Sportler der besonderen Art

50 Jahre Jedermänner: Vorreiter im MK

Die Jedermänner aus Nachrodt  2013 mit ihrem Übungsleiter Peter Joergens (Mitte).
+
Die Jedermänner aus Nachrodt 2013 mit ihrem Übungsleiter Peter Joergens (Mitte).

Die Jedermänner waren immer für eine Überraschung und Sensation gut: Seit 50 Jahren gibt es die besondere Männer-Gruppe. Sie waren damals Vorreiter im MK.

Nachrodt-Wiblingwerde – Sie sprangen über Tische und Bänke, begeisterten mit spektakulären Pyramiden und präsentierten Akrobatik in gestreiften TurnanzügenSo gut, dass sie auch außerhalb der Gemeinde für Auftritte gebucht wurden. Heute treiben die Jedermänner immer noch Sport, wenn auch ein klein wenig ruhiger.

Exakt 50 Jahre gibt es die Gruppe. Und seit 50 Jahren ist es auch Peter Joergens, der die Männer fit hält. Ein Grund zum Feiern – keine Frage. „Das müssen wir coronabedingt leider verschieben. Aber dann feiern wir eben das 51. Bestehen“, sagt Ralf Solka zuversichtlich.

Jedermann-Sport: Vorbild aus Köln für Nachrodt

Als Peter Joergens 1968 als Sportlehrer zur Hauptschule Nachrodt kam, hatte er die Idee für die Jedermänner schon im Kopf und im Herzen. „Ich musste an der Sporthochschule ein sechswöchiges Praktikum absolvieren. Das habe ich bei der Stadt Köln gemacht. Im Müngersdorfer Stadion gab es Jedermann-Sport – und zwar für die Leute, die nicht vereinsgebunden sein wollten“, erzählt Peter Joergens.

Die Erfolgsgeschichte in Nachrodt begann 1970 mit der Gründung der Jedermann-Gruppe im TuS Nachrodt-Obstfeld – die erste im Märkischen Kreis. Vorläufer war ein Kurs beim Volksbildungswerk gewesen. 28 Leute waren direkt dabei, darunter viele Mitarbeiter von den Firmen Reynolds und Reinol.

Übungen sind kein Zuckerschlecken

Damals wie heute gibt es einen besonders beliebten Sport: Fußballspielen. Aber wer denkt, dass die Jedermänner nur kicken, irrt gewaltig. Zirkeltraining, Gymnastik, aber auch Handball, Volleyball bis hin zu Badminton wechseln sich bei den Jedermännern ab. Peter Joergens spricht gern von körperbildenden Übungen, die kein Zuckerschlecken sind.

„Der Übungsleiter bestimmt, was gemacht wird“, erzählt Ralf Solka lächelnd. Er ist seit 1980 dabei. „Geturnt haben wir auch oft. Reck und Barren mochten die Leute aber nicht so gern“, sagt Peter Joergens schmunzelnd, der immer mehr Sportler zu seinen Jedermännern zählen durfte.

Jedermänner von 20 bis 70 Jahren

Die unterschiedlichsten Nationalitäten und Berufsgruppen waren und sind bei den Jedermännern aktiv. Als das Thema Integration noch nicht in aller Munde war, haben genau dies die Jedermänner längst vorgelebt.

„Wir hatten dann auf einmal Anfang der 2000er Jahre eine Bandbreite von Anfang 20 bis fast 70 Jahren. Dann haben wir die Gruppe geteilt“, erzählt Ralf Solka. Und so gibt es seit 2001 auch die jungen Jedermänner unter Leitung von Jörg Tybussek. Die älteren Jedermänner erlebten einen weiteren Aufschwung, der bis heute anhält: Es gibt insgesamt 44 Jedermänner.

Training ist montags morgens. Mittwochs werden Gewichte gestemmt im Fitnessraum unter der Turnhalle am Holensiepen, den die Jedermänner in Eigenregie und mit Unterstützung von Sponsoren eingerichtet haben.

Leistungsgruppe Leichtathletik

Der älteste Jedermann ist mittlerweile 84 Jahre alt, der Jüngste ist Anfang 60, im Durchschnitt sind alle über 70. Für Peter Joergens sind die Jedermänner viel mehr als eine Sportgruppe, die er leitet. „Die Jedermänner sind Teil meines Lebens“, sagt der 79-Jährige ein wenig gerührt. 20 Jahre leitete er auch das Leichtathletik-Team.

„Das war die Leistungsgruppe. Aber es gehört auch der Breitensport in den Verein. Das war mir immer wichtig“, sagt Peter Joergens, der als Sportler selbst sehr erfolgreich war – unter anderem war er Deutscher Turnfestsieger.

Viele Freundschaften sind bei den Jedermännern entstanden, die den geselligen Teil gerne pflegen. 1984 gab es den ersten Tagesausflug. Später standen Wochenendtouren, Kanufahrten, Ritter- essen auf der Burg Altena und mehrere Radtouren an. Die Jedermänner waren sogar auf dem Pitztaler Gletscher zum Skifahren.

Lennehalle: Alle Pokale verschwunden

Ende der 1980er Jahre warfen sich die Jedermänner in witzige Kostüme und stellten eine Saltoshow auf die Beine. Und da waren die Jedermänner bereits 45 plus. Dem Alter geschuldet geht das heute nicht mehr. Das Gemeinschaftsgefühl ist geblieben.

Bei aller Begeisterung gibt es einen Wermutstropfen: Alle Pokale und Urkunden sind weg. Sie standen im Nebenraum der Lennehalle. Der sollte eigentlich dringend renoviert werden und alles musste „in einer Nacht- und Nebelaktion“ rausgeholt werden. Keiner wusste wohin mit den Dingen, die dann im Container landeten. „Von einem Tag auf den anderen hieß es, dass umgebaut wird“, sagt Peter Joergens.

Passiert ist nichts. Für die Zukunft ist ein Abriss geplant, denn der Sozialtrakt der Lennehalle soll inklusive Nebenraum auf der anderen Seite der Lennehalle entstehen. Darauf dürfen auch die Jedermänner gespannt sein. Jederfrauen gab es übrigens nie. „Das liegt aber nur daran, dass es viele Sportangebote für Frauen im TuS gibt, die gern genutzt werden. Und der Wunsch wurde auch nie geäußert“, so Peter Joergens.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare