Ensemble übt das kreative schauspielerische Chaos

Mit Schauspieler Johannes Baldur (M.) verfeinerten die Laiendarsteller ihren körperlichen Ausdruck, aber auch ihre Fähigkeit zur Rollenübernahme und spontanen Improvisation. Fotos: Hornemann

Nachrodt-Wiblingwerde - Professionelle Hilfe gönnten sich am Wochenende die Darsteller des Amateurtheaters Brettken am Drögen Pütt. Für zwei Tage hatten Dr. Michael Podworny und neun Mitstreiter Johannes Baldur engagiert. Der freie Schauspieler aus Köln arbeitete mit der Gruppe vor allem am körperlichen Ausdruck, an den Stimmen sowie an der Fähigkeit zur Rollenübernahme und spontanen Improvisation.

„Wenn ich nicht genau weiß, wo ich hin will, darf ich mich nicht wundern, wenn ich ganz woanders ankomme“, variierte Michael Podworny eine Weisheit von Mark Twain. In diesem Sinne stellte Johannes Baldur den Spielern zu Beginn eine Frage: „Warum seid Ihr hier?“ Nur wer etwas erwartet, kann beurteilen, ob er das Erwartete erreicht oder verfehlt hat. Klare Ziele gebe es auch auf der Bühne, machte Johannes Baldur deutlich: Im Kalender steht ein fixiertes Premierendatum, und bis dahin müssen Bühnenbild, Text und spielerische Interaktion sitzen. Doch das ist nicht alles: „Auf dem ganzen Weg zwischen der Entscheidung über das Stück und der Premiere muss man den Mut haben, nicht genau zu wissen, wo man ist“, pries Johannes Baldur das kreative schauspielerische Chaos. Und empfahl eine offene Zielsetzung, die zum Ausprobieren anregt, bei dem die Spieler nicht genau wissen müssen, was passiert.

Für zivilisierte Mitteleuropäer und andere Menschen mit Hang zum Perfektionismus kostet solche Spontaneität ein wenig Überwindung, aber die Brettken-Akteure spielten ja nicht zum ersten Mal „Theater“. Johannes Baldur animierte die Gruppe zu diversen Spielen – sei es im Duo mit einem Mitspieler oder im Kreis als „Ensemble“, in dem jeder Einzelne an seinen spontanen oder vorgeschriebenen Reaktionen und seiner Geistesgegenwart gegenüber der Gesamtgruppe arbeitete. Eines betonte Johannes Baldur dabei mehrfach: Den Spaß am Theatralischen, das alltägliche Grenzen in Frage stellt. „Ihr kommt hierher, um zu spielen und Quatsch zu machen“, erinnerte der Schauspieler seine Laienkollegen an einen Grundsatz.

Schnelle Rollenwechsel waren bei dem Training ein besonderes Thema, da das nächste Stück des „Brettken-Theaters“ 40 Jahre nach seiner Gründung 1975 etwas anders als die sonst gespielten traditionellen Komödien sein soll. Die Akteure spielen „TV Nonstop“ von Thorsten Böhner, einen unterhaltsamen Parcours durch die Abgründe des Genres Fernsehen. Das Stück ist eine bunte Mischung aus Satire und Comedy in elf Etappen und zwölf Zwischenspielen rund um das Thema Fernsehen und seine vielen Facetten. Geklärt wird dabei auch die Frage, was dieses nicht immer hoch anspruchsvolle Medium eigentlich mit den Zuschauern macht. Die Proben haben bereits begonnen, weil das Projekt eine besondere Herausforderung darstellt: „Elf Sequenzen aus allen TV-Sparten fordern uns als Theatergruppe natürlich heraus“, nennt Michael Podworny einen der Gründe, ein ganzes Wochenende an der Qualität des Spiels zu arbeiten.

In dem TV-Stück gibt es übrigens noch Platz für weitere Darsteller. Eine größere (weibliche) und mehrere kleinere Rollen könnten noch besetzt werden: „Wer Lust am Theaterspielen verspürt, sollte sich entweder an jemanden aus unserem Ensemble wenden oder zu einem der nächsten Probenabende kommen (montags, 19.30 Uhr, Hagener Straße 96 in Nachrodt).“ Die Premiere von „TV Nonstop“ wird Ende April/Anfang Mai 2015 über die Bühne gehen. - ThomasKrumm

www.brettken.de

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