1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

Alter Friedhof wird neue Oase, doch nicht allen gefällt es

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Nicht mehr viel übrig ist vom alten Friedhof am Langenstück
Nicht mehr viel übrig ist vom alten Friedhof am Langenstück © Privat

Es ist ein klassischer Fall von verschiedenen Auffassungen in einer einzigen Sache: Während sich die einen auf eine kleine Oase mitten im Wohngebiet freuen, sprechen andere von Verschandelung der Tradition. Thema: der ehemalige Friedhof am Rande der Werkssiedlung Langenstück. Von ihm selbst ist im Moment nicht mehr viel übrig.

Nachrodt-Wiblingwerde – „Tabula rasa“: Das Alte beseitigen und einen Neuanfang wagen. Dafür hat sich die evangelische Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld entschieden und den Bereich des ehemaligen Friedhofs, der im Jahr 1900 eingeweiht und 1993 stillgelegt wurde, von sämtlichem Gehölz befreien lassen. Der Friedhof ist lange außer Dienst gestellt, die Gräber sind abgelaufen.

„Das soll ein schöner Ort werden“

„Das Gelände ist glatt gemacht worden, sodass dort eine Art Park mit Obstwiese entstehen kann“, sagt Pfarrer Wolfgang Kube und ergänzt: „Das soll ein schöner Ort, eine kleine Oase werden, allerdings nicht öffentlich zugängig. Sonst würde es eine Hundetoilette.“ Entsprechende Erfahrungen mit Hinterlassenschaften von Vierbeinern hatte man in der Vergangenheit bereits gemacht.

Ewigkeitsgräber bleiben

Was bleibt, sind die Ewigkeitsgräber der Kommunalgemeinde. Bisher hat die russische Botschaft das Anliegen der Gemeinde abgelehnt, die gern die sechs Gräber nach Wiblingwerde umbetten würde. „Wir haben noch mal nachgefragt, denn es kann doch nicht sein, dass die Gräber an so einem unwürdigen Ort liegen sollen“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat. „Da sind wir noch dran.“ Auf jeden Fall aber bleiben die Kriegsgräber auch am Langenstück zugänglich.

Aykut Aggül entsetzt

Entsetzt ist der fraktionslose Ratsherr Aykut Aggül vom Geschehen: „Es ist nichts mehr übrig geblieben. Auch gesunde Bäume sind weg. Es sieht aus, als wäre eine Bombe eingeschlagen.“ Wenn es eine Oase werden solle, dann hätte auch der Baumbestand erhalten werden können. „Man hatte jahrelang kein Geld für die Pflege, Parallelen gibt es doch auf dem Friedhof an der Wiblingwerder Straße. Der ist ja auch in manchen Bereichen komplett verkommen“, so Aykut Aggül. Wer kein Geld für die Pflege von Friedhöfen habe, werde auch kein Geld für eine Oase ausgeben. Es sei durchaus ein Aufregerthema im Langenstück. „Ich werde es nicht zulassen, dass es ein weiterer Schandfleck in Nachrodt wird“, so Aykut Aggül.

„Man könnte Bänke hinstellen“

Bürgermeisterin Birgit Tupat hätte es schön gefunden, wenn der Ort für die Bevölkerung zugänglich wäre. „Man könnte Bänke hinstellen. Es wäre doch nett, da zu sitzen. Man könnte dort auch zum Beispiel einen Babywald errichten. Wenn ein Kind geboren wird, pflanzt man einen Baum“, hat Birgit Tupat bereits einige Ideen parat.

Auch interessant

Kommentare