Alexander Neufeld aus Nachrodt gehört zu den 540 Fotografen der Initiative „Dein Sternenkind“

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Für Alexander Neufeld (rechts), seine Frau Kerstin und Oliver Felchner aus Hagen (links) ist die Initiative „Dein Sternenkind“ eine Herzensangelegenheit.

Nachrodt-Wiblingwerde - Nichts kann größer sein. Nichts kann inniger sein: Die Liebe zum Kind ist eine einmalige, unvergleichliche und die selbstloseste Form der Liebe. Kaum etwas, was sie zerstören kann. Auch nicht der Tod. Wenn Eltern Abschied nehmen müssen, ist es das Schlimmste, was passieren kann. Doch was hilft, wenn nichts mehr hilft? Vielleicht eine Erinnerung. Alexander Neufeld aus Nachrodt gehört zu den 540 Fotografen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Fotos von Sternenkindern machen.

Ein Andenken an das tote Kind. Ein Bild von dem geliebten Menschen, der vor, während oder kurz nach der Geburt gestorben ist – das bekommen die Eltern von den in der Initiative „Dein Sternenkind“ ehrenamtlich tätigen Fotografen. Kostenlos. Was sich im ersten Moment vielleicht schockierend anhören mag, was ein lange tabuisiertes Thema war, kann eine große Hilfe in der Trauer sein, kann eine Verbindung von Erinnerungen und Gefühlen werden.

„Oft sind unsere Fotografen die ersten Seelsorger“, sagt Oliver Felchner, der sich um die Koordination und auch um die Einstellung der Fotografen für die Initiative kümmert. „Ein gutes Auge für Menschen müssen sie haben“, sagt der Hagener, der sowohl professionelle Fotografen als auch Hobbyfotografen zum Team zählt. Seit der Gründung 2013 von „Dein Sternenkind“ von Kai Gebel aus Seeheim-Jugenheim in Hessen wurden 3800 Mädchen und Jungen fotografiert – allein im vergangenen Jahr waren es 1450.

Es ist eine Herzensangelegenheit

Alexander Neufeld ist selbst Vater. Für ihn sind die Bilder der Sternenkinder eine Herzensangelegenheit. Als seine Frau Kerstin durch Zufall auf Facebook auf die Initiative stieß, war sie mehr als angetan. „Wir haben selbst vier Kinder und sind dankbar, dass sie gesund sind. Wir möchten gern etwas zurückgeben“, sagt die junge Frau, die die Bilder ihres Mannes am Computer bearbeitet und so auch großen Anteil an den Sternenkindern nimmt. Hauptberuflich arbeitet Alexander Neufeld als Drahtzieher in Altena, nebenbei hat er ein Kleingewerbe für die Fotografie angemeldet.

Alarm-App informiert über einen Einsatz

Würdevoll. Liebevoll. Das sind sie, die Fotos von den verstorbenen Kindern. „Wenn ich vor Ort bin, mache ich Fotos wie immer. Die Kamera ist das Schutzschild. Aber wenn ich nach Hause fahre, dann bin ich doch oft sehr emotional“, erzählt der Nachrodter von seinen Einsätzen. Er hat Kinder fotografiert, die viel zu früh zur Welt kamen, oder auch die, die nach wenigen Wochen durch einen plötzlichen Kindstod verstorben sind.

Er wird über eine sogenannte Alarm-App über einen Einsatz informiert und die Fotografen sprechen sich dann in einem internen Forum ab, wer die Fotos machen kann. Dabei fährt Alexander Neufeld auch ins Ruhrgebiet und darüber hinaus. Er ist sich der Tragik der Situation bewusst. „Wir können den Verlust für die Eltern nicht rückgängig machen. Aber wir können Unterstützung anbieten, damit die Trauerarbeit einen wichtigen Stützpfeiler bekommt, nämlich die Erinnerung.“

Dass die Bilder nicht den Tod zeigen, dass keine eventuellen Missbildungen oder Behinderungen zu sehen sind, versteht sich von selbst. Und so gibt es oft auch Detailaufnahmen von den kleinen Händchen oder Füßchen. Oder Bilder gemeinsam mit den Eltern. „Dieses Kind, auch wenn es außerhalb des Mutterleibes vielleicht gar nicht gelebt hat, wird trotz allem immer das Kind dieser Eltern bleiben. Und deswegen ist jede Möglichkeit, die Erinnerung schaffen kann, so wichtig. Denn sie hilft den betroffenen Eltern zu begreifen, dass dieses Kind real war und ist.“

Dass es die Möglichkeit gibt, Fotos von Sternenkindern machen zu lassen, wissen die meisten Eltern nicht. „Es gibt Krankenhäuser und Hebammen, die nichts davon wissen wollen und die die Informationen an die Eltern auch nicht weitergeben“, erzählt Kerstin Neufeld – und versteht die Welt nicht mehr. „Die Eltern sollten doch selbst die Möglichkeit haben, zu entscheiden, ob sie das möchten oder nicht.“ Ablehnung. Das erleben die Fotografen der Initiative durchaus. Zu sehr war es über Jahre und Jahrzehnte selbstverständlich, mit dem viel zu frühen Tod eines Kindes eher versteckend, tabuisierend umzugehen.

Die Eltern, die ein Andenken in der Form von Bildern möchten, bekommen diese von den Fotografen kostenlos zur Verfügung gestellt. Sie bekommen einen elektronischen Datenträger, manchmal auch ein Fotobuch. Die Fotografen erheben keine Ansprüche an die Bilder. Die Fotos, die auf der Homepage der Initiative sind, „wurden mit ausdrücklicher Genehmigung der Eltern veröffentlicht“, verspricht Oliver Felchner. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.dein-sternenkind.eu.

Im Juni vergangenen Jahres gewann die Initiative „Dein Sternenkind“ den Publikumspreis beim „Smart Hero Awards“. Bereits zum vierten Mal wurde der Preis von der Stiftung Digitale Chancen und Facebook vergeben. Schirmherrin des Wettbewerbs war Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries.

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