Abschied im Stillen: Pfarrerin Esch hat Wiblingwerde ohne Feier verlassen

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Beliebte Seelsorgerin: Pfarrerin Dr. Tabea Esch fühlte sich in Wiblingwerde wohl und angekommen.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Seit Anfang Mai dürfen wieder Gottesdienste gefeiert werden. Die Christen freuen sich auf den Kirchgang – nur in Wiblingwerde ist die Freude verhalten. Denn etwas ist anders: Pfarrerin Dr. Tabea Esch ist weg.

Es war kein heimlicher Abgang. Lange Zeit war schon klar, dass am 31. März ihre Zeit in Wiblingwerde endet. Durch das Coronavirus und die Absage aller Zusammenkünfte wurde es jedoch ein stiller Abschied. Kein großer Gottesdienst, kein öffentlicher Schlussstrich. „Ja, ich bin schon ein wenig traurig, dass es so gekommen ist. Ich kann es natürlich verstehen. Aber es fühlt sich komisch an, einfach so weg zu sein“, sagt Tabea Esch.

Sechs Jahre lang war sie das Gesicht der Kirchengemeinde Wiblingwerde. „Ich hätte so vielen Leuten gerne noch persönlich etwas gesagt, ihnen für ihre Unterstützung gedankt, aber so ist es jetzt. Ich werde noch einmal einen Brief schreiben. Aber es ist dennoch nicht das Gleiche“, erzählt die Pastorin. Nachgeholt wird der Abschiedsgottesdienst nicht.

In den vergangenen sechs Jahren hat die Hohenlimburgerin Wiblingwerde kennen und lieben gelernt. „Es war immer wieder schön, hier hoch zufahren durch diese wunderbare Landschaft und in diese wundervolle Kirche“, sagt Tabea Esch. Die Menschen hätten sie von Anfang an offen empfangen, sie habe sich direkt willkommen gefühlt. „Ich bin dankbar, dass ich mit dem, was ich als Person an Stärken und Schwächen mitgebracht habe, hier ankommen konnte. Neues wurde offen angenommen und mitgetragen, auch durch das Presbyterium“, erzählt die Pfarrerin. So wurde unter anderem der Konfirmandenunterricht komplett umgestaltet. Es gibt jetzt beispielsweise das Konficamp und Blocksamstage.

„Ich habe viele Menschen und Familien kennengelernt. Es sind Freundschaften entstanden. Man muss allerdings wissen, dass es hier oben gewachsene dörfliche Strukturen gibt. Hier funktioniert einiges anders. Das meine ich überhaupt nicht wertend, denn es hat sich bewährt. Wenn man sich darauf einlässt, erlebt man viel Schönes“, erklärt Tabea Esch. Ein schönes Beispiel dafür seien Beerdigungen. Es sei toll zu sehen, wie selbstverständlich so ein Ablauf ist. So gebe es noch die Notnachbarn, die alles regeln. „Die Trauernden werden anders durch die Situation getragen. Es ist noch selbstverständlich, sich in solchen Lebenssituationen zu begleiten. Ich finde, hier funktioniert ein wertvoller Gedanke von Gemeinschaft ganz natürlich und unkompliziert“, sagt Tabea Esch.

Zudem gelinge es der Gemeinde, immer wieder die Kirche im Dorf sichtbar zu machen. „Der Gottesdienstbesuch ist hier oben wirklich noch richtig gut“, freut sich die Pastorin. Außerdem schaffe die Gemeinde immer wieder Punkte, an denen sich Menschen begegnen. Das sei vor allem durch viele Ehrenamtler möglich. „Die Wiblingwerder können außerdem richtig gut feiern. Sie sind einfach gerne zusammen und haben eine echte Stärke im Bereich der Organisation solcher Veranstaltungen.“

Keine Frage, der Abschied fällt noch immer schwer. „Emotional hänge ich noch an der Gemeinde. Der Abschied fehlt. Das hat auch etwas Blockierendes. Es fehlt das Tschüss-Sagen, und ich hätte den Gemeindemitgliedern und Weggefährten noch so viel zu sagen“, gibt die Pastorin zu.

So schwer wie der Abschied sei in Corona-Zeiten auch der Neubeginn. Tabea Esch behält ihre Stelle in Hohenlimburg, ist zukünftig aber auch für Berchum verantwortlich. Zudem unterrichtet sie jetzt die Vikariatskurse an der Universität in Wuppertal. „Es gibt also viele neue Menschen in meinem Leben, die ich aktuell überwiegend online kennenlerne“, erklärt Esch.

Neue Strukturen

Am 31. März endete nicht nur die Amtszeit von Dr. Tabea Esch, sondern auch die pfarramtliche Verbindung mit Hohenlimburg. Die Wiblingwerder legen ihren Fokus nun wieder auf die Region. Mit Nachrodt und Altena wird eine Regionalpfarrstelle entstehen, die bereits ausgeschrieben ist. Die drei Gemeinden wollen Synergien nutzen und dennoch ihre Eigenständigkeit erhalten. Bis zur Besetzung der Stelle wird die Gemeinde durch den Vertretungspool des Kirchenkreises betreut. Zudem wird der neue Altenaer Pfarrer Dr. Sadrack Dijokou vermehrt im Höhendorf sein.

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