Merkwürdige Gestalten im rosaroten Wellness-Tempel

+
Die Jagd auf das Collier der Grafin gibt dem Lustspiel eine kriminalistische Note, es überwiegen jedoch die komischen Momente in der neuen Inszenierung des Amateurtheaters Brettken am Drögen Pütt.

Nachrodt-Wiblingwerde - Engelbert Heiler, Chef des Wellness-Hotels „Zum rosa Rüssel“, pflegt eine etwas andere Sicht auf die Dinge der Welt: „Frauen, die Männer küssen – Sodom und Gomorrha!“, stöhnt er, als gleich drei Paare im Empfangsraum seines Etablissements knutschen.

Heilers Welt ist so rosarot wie die Wände im „Rüssel“ und die Bademäntel seiner Gäste – trotz seiner wiederholten Beteuerungen, dass er Frauen liebe: „Wenn überhaupt keine Männer mehr da sind“, stellt jemand unmissverständlich klar. „Unter Bademänteln. Eine Posse in Plüschpantoffeln“ nannte Autorin Vera Wittrock ihr Lustspiel, in dem es tatsächlich um ebendiese „Lust“ geht. Das Amateurtheater Brettken am Drögen Pütt zeigt seine Inszenierung am Freitag, 13. Juni, und an vier weiteren Abenden.

Sowohl recht lebensnahe als auch sehr merkwürdige Gestalten tummeln sich im rosafarbenen Wellnesshotel: Allen voran Michael Krüger in der Rolle des tuntigen Empfangschefs, der mit schriller Kopfstimme die Würde seines Amtes pflegt und solche Zumutungen wie das Koffertragen souverän abbügelt: „Das hier sind Künstlerhände.“

Relativ normal tickt der Kurlauber Bruno Maibohm, der lediglich diversen Frauen nachstellt und seinerseits von ihnen verfolgt wird. Diesem Proleten verleiht Dr. Michael Podworny einen durchaus stilvollen Auftritt mit der Devise: „Ja nee – is’ klar!“ Im amourösen Ringkampf mit Cornelia Längsfeld, einer Nymphomanin, für die Frauke Römer fast alles gibt, steht Bruno Maibohm ein ums andere Mal seinen Mann.

Termine

Weitere Aufführungstermine für das Lustspiel „Unter Bademänteln“:
Freitag, 13. Juni, 20 Uhr Samstag, 14. Juni, 20 Uhr Sonntag, 15. Juni, 20 Uhr Mittwoch, 18. Juni, 20 Uhr Donnerstag, 19. Juni, 20 Uhr Die Abendkasse öffnet bereits ab 19 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 8 Euro und für Kinder und Jugendliche 4 Euro. Platzreservierungen sind möglich unter Tel. 0 23 52/3 23 73 und per E-Mail an reservierung@brettken.de

Seine Frau Gertrud (Manuela Witt) hat etwas eigenwillige und unzutreffende Vorstellungen von einer Nymphomanin: „Wie, die hat einen Fischschwanz?“ Auch Gertrud Maibohm träumt von liebevoller Zuwendung – stattdessen muss sie als Köder für einen Dieb herhalten. Der kommt in Gestalt des Italieners Vincenzo Vitello, dem der neu verpflichtete Dietrich Hoppner sein Antlitz leiht, und seiner mafiösen Mama, gespielt von der resoluten Ilse Alexius.

Die beiden gelüstet es nach Geschmeide der Gräfin Mathilde von Märthesheimer, einem Auge des Anstands in einem Wirbelsturm von Lust und Begehren. Marina Moldenhauer verströmte in dieser Rolle die nötige Würde. Bleiben noch das charmante Rüssel-Schätzchen Katrin Schiffer (Larissa Römer) und der dynamische Kommissar Horst Brutalsky, der am Ende seiner spektakulären Auftritte tatsächlich für eine Überraschung sorgt. Die Liste seiner Arbeitgeber sorgte für die lautesten Lacher bei den fast 70 Premierengästen in der Rastatt: „CSI New York, CSI Miami, CSI Nachrodt“. Der Mann hat einiges gesehen. - Thomas Krumm 

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare