Mit Kraft und Wendigkeit den Gegner überrumpeln

Ohne Schutzkleidung geht nichts bei der Sportart, die in Deutschland noch ein Schattendasein führt. Von der Widerstandsfähigkeit der Helme überzeugen sich hier Jochen Struwe und Renate Richwien vom Jugendzentrum.  Foto: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Boden gut machen ist das erklärte Ziel beim American Football. Zehn Yards pro Runde gilt es zu überbrücken, ohne dass 22 starke Gegner den Ball in die Finger bekommen. Deshalb sind Spieler wie Lukas Siwon (Dortmund Giants) und Robin Lüsebrink (Remscheid Amboss) auch von Kopf bis Fuß gut trainiert. Grundlagen des Sports brachten sie am Samstag jungen Leuten im Wilhelm-Mestekämper-Stadion bei.

Ordnungsamtsleiter und Zukunftswerkstatt-Tteilnehmer Axel Boshamer hatte den Kontakt zu dem Lüdenscheider Robin Lüsebrink hergestellt, der sich gern zu einer Trainingseinheit mit dem Jugendzentrum Nachrodter Kurve bereiterklärte. Die Resonanz auf das Angebot zeigte allerdings: American Football ist in Deutschland einfach noch nicht gut etabliert. Zwei junge Männer fanden sich ein, um sich von dem Offence-Tackle-Player Lukas Siwon und dem Defence-End-Spieler Robin Lüsebrink etwas zeigen zu lassen. Bevor die aber den ersten Ballkontakt bekamen, gab’s ein intensives Aufwärmtraining.

Wer schon einmal die eine oder andere Tanzstunde hatte, kommt ins knifflige Training gut rein: „Rein, rein, raus, raus!“ heißt es zum Beispiel in der Flachleiter auf dem Kunstrasen, die in Windeseile mit schnellem Schritt durchlaufen wird. Flinke Ausfallschritte und die Fähigkeit zum Hakenschlagen wie ein Feldhase sind ein Riesenvorteil auf dem Spielfeld, wenn es gilt, den Ball eine Runde weiterzutragen. Die jeweils elfköpfige Offensive und Defensive setzt alles daran, dem Gegner den Ball abzuluchsen – und das mitunter auch mit hartem Körperkontakt.

Ein Schutzgitter vor dem Gesichtsfeld des massiven Helms ist deshalb auch Pflicht. „Da darf man nicht reinfassen, das ist ein Regelverstoß“, erklärte Lukas Siwon auch den faszinierten Jugendzentrumsmitarbeitern Renate Richwien und Joachim Struwe. Die Schultern sind eine unglaublich verführerische Angriffsfläche, die es gut zu schützen gilt. American Football ist deshalb auch für die enormen Polster bekannt, die dieser Körperpartie ein wenig Entlastung bei hartem Kontakt bieten.

Beim Überrumpeln des Gegners ist vieles erlaubt. Kräftig und flink zu sein, ist deshalb das A und O, um einerseits selbst gut angreifen und gleichzeitig die Mauer der Gegner durchbrechen zu können. Ein dickes gepolstertes Schild ist das einzige Hilfsmittel. Und das Regelwerk ist innerhalb der oft nur wenigen Sekunden andauernden Partien ziemlich kompliziert. „Wenn man aber drin ist. Macht es richtig Spaß“, versicherten die Gäste am Samstag.

Obwohl American Football in Deutschland noch eine Rarität ist (auf acht Millionen Fußballspieler in Deutschland kommen 30 000 American-Football-Spieler), sind die Spiele im Vergleich zu den Partien von Amateurfußballern echte Events mit Vorprogramm und hervorragender Zuschauerresonanz: 700 bis 1200 Gäste finden sich ab April wieder bei Saisonstart in den Stadien ein. Der Fan-Zusammenhalt ist riesig, was die Teams natürlich antreibt.

Zwei neue Interessenten haben Robin Lüsebrink und Lukas Siwon am Samstag auf jeden Fall gewonnen – denn so ein exklusives und spaßiges Einzeltraining wie in Nachrodt werden die Jungs wohl nie mehr bekommen. JZ-Leiterin Renate Richwien könnte sich übrigens vorstellen, das Schnuppertraining im Sommer noch einmal zu wiederholen. „Aber dann mit mehr Teilnehmern und mit Zuschauern“, hofft sie auf größere Resonanz als am Samstag.

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