1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Nachrodt-Wiblingwerde

A45-Sperrung: Hebamme radelt jetzt zu den Geburten

Erstellt:

Von: Susanne Fischer-Bolz

Kommentare

Diana May-Ganswind fährt jetzt mit dem Rad zu ihren werdenden Müttern, weil sie mit dem Auto in Lüdenscheid nur im Stau steckt.
Diana May-Ganswind fährt jetzt mit dem Rad zu ihren werdenden Müttern, weil sie mit dem Auto in Lüdenscheid nur im Stau steckt. © Fischer-Bolz, Susanne

Selten purzelt ein Kind einfach so auf die Welt. Meist dauert es vier bis 18 Stunden. Und doch: Wenn die Wehen einsetzen, die Hebamme aber aufgrund der A45-Sperrung im Stau steht, kann man noch so viel Kuchen backen, um sich abzulenken. Es wird brenzlig. Hebamme Diana May-Ganswind hat eine Lösung.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Nachrodterin ist jetzt als radelnde Hebamme unterwegs. Um dem Verkehrschaos in Lüdenscheid um Umgebung zu entgehen, fährt sie mit dem E-Bike auch durch die Wälder, über Stock und Stein, um rechtzeitig bei ihren werdenden Eltern zu sein. Diana May-Ganswind hat in der Berglandklinik einen Praxisraum.

„Aber ich fahre in Lüdenscheid auch viel zu den Frauen nach Hause. Ich betreue die Schwangeren und mache auch die Nachsorgen. Die Geburten begleite ich entweder als Hausgeburten oder als Beleghebamme in der Berglandklinik“, erzählt die Nachrodterin, die die Bereiche Schalksmühle, Heedfeld, Lüdenscheid, Werdohl, Altena und Nachrodt abdeckt.

A45-Sperrung: „Alle sind verzweifelt“

„Ich stand ständig im Stau. Ich habe versucht, mich selber zu beruhigen, in dem ich Comedy und Entspannungsmusik im Auto gehört habe“, sagt die 42-Jährige, die seit 20 Jahren als Hebamme arbeitet. Die Autofahrer würden indes immer aggressiver. „Das kann ich auch verstehen. Alle sind verzweifelt“, sieht Diana May-Ganswind die große Not aller Verkehrsteilnehmer seit der Sperrung der A45. Und sie sieht auch den Kummer der Bürger, die mit Blechlawinen vor ihren Haustüren leben müssen. Dazu gehören auch die, die bald ein Kind auf die Welt bringen, und dann nicht wissen, ob sie es rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen können.

Im Notfall die Polizei rufen

„Es ist so ein Gewusel. Hinzu kommt, dass die Schleichwege, die ich bis dato gefahren bin, auch noch gesperrt wurden. Das war das I-Tüpfelchen. Ich benötige jetzt für einen Weg, für den ich normalerweise 20 Minuten gebraucht habe, mehr als eine Stunde. Dann mache ich mir auch Sorgen um die Frauen“, erzählt Diana May-Ganswind, die mit den Schwangeren auch die Worst-Case-Situation besprochen hat. Man kann im Notfall die Polizei rufen, die einen Begleitschutz für werdende Mütter bereitstellt.

Mit dem Rad durch die Wälder geht es schneller als mit dem Auto. Und schöner ist es auch noch.
Mit dem Rad durch die Wälder geht es schneller als mit dem Auto. Und schöner ist es auch noch. © Privat

Gott sei Dank, so kann man es formulieren, „kommen die meisten Babys von mir nachts“, erzählt die Hebamme schmunzelnd. Das liege am parasympathischen Nervensystem. Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Er aktiviert die Verdauung, kurbelt Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung. „Die Geburten werden dem parasympathischen System zugeordnet“, erklärt die Hebamme. Deswegen sei es so wichtig, dass die Frau zur Entbindung keinen Stress habe, sich wohlfühle, in einer guten Umgebung und gut begleitet sei. „Große Ängste stehen der Geburt im Weg“, sagt Diana May-Ganswind. Eine große Angst ist auf jeden Fall, ein Kind im durch Stau festsitzenden Auto zur Welt bringen zu müssen.

„Hebamme nana im Einsatz“

In der Nacht fährt die Hebamme meist mit dem Auto. Dann kommt sie durch. Ansonsten steigt sie auf ihr E-Bike. „Letztens bin ich 53 Kilometer gefahren. Mit dem normalen Fahrrad hätte ich das nicht geschafft“, sagt die Mama von drei Kindern. Sie hat sich bei Jans Radland für ein Trekkingbike entschieden, das sowohl für die Straße als auch für den Wald geeignet ist. „Ich fahre meist die Höhenstraße“, erzählt sie. Witzig am Rande: Damit die Verkehrsteilnehmer sie erkennen, hat sie Satteltaschen mit der Aufschrift „Hebamme nana im Einsatz für Mutter und Kind“ dabei. Klar, dass sie darauf auch schon angesprochen wurde.

Waldweg entdeckt

In dieser Woche hat Diana May-Ganswind übrigens einen „total schönen Waldweg“ entdeckt. „Ich wollte über die Fuelbecker Straße fahren, als mir ein Wanderer entgegen kam. Ich habe ihn gefragt, wohin der Wanderweg führt. Er sagte, nach Altena. Das war super. Den habe ich dann spontan ausprobiert.“ Übrigens: 40 Minuten benötigt sie nun von Nachrodt nach Lüdenscheid. „Das geht“, findet sie. Die Hebamme hat sich auch Ausstattung für die Regentage besorgt. Nur bei Eis und Schnee wird sie wieder auf ihren Wagen umsteigen. Dass Diana May-Ganswind auch in ihrer Freizeit gern Fahrrad fährt und auch Fahrkenntnisse im Wald hat, kommt ihr jetzt als radelnde Hebamme natürlich zugute. Die Frauen, die Diana May-Ganswind betreut, finden die radelnde Aktion gut. Für die nächste Hausgeburt am Ortsausgang von Altena nach Lüdenscheid hat die Hebamme schon alle wichtigen Utensilien, die sie benötigt, bei der werdenden Mutter deponiert. So kann sie zur Geburt „trampeln“.

Auch interessant

Kommentare