85-Jährige sorgt für die ganz lauten Töne

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Die Trompete hat sie durch ihr Leben begleitet: Um zu lernen, wie man das Instrument spielt, musste Marillis Börner allerdings zunächst ihren strengen Vater austricksen. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Wenn Marillis Börner in ihre Trompete hinein bläst, kann man sicher sein, dass auch etwas heraus kommt. Denn die heute 85-jährige Nachrodterin spielt seit ihrer Jugendzeit leidenschaftlich eben dieses hohes Blechblasinstrument. Um ihr Hobby ausüben zu können, musste sie allerdings ganz tief in die Trickkiste greifen.

Börner wurde 1927 in Holzburg bei Alsfeld in Hessen geboren. Ihr Vater war Pfarrer in dem kleinen Ort und begeisterter Trompeter. So kam auch die Tochter schnell auf den Geschmack. Sie wollte schon als Fünfjährige unbedingt Trompete spielen lernen. Doch sie erhielt ein striktes Verbot seitens ihres Vaters. „Das geht nicht. Du bis ja ein Mädchen und Mädchen dürfen nicht Trompete spielen“, habe er gesagt. Stattdessen verfügte der Vater, dass sich die Tochter dem Klavierspielen zu widmen habe. Das tat die damals kleine Marillis auch. Doch irgendwie wünschte sie sich nach wie vor, Trompete spielen zu können.

Sie legte dann zunächst das Abitur ab und begann dann eine Ausbildung zur Schneiderin in einer Anstalt der inneren Mission. Da diese Institution mehr als 15 Kilometer von ihrem Heimatort Holzburg entfernt lag, bot es sich an, auch am Ort ihrer Ausbildung zu wohnen. Sie verstand sich hervorragend mit ihrer Ausbilderin und erfuhr so, dass deren Ehemann der Leiter des örtlichen Posaunenchores war. Natürlich wusste sie auch, wann und wo dieser Chor probte. So fing sie dann eines Abends den Chorleiter ab und bat ihn, ihr doch – natürlich heimlich – das Trompetespielen beizubringen. Für die damalige Zeit – Marillis Börner war gerade einmal 19 Jahre alt – war dies eine mehr als nur ungewöhnliche Bitte. Denn damals gab es keine Posaunenchöre, in denen Frauen mitspielten. Die Begeisterung des Chorleiters über dieses Ansinnen hielt sich deshalb auch zunächst in äußerst starken Grenzen. Doch er hatte ein ungewöhnliche Idee. Er überreichte der jungen Frau ein Mundstück. Wenn sie darauf – also nur auf dem Mundstück – innerhalb von zwei Wochen die Volksweise „Hänschen klein“ spielen könne, würde er dafür sorgen, dass sie ein Flügelhorn gestellt bekäme. Möglicherweise ging der Chorleiter davon aus, dass das nicht zu schaffen sei. Aber Marillis Börner übte in jeder freien Minute. Und zur völligen Überraschung des Chorleiters absolvierte sie die ihr auferlegte Aufgabe tadellos.

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Der Chorleiter hielt sein Versprechen und stellte Börner ein Flügelhorn zur Verfügung. Sie erhielt zunächst Einzelunterricht. Doch bereits nach zwei Monaten war sie in der Lage, im Posaunenchor mitzuspielen. Dies wurde ihr aufgrund ihres Talentes auch gestattet. Von all dem erfuhr ihre Familie jedoch nichts. Wie sich später herausstellte, drang tatsächlich nichts von dem neuen Hobby der Tochter an „des Pfarrers Ohr“. Doch die junge Marillis hatte einen großen Plan. Sie erklärte dem Chorleiter, dass ihr Vater bald Geburtstag habe und sie ihm ein Ständchen bringen wolle. Gemeinsam mit ihrem Chorleiter tat sie das auch. Und damit traf sie voll ins Schwarze. Der über alle Maßen erstaunte Vater hörte ein glasklar und fehlerfrei geblasenes „Lobet den Herren“.

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Heute ist Marillis Börner mehr denn je aktiv. Sie spielt gleich in drei Formationen. Das sind die Posaunenchöre aus Wiblingwerde, Iserlohn-Hennen und Iserlohn-Oestrich. Bisher ist der 85-Jährigen die Puste noch nicht ausgegangen. „Aber in meinem Alter muss man schon regelmäßig üben, um mit den Jüngeren mithalten zu können“, hat Marillis Börner erkannt. Bisher ist es ihr gelungen. Und sie hofft, dass das noch möglichst lange der Fall sein wird. ▪ hb

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