Abschied nehmen vom Pfarrer auf dem Dorf

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Die Versammlung im Evangelischen Gemeindehaus in Wiblingwerde stieß auf großes Interesse. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Superintentendin Martina Espelöer präsentierte am Donnerstagabend einen angedachten Lösungsvorschlag zur Wiederbesetzung der Pfarrstelle in der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Wiblingwerde. Demnach soll eine Verbindung mit der reformierten Kirchengemeinde in Hohenlimburg eingegangen werden.

Auch wenn Pfarrer Gerald Becker zum 31. August diesen Jahres die Gemeinde in Wiblingwerde verlassen wird, wird sie eine Zukunft haben. Das versicherte Superintendentin Martina Espelöer den etwa 60 Gemeindemitgliedern, die zur Versammlung ins Gemeindehaus gekommen waren. „Die Rahmenbedingungen werden sich aber verändern. Wiblingwerde wird keine Pfarrstelle mehr führen können“, verdeutlichte Espelöer. Finanzielle Gründe seien die Basis für diese Entscheidung.

Die Pfarramtliche Verbindung, die Wiblingwerde mit Altena geschlossen hat, werde aufgelöst. Espelöer betonte, dass mit den Altenaern zwar gute Gespräche geführt worden seien, jedoch keine gemeinsame Lösung gefunden werden konnte. Somit bleibt für Wiblingwerde eine 50-prozentige Pfarrstelle. „Die Satzung der Kreissynode lässt das aber nicht zu, um Pfarrern eine ganze Existenz bieten zu können“, so Espelöer. Das bedeutet: „Wir müssen Abschied nehmen von einem Pfarrer hier im Dorf.“

Auf der intensiven Suche nach Lösungen stießen Presbyterium und Superintendentin auf die Evangelisch-reformierte Gemeinde in Hohenlimburg. „Es stellte sich heraus, dass es da schon einmal Verbindungen gab“, sagte Espelöer. Am Dienstagabend fanden erste positive Gespräche zwischen den Presbyterien und dem Pfarrer der Hohenlimburger Gemeinde, Dr. Thorsten Jacobi, statt. Die Pfarrstelle in Hohenlimburg ist zu 50 Prozent besetzt. Deshalb sei es möglich, Wiblingwerde mit zu versorgen. „Alle Beteiligten gingen an diesem Abend mit dem Gefühl nach Hause, eine sinnvolle und tragfähige Lösung gefunden zu haben“, versicherte Espelöer, die aber gleichzeitig betonte, dass die Kirchenaufsichtliche Genehmigung noch fehle. „Es gibt noch keine Beschlüsse.“ Sollte diese Lösung zum Tragen kommen, wäre Wiblingwerde weiterhin eine eigene, selbstständige Gemeinde mit eigenem Haushalt und eigenem Presbyterium, allerdings ohne Pfarrstelle. „Meiner Einschätzung nach steht dem nichts mehr im Weg“, sagte Espelöer. Für die Übergangszeit, bis Pfarrer Dr. Thorsten Jacobi seinen Dienst in Wiblingwerde antritt, haben bereits Geistliche aus Altena und Nachrodt ihre Unterstützung zugesichert.

Presbyter Rainer Nowak warb bei den Gemeindemitgliedern um Vertrauen. „Die Zahnräder greifen gut in einander. Wie die Arbeit im Detail aussehen wird, ist noch nicht geklärt. Doch wir werden gute Lösungen finden“, zeigte er sich zuversichtlich. Dennoch blieben bei manchen Gemeindemitgliedern Zweifel zurück. „Eine Gemeinde muss gepflegt werden, wenn sie leben will. Wenn keiner vor Ort ist, wird das schwierig“, äußerte sich ein Zuhörer und blieb mit seiner Meinung nicht allein. Dennoch waren auch positive Stimmen aus der Versammlung zu hören. „Lasst uns mutig dran gehen“, forderte ein weiteres Gemeindemitglied die Zuhörer auf. ▪ sr

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