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50 Minuten für acht Kilometer: Nadelöhr Nachrodt ein Horror für alle Autofahrer

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Stau durch ganz Nachrodt: Am scharfen Eck versuchen die Autofahrer, die von der Ehrenmalstraße kommen, auf die B 236 einzubiegen.
Stau durch ganz Nachrodt: Am scharfen Eck versuchen die Autofahrer, die von der Ehrenmalstraße kommen, auf die B 236 einzubiegen. © Susanne Fischer-Bolz

Eine Fahrt durch Nachrodt wird derzeit zur Geduldsprobe für Fahrer. Im Berufsverkehr staut es sich kilometerweit über die Ortsgrenzen hinaus. Auchbei Händlern und Bewohner liegen die Nerven blank. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es.

Nachrodt-Wiblingwerde – Es ist nicht zum Aushalten: Wer schon an der Kreuzung in der Grüne die Schlange sieht, weiß, was auf ihn zukommt. Jeden Morgen. „Normalerweise brauche ich zehn Minuten zur Arbeit, jetzt 50 Minuten bis zum Amtshaus. Für acht Kilometer. Es ist eine Katastrophe“, sagt Kämmerin Gabriele Balzukat. Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke, kämpft sich 90 Minuten von Herdecke zur Arbeit. Und mit ihm „ein Haufen Kollegen, die erhebliche Anreiseschwierigkeiten haben“.

Ob Einpendler oder Durchpendler, ob Bürger, die nur zum Einkaufen wollen oder ihre Kinder zur Kita bringen, ob Handwerker, die zum Kunden möchten, ob Transportdienste oder Dienstleister: Alle verbringen Ewigkeiten im Stau – von Altena Richtung Letmathe und andersherum. Besonders morgens ab 7.15 Uhr und nachmittags ab 16 Uhr geht es an der B 236 nur im Schneckentempo voran. Wenn überhaupt.

Straßen.NRW: „Menschen sind googlehörig“

Die Gründe liegen auf der Hand: die Sperrung der A 45, die extreme Baustellen-Situation in Nachrodt, die Möglichkeit, durch Nachrodt und Altena endlich auch wieder über die B 236 nach Werdohl zu kommen und das Ende der Ferien.

Blechlawinen  an der Ortsdurchfahrt Nachrodt
Blechlawinen an der Ortsdurchfahrt Nachrodt © Susanne Fischer-Bolz

„Seit der Sperrung der A 45 suchen sich die Verkehrsteilnehmer die Wege, die wir nicht beeinflussen können“, sagt Andreas Berg, Pressesprecher von Straßen.NRW. Google gebe den Weg vor. „Die Menschen sind googlehörig. Die fahren den zeitlich kürzesten Weg, auch wenn sie dann im Stau sitzen.“ Diese Erfahrung macht man nicht nur in Nachrodt.

Zwei Baustellen in einem Rutsch unmöglich machbar

Ein augenscheinlich nicht in den Griff zu bekommendes Problem: die Ampelregelung an der Lennebrücke und an der Felsbaustelle. Nach der Autobahnsperrung wurden die Grünphasen verändert, was mehr Kummer als Erleichterung brachte. Die Grünphasen in Richtung Letmathe wurden reduziert, damit diejenigen, die Richtung Altena wollen, kürzer warten. Zehn Sekunden.

Die Arbeiten am Hang in Nachrodt laufen. Doch die B236 muss auch nach diesem Schritt halbseitig gesperrt bleiben.
Die Arbeiten am Hang in Nachrodt laufen. Doch die B236 muss auch nach diesem Schritt halbseitig gesperrt bleiben. © Fischer-Bolz, Susanne

Eine Durchfahrt durch beide Baustellen ist in „einem Rutsch“ nicht möglich. „Das haben wir auf dem Schirm. Da wird es noch eine Veränderung geben, aber wir werden es nicht schaffen, eine Situation wie vor der Autobahnsperrung hinzubekommen“, so Andreas Berg.

Tankstelle und Lottoladen: Viele Kunden fahren vorbei

Es sind nicht nur die Nerven, die blank liegen und die „vergeudete Lebenszeit im Auto“, wie es Gabriele Balzukat formuliert. Wenn die Blechlawine nur kriecht, dann wird auch jeder Stopp vermieden. An der Tankstelle oder beim Lottoladen gibt es massive Umsatzeinbrüche. „Nachmittags könnte ich auch zumachen“, sagt Christiane Schauerte. Wer Richtung Letmathe fährt, weiß nicht, wo er halten kann, um Lotto zu spielen oder ein Päckchen abzugeben – und schon gar nicht, wie er sich dann wieder in die Schlange einreihen soll.

Ähnlich sieht es an der Aral-Tankstelle aus. „Die Leute, die von Letmathe kommen, biegen nicht bei uns ein, weil die Einfahrt zu ist und sie nicht für einen weiteren massiven Rückstau sorgen wollen“, sagt Peter Meier. Trotz Beschilderung würde die Einfahrt nie freigehalten. Ab 15.30 Uhr sei schlagartig tote Hose. Was Peter Meier wundert: „Manchmal geht schon um 14 Uhr nichts mehr, dann läuft es auf einmal um 16 Uhr.“

Berufstätige machen Minusstunden durch Stau

Ein besonderes Problem trifft die Arbeitnehmer, die nicht früher oder später ihren Job antreten können, um dem Dilemma aus dem Weg zu fahren. „Wir haben Kollegen, die Kinder haben und die Zeiten der Kita oder Schule berücksichtigen müssen. Die können nicht eher anfangen, kommen aber durch den Stau viel zu spät und schaffen jetzt nicht mehr ihre Sollstunden. Schenken wir ihnen dann jeden Tag eine halbe Stunde Arbeitszeit oder sammeln sie dann Minusstunden?“, greift Kämmerin Gabriele Balzukat ein aktuelles Problem auf.

Wer Kinder hat, kann die Arbeitszeit auch nicht einfach hinten anhängen. Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz bringt es auf den Punkt: „Es ist einfach eine Ausnahmesituation, die jeden belastet.“

Dass sie auch die alte Lennebrücke belastet, dürfte auf der Hand liegen. Obwohl sie durchhält, wie die aktuelle Brückenprüfung ergeben hat, ist sie nicht standhafter geworden. „Der Schwerlastverkehr ist erheblich. Und alles rollt über die Brücke. Das könnte für Nachrodt irgendwann der Todesstoß sein“, befürchtet Gabriele Balzukat.

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