1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Die neuen Tattoo-Farben sind da

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Arnd Winkhaus tätowiert in seiner „bunten Bude“ Wiblingwerde.
Arnd Winkhaus tätowiert in seiner „bunten Bude“ Wiblingwerde. © Fischer-Bolz, Susanne

Arnd Winkhaus tätowiert eine lustige Schneeflocke. Und findet sie so toll wie seine junge Kundin, die ein absoluter Winterfan ist und sich monatelang Gedanken um ihr allererstes Tattoo am Unterarm gemacht hatte. Endlich gibt es die neuen Farben für die Tätowierer, die ihr komplettes Farb-Sortiment erneuern mussten., weil die alten Farben als gesundheitsschädlich eingestuft wurden.

Nachrodt-Wiblingwerde – Aufgeregt war die 26-Jährige vor ihrem ersten Tattoo. „Ach, hier ist schon der stärkste Mann umgefallen“, erzählt Arnd Winkhaus lächelnd. „Hier darf man sein, wie man ist. Es bleibt alles hier“, erzählt der Wiblingwerder, der links neben dem Café Kult in Wiblingwerde die „Bunte Bude“ betreibt. Es gibt kein Rein und Raus im großzügigen Tattoo-Studio, keine Leute, die warten und drängeln, keinen Zeitdruck. Stattdessen zwitschern die Vögel draußen und Arnd Winkhaus wählt ruhige Musik und bietet der jungen Kundin Traubenzucker an. Sie zeigt sich neben ihrem leisen „au, au, au“ tapfer und kann nach einer Stunde glücklich strahlend eine Schneeflocke bewundern, die allerdings jetzt mindestens drei Tage unter einer Schutzfolie auf ihren großen Auftritt wartet. Aufwändiger zu tätowieren war da schon die Titanic, die mit einem Eisberg kollidiert und von Arnd Winkhaus spektakulär auf die Haut gebracht wurde.

Alternative Farben nach Reach-Verordnung

Die „Bunte Bude“ Wiblingwerde hat sich gemausert. Die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert weit über die Gemeindegrenzen hinaus – und die schlimmste Hürde scheint auch genommen: Es gibt jetzt Reach-konforme Farben. Das bedeutet: Nachdem fast alle Tattoofarben verboten wurden, weil die enthaltenen Konservierungs- und Bindemittel im Verdacht stehen, krebserregend oder anderweitig gesundheitsschädlich zu sein, können die Tätowierer nun auf Alternativen umsteigen.

Für eine Schneeflocke hat sich die 26-jährige Kundin entschieden.
Für eine Schneeflocke hat sich die 26-jährige Kundin entschieden. © Fischer-Bolz, Susanne

Es war eine große Herausforderung für Tattoo-Studios: Anfang des Jahres mussten sie ihr komplettes Farb-Sortiment erneuern. Nur die Pigmente „Green 15:3“ und „Blue 7“ haben eine Schonfrist bis Januar 2023. Damit das kein Aus für vielfarbige Tattoos bedeutet, haben Hersteller begonnen, Reach-konforme Farben zu produzieren. Diese sind nun im Einsatz. Allerdings ist die Nachfrage so groß, dass es Lieferschwierigkeiten gibt. Und auch wenn Arnd Winkhaus „total zufrieden“ mit den neuen Farben ist, gibt es natürlich noch keine Antwort darauf, wie lange sie halten und wie die Tattoos nach zwei Jahren aussehen. „Ich bin froh, dass ich die Grundfarben habe. Vieles ist nicht verfügbar. Entweder haben einige Leute alles aufgekauft oder der Hersteller kommt nicht hinterher“, sagt Arnd Winkhaus. Er benutzt jetzt die Farben von „I am Ink“ und „Kuro Sumi“. Arnd Winkhaus hat noch nichts Negatives festgestellt. „Die Farben sehen gut aus, lassen sich gut verarbeiten“, so der Wiblingwerder, der bald seinen 50. Geburtstag feiert. Und auch seine Kunden sind zufrieden.

Von Vogelspinnen bis zum Buddha

Tätowiert wird, was gefällt. Und da gehen die Geschmäcker weit auseinander, ebenso wie das Alter derjenigen, die in die „Bunte Bude“ kommen. Der älteste Kunde, der sich sein erstes Tattoo stechen ließ, war 85 Jahre und einst Berufssoldat. Er ließ sich das Wappen seiner Einheit auf den Oberarm zaubern. Doch auch Vogelspinnen kommen auf die Haut, Frösche, Schmetterlinge, Sonnenblumen oder ein Buddha und das Krümelmonster. Filigrane Werke sind auch eine Berglandschaft mit einem Fahrrad im Vordergrund oder eine Eule im Wald. „Was der eine super-toll findet, fällt für den anderen unter die Devise: Oh mein Gott“, erzählt Arnd Winkhaus schmunzelnd. Er selbst berät die Kunden auch, die mit einer nicht ausgefeilten Idee kommen, zeichnet Vorschläge. Vor mehr als 20 Jahren hat er die ersten Tattoos gestochen, aber erst vor vier Jahren sein professionelles Studio eröffnet. Und er lehnt auch Wünsche ab: zum Beispiel ein Tattoo in den Augen, was tatsächlich gewünscht war. „Die Chance zu erblinden ist sehr hoch.“

Auch interessant

Kommentare