Parken vor der Haustür: Glückseligkeit nie für alle

+
Vielen Bewohnern fällt der Anstieg schwer. Sie würden gern ihre Autos direkt an den Häusern parken.

Nachrodt-Wiblingwerde - Einige werden ein Dankesgebet gen Himmel schicken. So viel ist klar. Andere werden entsetzt sein – die Verfechter des autofreien Wohngebietes. Glückseligkeit gibt es nie für alle.

Fakt ist: Der Rat der Gemeinde hat die Änderung des Bebauungsplanes Nr. 8 „Obstfelder Stall-Hardt“ einstimmig auf den Weg gebracht. Die Mehrheit der Bewohner hatte sich nach einer Befragung im vergangenen Jahr für eine Änderung ausgesprochen, damit das Parken auf den Grundstücken erlaubt werden kann. Für viele sind die steilen Wege im autofreien Wohngebiet längst zu einer Quälerei geworden. Jetzt sollen nach 40 Jahren alte Zöpfe abgeschnitten werden.

Der Entwurf zur Änderung des Bebauungsplanes liegt aktuell im Amtshaus aus – und zwar noch bis zum 23. November. Jeder, der möchte, kann die Pläne anschauen, Einwendungen oder Verbesserungsvorschläge einbringen, die allesamt sodann im Anschluss im Planungs- und Bauausschuss beraten werden.

Weiterhin ein attraktives Wohngebiet

Dass es insbesondere älteren oder gesundheitlich eingeschränkten Bewohnern in der Vergangenheit immer schwerer gefallen ist, den Anstieg von den jeweiligen Häusern zu den Garagen oder Stellplätzen zu bewältigen, war ausschlaggebend für den jetzigen Vorstoß. Die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses hatten sich die Situation im vergangenen Jahr vor Ort angeschaut und auch mit den Bewohnern gesprochen. Dabei hatte unter anderem der Bewohner des Steinstückes 63 von einem Höllenritt erzählt, da seine kleine Tochter an Diabetes Typ 1 leidet. Für seine Frau sei es eine Qual, um die Insulinabgabe und medizinische Betreuung sicher zu stellen, ständig zur Schule hin- und herzufahren, und den Wagen nicht in der Nähe zu haben.

 Der Bebauungsplan ist von 1978. An Elektroautos dachte damals auch niemand. Jetzt aber hat auch ein Steinstück-Bewohner ein solches Fahrzeug. „Ich muss ja irgendwo Strom tanken. Ich bin selber schuld. Ich hatte mir gedacht, dass ich eine Kabeltrommel zur Straße legen kann. Bis ich erfuhr, dass ich in der Haftung bin, wenn etwas passiert“, so der Bewohner, der gern vor seiner Tür parken möchte, um sein Elektroauto laden zu können.

Ziel der städtebaulichen Planung ist es, ein weiterhin attraktives Wohngebiet innerhalb der Gemeinde durch Anpassung an die heutigen Anforderungen der Bevölkerung auf den Weg zu bringen. Beabsichtigt ist, die Situation für die Bewohner gleichermaßen zu verbessern, indem auf jedem Baugrundstück ein Stellplatz vor dem Haus geschaffen werden kann, sofern es die Lage des jeweiligen Hauses zulässt. Da es sich um ein bereits bestehendes Wohngebiet handelt, sei von keinen erheblichen zusätzlichen Beeinträchtigungen durch Lärm oder Abgase auszugehen.

Dass dennoch nicht alle begeistert sind und absolut keinen Verkehr vor der Haustür wüschen, wurde bereits klar, als ein Bewohner während einer Ausschusssitzung erklärte: „Wer gesund gehen kann, kann auch die Straße hochgehen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare