Ableser arbeiten nicht ohne Risiko

Andreas Klimke und seine Kollegen von den Stadtwerken Iserlohn bedienen beim Ablesen der Zählerstände auch moderner Technik.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Er hat ein Geh-Tempo olympischer Güte, weiß mit bedrohlich kläffenden Hunden umzugehen und lässt sich seine Laune auch von einem wuchtigen Regenschauer nicht so schnell vermiesen: Andreas Klimke zieht von Haustür zu Haustür und liest für die Stadtwerke die Zählerstände ab.

Dem einen oder anderen Nachrodter oder Wiblingwerder dürfte sein Gesicht mittlerweile bekannt sein, denn der 36-Jährige hat bereits im vierten Jahr ihre Strom-, Gas- und Wasserverbräuche im Visier. Und Klimke macht nicht nur das: als Teamkoordinator verteilt er tagtäglich die einzelnen Ablesebezirke an seine rund 20 Kollegen, die dann konsequent die vorgegebenen Haushalte abklappern. Eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe: Denn bis Mitte Januar müssen die Zähler ausgelesen sein.

Dies ist so entscheidend, weil der Zählerstand die Grundlage für die Jahresendabrechnung bildet, die im Januar an die Stadtwerke-Kunden rausgeht. Aus diesem Grund geben Klimke und seine Kollegen auch nicht gleich auf, wenn Sie einen Hausbesitzer mal nicht antreffen. „Wir hinterlegen dann eine Mitteilungskarte, auf der wir einen weiteren Besuch ankündigen. Ist der Betreffende dann immer noch nicht da, bekommt er eine Ablesekarte in den Briefkasten gesteckt. In diese kann er seinen Zählerstand selber eintragen“, erklärt Klimke. Auf diesem Weg stellt er mit seinem Team eine Ablesequote von bis zu 95 Prozent sicher. Die übrigen Zählerstände müssen die Stadtwerken auf Basis des bisher bekannten Verbrauchverhaltens schätzten.

Klimkes ständiger Begleiter ist ein mobiles Datenauslesegerät, das insbesondere bei älteren Leuten einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Optisch wie ein überdimensionierter Taschenrechner anmutend, verfügt das Gerät über zahlreiche nützliche Funktionen. So sind darin alle relevanten Zählernummern und Kundennamen hinterlegt. Klimke muss den betreffenden Zählerstand nur eintippen, das Gerät sendet diesen dann via Funk an die zentrale Datenbank. „Gerade im nasskalten Winterwetter ist so ein Gerät viel praktischer als eine Liste aus Papier. Diese war irgendwann immer zwangsläufig durchgenässt“, so Klimke. Weiterer Vorteil des modernen Equipments: Erscheint dem Ableser ein Zählerstand aus irgendeinem Grund unplausibel, so kann er mit dem Auslesegerät zu Dokumentationszwecken ein Foto machen. Das wird dann automatisch dem richtigen Zähler zugeordnet.

Trotz der modernen Technik ist die Arbeit eines Ablesers jedoch nicht gänzlich frei von Risiken. Auf nassen Kellertreppen hat der ein oder andere Kollege schon einmal den Halt verloren und sich blaue Flecken oder schlimmstenfalls einen Bänderriss zugezogen. Auch die vierbeinigen Hausbewohner sind bei den Ablesern nicht durchweg beliebt. „Gerade die kleinen Hunde schnappen schon einmal zu wenn jemand Fremdes im Haus ist. Wer kein Loch in der Hose haben möchte, muss da schon etwas aufpassen“, so Klimke, der zugibt, auch selber schon einmal unverhofft „gezwickt“ worden zu sein.

Viel lieber redet der 36-Jährige aber über die schönen Seiten seines Berufes. Etwa über schmackhafte Kostproben von Plätzchen backenden Hausfrauen. Oder über andere Kleinigkeiten, die er rund um die Weihnachtstage zugesteckt bekommen hat.

Gerne hilft Klimke daher auch als kompetenter Ansprechpartner aus, wenn seitens der Kunden Unklarheiten bestehen: „Ältere Leute haben häufig Fragen rund um ihre Strom- und Gasrechnung. Wenn man da zur Aufklärung beitragen kann, ist das auch ein schönes Gefühl.“

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