Wegen Grünabfällen

Ärger am alten Friedhof

Ein Haufen Abfall liegt direkt vor einem Grab auf dem früheren Friedhof am Langenstück in Nachrodt.
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Ein Haufen Abfall liegt direkt vor einem Grab auf dem früheren Friedhof am Langenstück in Nachrodt.

„Brutaler Akt der Verstümmelung“: Die Kritik des Ratsherrn Aykut Aggül ist heftig. Er empört sich über die Zustände am früheren Friedhof in Nachrodt. Die Kirchengemeinde ist irritiert.

Nachrodt-Wiblingwerde – „In meinen Augen ist das ein brutaler Akt der Verstümmelung. Wurden die dort noch liegenden Verstorbenen für immer vergessen?“ Heftige Vorwürfe macht der fraktionslose Ratsherr Aykut Aggül der evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld. Viele Bürger hätten ihn über die Zustände auf dem ehemaligen Friedhof am Langenstück informiert.

Über zwei Dinge würden sich die Anwohner besonders ärgern: Dass Bäume und Hecken auf dem Friedhof radikal gestutzt und geschnitten wurden und „dass die gesamte Ruhestätte insgesamt in einem desolaten Zustand ist“. Grund genug für einen Spaziergang über den Friedhof. Tatsächlich liegt der im Dornröschenschlaf.

Aggül: „ Eine Unverschämtheit gegenüber allen Verstorbenen, die dort noch liegen“

Auf dem Friedhof, der im Jahr 1900 eingeweiht und 1993 stillgelegt wurde, breitet sich die Natur aus. Hier und da gibt es sehr romantische Ecken, an anderen Stellen liegen geschnittene Gehölze kreuz und quer. „Die geschnittenen Äste und Stämme bedecken die Gräber, die noch dort sind. Ein sehr trauriger Anblick. Eine Unverschämtheit gegenüber allen Verstorbenen, die dort noch liegen“, findet Aykut Aggül.

Der Friedhof ist eigentlich nur für den Weg zu den Kriegsgräbern frei. „Leider gibt es auch hier ungebetene Gäste und Besucher, die den alten Friedhof als Mülldeponie und Hundetoilette nutzen,“ sagt Markus Windgassen, Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld und ergänzt:

Friedhof wird im Herbst eingefriedet

„Das Erscheinungsbild wird sich im Herbst gravierend ändern und der Friedhof wird komplett eingefriedet. Zumindest der Bereich, für den die Friedhofsverwaltung zuständig ist. Damit wird der ungebetene Zugang für diesen Bereich sehr stark eingeschränkt“. Ansonsten ärgert sich Windgassen über die Aussagen von Aykut Aggül: „Es wäre gut gewesen, wenn wir direkt auf den aktuellen Zustand angesprochen worden wären. Auch auf unserer Internetseite gibt es die Möglichkeit, uns zu kontaktieren beziehungsweise Gespräche zu vermitteln, die zu einer Lösung führen.“

Auch gepflegte, schöne Ecken gibt es auf dem Areal am Langenstück in Nachrodt.

Der Friedhof wurde Anfang der 2000er Jahre entwidmet. Das heißt, dass er damals seine Funktion als Friedhof verloren hat und somit einer anderen Nutzung zugeführt werden kann. Wie das AK erfuhr, soll irgendwann am Langenstück ein Park entstehen. „Bei den dort noch befindlichen Grabstellen müssen wir unterscheiden“, erklärt Markus Windgassen.

„Es gibt Grabstellen, die seit Jahren abgelaufen sind und vertragswidrig nicht von den Nutzungsberechtigten abgeräumt wurden. Und es gibt die sechs Ewigkeitsgräber/Kriegsgräber, die in der Verantwortung der Kommunalgemeinde, nicht bei der evangelischen Kirche Nachrodt, liegen. Dass Blätter und kleine Äste bei Unwettern umhergeweht werden, ist möglich, aber auch normal. Dass Baumstämme witterungsbedingt auf dem Gehweg landen können, wird aber nicht passieren.“

Grünschnitt und Unrat wehen umher

Aykut Aggül hatte den Vorwurf geäußert, dass Wildwuchs, geschnittene Äste und Baumstämme auf den Gehweg und auf eine kommunale Grünfläche gelangen, für die er die Patenschaft übernommen hat: „Jedes Mal muss ich den Unrat, der aus dem Friedhof geflogen kommt, entsorgen“, so der Ratsherr.

Markus Windgassen sagt: „Im Zuge der Gefahrenabwehr mussten die Bäume kurzfristig im Februar gefällt werden. Denn es gibt einen Vogel- und Insektenschutz, der das Fällen ab März verbietet. Daher wurde alles noch im erlaubten Zeitraum gefällt und geschnitten. Der Rückschnitt der Buchhecke ist ein notwendiger Pflegeschnitt. Das verbleibende Gehölz wird im Rahmen einer anderen Nutzung und weiteren Einfriedung des Grundstücks im Herbst, nach der Schonzeit, wieder aufgenommen.“

Maroder Zaun entlang des Friedhofs am Langenstück in Nachrodt

Die Kriegsgräber auf dem ehemaligen Friedhof sind für die Ewigkeit bestimmt. Sechs Gräber der Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten, sind am Langenstück. Die Menschen kamen aus Polen und der Ukraine.

Die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde hat einen Antrag zur Verlegung der Kriegsgräber gestellt. „Wir haben die Deutsche Kriegsgräberfürsorge eingeschaltet. Es ging dann über die Bezirksregierung Arnsberg, die sich ihrerseits mit der russischen Botschaft in Verbindung gesetzt hat“, sagt Bauamtsleiter Dirk Röding.

Kriegsgräber verlegen: Antrag abgelehnt

Der Antrag zur Verlegung der Kriegsgräber nach Wiblingwerde wurde abgelehnt. Und so werden die Kriegsgräber wohl am Langenstück bleiben. Um sie kümmert sich die Gemeindeverwaltung, die Zuschüsse für die Pflege bekommt

Bis zu Beginn des Jahres 1900 wurden die verstorbenen Gemeindemitglieder der Kirchengemeinde auf den Friedhöfen in Iserlohn, Altena und Wiblingwerde bestattet. Nach Gründung einer eigenen Kirchengemeinde wurde die umständliche Form der Bestattung an auswärtigen Orten mehr und mehr als unhaltbar empfunden. Das Presbyterium und die Gemeindevertretung beschlossen am 18. März 1900 den Ankauf eines Grundstücks von Dietrich Obstfeld zu Obstfeld am Langenstück.

Schon 1925 erkannte man allerdings, dass die Friedhofsanlage auf die Dauer nicht genügen würde. Da eine Erweiterung nicht möglich war, kaufte die Kirchengemeinde das heutige Friedhofsgrundstück an der Wiblingwerder Straße.

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