanoglu Market“. Und auch ohne Stau seien Kunden vom Warten an der Ampel eher genervt. Der Zeitfaktor sei das größte Problem – und Zeit wolle niemand mehr verbummeln.

Hinzu kommt die Einbahnstraße. Kunden „von oben“, – also von Wiblingwerde oder vom Holensiepen – dürfen nicht mehr die Ehrenmalstraße herunter, müssen den erheblichen Umweg fahren und „kaufen dann auf dem Weg bei Netto oder Edeka ein“, sagt Mahmut Sisman, der vor neun Jahren das Geschäft von seinem Bruder übernommen hatte. Die Lage des Marktes war noch nie perfekt, aber die Situation hat sich so verschärft, dass der 40-Jährige jetzt einen Neustart in Letmathe plant. „Ich hoffe, dass da die Stimmung besser ist“, sagt der Einzelhändler, der in Nachrodt ein internationales Publikum im „Sismanoglu Market“ hat, wie er selbst sagt.

Apropos Stimmung: Die ist eher verhalten in Nachrodt. Vor allem Gerüchte rund um die Brücke machen die Runde. Welche Häuser müssen abgerissen werden, wenn die Brücke am jetzigen Standort realisiert werden soll? „Und dann soll die neue Brücke auch viel höher werden. Dann liegen wir unten mit den Geschäften im Tal“, sagt Mahmut Sisman.

Fakt ist: Straßen-NRW favorisiert nach wie vor eine neue Brücke links neben der Rastatt – und nicht, wie der Rat einstimmig möchte, eine neue Brücke am jetzigen Standort. „Wir betreiben unsere Planungen weiter und sehen darin die einzige Möglichkeit, während der Bauzeit verkehrstechnisch zurecht zu kommen“, sagt Eberhard Zimmerschied, Abteilungsleiter Betrieb und Verkehr bei Straßen.NRW. Ist damit eine neue Brücke – wann auch immer sie kommen könnte – am jetzigen Standort vom Tisch?

„Straßen.NRW hat uns verschiedene Brücken-Varianten vorgestellt und ist der Ansicht, dass ihre bisher geplante die einzig vernünftig machbare wäre. Alle anderen Standorte würden zu erheblichen Mehrkosten führen“, so Bauamtsleiter Dirk Röding, der sich mit Ratsherr Matthias Lohmann dringend um einen Termin bei Straßen.NRW bemühen möchte. Denn: Matthias Lohmann ist nach wie vor der Ansicht, dass die vorhandene Brücke mit einem sogenannten Injektionsverfahren ertüchtigt werden kann. „Straßen.NRW aber sagt, dass es dazu ein Gutachten gebe. Bei der Nachrodter Brücke könnte das Verfahren nicht durchgeführt werden. Dieses Gutachten würden wir uns gerne angucken“, so Dirk Röding.

Monate, vielleicht sogar viele Jahre werden ins Land ziehen... bis es eine neue Lennebrücke geben wird. Unterdessen wird sich an der Verkehrssituation in Nachrodt in nächster Zeit nichts ändern. Die Brückenampel bleibt. Die Einbahnstraße auch. „Die Verkehrskommission hat sich das noch einmal angeschaut. Es muss bei der Einbahnstraßenregelung bleiben“, sagt Eberhard Zimmerschied. „Wenn wir das ändern würden, würde es von oben einen Schleichverkehr geben, der so stark wäre, dass man unten eine Ampelphase einrichten müsste. Und genau diese würde so viel Zeit kosten, dass wir zu Spitzenzeigen einen riesigen Rückstau hätten. Und das will ja keiner. Es läuft ja gerade relativ gut. Straßenverkehrsamt, Polizei und Straßen.NRW sehen keine andere Möglichkeit, so leid uns das für die Betroffenen tut“, so Zimmerschied.

Davon hat Mahmut Sisman aber keinen Kunden mehr. Sein Rückzug aus Nachrodt steht, so sagt er, zu 95 Prozent fest.

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