30 Bürger hinterfragen Sinn der interkommunalen Zusammenarbeit

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In der Mensa der Albert-Schweitzer-Hauptschule wurde die geplante interkommunale Zusammenarbeit zwischen Nachrodt-Wiblingwerde und Altena am Freitagabend auch durchaus kritisch gesehen. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Zu einem Stück praktizierter Basisdemokratie trafen sich am Freitagabend knapp 30 Bürger aus Nachrodt-Wiblingwerde in der Aula der Albert-Schweitzer-Hauptschule. Sie waren gekommen, um über geplante Sparmaßnahmen im Haushalt der Gemeinde und die interkommunale Zusammenarbeit mit Altena zu sprechen.

„Man muss sich doch nicht alles gefallen lassen“, sagte Sabine Karisch in ihrer Begrüßung und betonte, dass außer der Gründung einer gemeinsamen Sekundarschule noch nichts entschieden sei. „Was uns gar nicht gefallen hat, ist, dass der Bauhof komplett nach Altena geht“, ging sie zielstrebig auf das zentrale Thema des Abends zu: die mögliche Zusammenlegung des Bauhofs der Doppelgemeinde mit dem in Altena. Es war deshalb keine Überraschung, dass auch Bauhof-Vorarbeiter Marc Trappe und einige seiner Mitarbeiter in der Versammlung ihren Unmut äußerten. Trappe berichtete von alternativen Sparvorschlägen, die er und seine Mannen gemacht hätten – unter anderem eine Flexibilisierung der Arbeitszeit der Bauhof-Mitarbeiter. Außerdem sollten fremdvergebene Arbeiten an den Bauhof zurückgeholt werden. Diese Vorschläge seien leider von der Politik nicht so zur Kenntnis genommen worden, wie sich die Bauhof-Mitarbeiter das gewünscht hätten. „Wir sind eine schlagkräftige Truppe, und so wie wir sind, möchten wir eigentlich auch bleiben“, sagte Trappe und äußerte den Wunsch, „mit der Politik zu einem besseren gegenseitigen Verständnis zu kommen“. Ratsmitglied Horst Schröder sprach von einer „Zwangslage“ und warb um Verständnis für die Sparanstrengungen, mit denen die Gemeinde auf Vorgaben der Landesregierung und der Bezirksregierung reagiert. Er rief die Versammlung und mit ihr die Bürger der Doppelgemeinde zu Vorschlägen auf: „Wenn Sie eine Idee haben, Geld zu sparen, dann her damit!“ Und es gab mehrere solcher Vorschläge: Drei ehrenamtliche Bürgermeister seien zuviel für so eine kleine Gemeinde, und die Rastatt müsse auch nicht unbedingt ein Kostenfaktor für die Gemeinde bleiben.

Bei all dem war das heimliche Hauptthema des Abends jedoch die Zukunft der kommunalen Unabhängigkeit Nachrodt-Wiblingwerdes. Sabine Karisch berichtete, dass eine Aussage von Peter Herbel sie hellhörig gemacht habe: „Es muss jetzt hier keiner Angst haben, dass wir hier stückweise verkauft werden.“ In der Versammlung gingen jedoch Bilder von schwarzgekleideten Sparkommissaren und einer an die Schläfe der Gemeinde gehaltenen Pistole um.

Mit Bedauern blickten die Versammelten zurück auf gescheiterte Verhandlungen zur interkommunalen Zusammenarbeit mit anderen Städten und machten deutlich, dass Altena kein Traumpartner sei. „Wollen Sie ein Stadtteil von Altena werden?“, lautete der Spitzensatz in diesem Zusammenhang. Doch Sabine Karisch mahnte auch dazu, sorgfältig hinzusehen: „Vielleicht ist die Interkommunale Zusammenarbeit ja auch ganz gut, aber es sollte geprüft werden.“

Die Versammlung widmete sich schließlich auch organisatorischen Fragen, wie sich der bürgerliche Unmut in Zukunft äußern kann. Schon heute soll damit begonnen werden. „Es werden einige von uns zur Ratssitzung gehen und ihre Gedanken mitnehmen“, kündigte Sabine Karisch an. ▪ thk

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