Verkehrssünder wandert für ein Jahr ins Gefängnis

Nachrodt-Wiblingwerde - Gnade könnte es nur noch vor einer Berufungskammer des Landgerichts geben: Sollte ein Urteil des Amtsgerichts Altena rechtskräftig werden, müsste ein 49-Jähriger aus Nachrodt-Wiblingwerde wegen mehrfachen Fahrens ohne Fahrerlaubnis für ein Jahr in Haft – ohne eine weitere Bewährungschance.

Der Mann war am Abend des 20. Februar 2014 auf der A 3 zwischen Mönchhof-Dreieck und Köln in eine Polizeikontrolle geraten. Die Beamten ließen sich auch den Führerschein zeigen, und erstaunlicherweise durfte der 49-Jährige weiterfahren. Denn er hatte den Beamten den Führerschein seines Bruders gezeigt, obwohl der ihm – wie sich jetzt im Amtsgericht Altena zeigte – gar nicht so sehr ähnlich sah. Das Ganze wäre vermutlich trotzdem nicht aufgeflogen, wenn der 49-Jährige an jenem Abend nicht ein zweites Mal kontrolliert worden wäre. Diesmal schauten die Beamten genauer hin und stellten fest, dass der Fahrer des Wagens nicht der Inhaber des vorgelegten Führerscheins war. Der hatte nämlich keine Fahrerlaubnis mehr.

Dem Vorwurf des „Missbrauchs von Ausweispapieren“ trat der Angeklagte mit der Geschichte einer Verwechslung entgegen: „Aus Versehen“ habe er nicht seinen eigenen niederländischen, sondern den Führerschein seines Bruders gezeigt. Aufgrund dieser niederländischen Fahrerlaubnis sei er aus seiner Sicht zudem „berechtigterweise gefahren“. Ein Urteil des Landgerichts Hagen bewies aber, dass der Angeklagte hätte wissen müssen, dass er schon seit Jahren keine Fahrerlaubnis mehr hatte. „Am 18. April 2008 wurde Ihnen völlig eindeutig die niederländische Fahrerlaubnis entzogen“, stellte der Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft fest. Seitdem war der Angeklagte von mehreren Amtsgerichten wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis verurteilt worden: „Alles Fehlurteile, wenn Sie einen gültigen Führerschein hätten“, wunderte sich der Ankläger über die Hartnäckigkeit des Angeklagten und dessen üppig gefülltes Vorstrafenregister und stellte fest: „Er fährt immer munter weiter.“

Richter Dirk Reckschmidt urteilte gemäß dem staatsanwaltlichen Strafantrag: Ein Jahr ohne Bewährung und eine fünfjährige Sperrfrist für die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis. Die schlimmstmögliche Sanktion für einen Autofahrer stand dabei schon vor der Tür: „Die lebenslange Sperre machen wir dann beim nächsten Mal!“

Rechtsanwalt Björn Zschörnig kündigte Rechtsmittel gegen das Urteil an: Vor dem Landgericht wird aber möglicherweise nur über die Frage der Bewährung und die Dauer der Sperre für die Fahrerlaubnis erneut verhandelt. Die Fakten standen im Amtsgericht nicht mehr zur Debatte, obwohl der Angeklagte nach Urteilsverkündung gerne noch zu einer großen Rede angesetzt hätte. - Thomas Krumm

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