Heimatstube Wiblingwerde

450 Exponate katalogisiert

Brückengeldtafel Nachrodt
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Siegfried Kruse mit einem besonderen Schätzchen: Die Tafel listet das „Brückengeld“ für die Nachrodter Brücke auf.

Es ist ein Zeitsprung. Aus dem Jahr 2021 in das 19. und frühe 20. Jahrhundert – mit einem Schritt in die Heimatstube. Drinnen im heimeligen Haus: eine „Musiksammlung.“ Überall klingt es nach längst vergangenen Tagen. Leise, aber eindringlich. Dazu benötigt es kein Grammophon. Geschichten „singen“ das alte Bolzenschussgerät, die Kanne auf dem Ofen, der Brotschieber oder auch die bemerkenswerte Drahtwiege, für die sich auch schon die Redakteure der Sendung „Bares für Rares“ interessiert haben. Jetzt sind 450 Exponate inventarisiert und auf der Homepage des Heimat- und Verkehrsvereins zu bewundern.

Es ist ein greifbares Erlebnis, das Rüdiger Hammel ermöglicht hat. Unermüdlich hat er sich durch die vielen Sammlungsstücke gearbeitet, sie fotografiert, sie mit systematischen Inventarisierungsnummern katalogisiert und nach ihrem Erhaltungszustand mit Schulnoten beurteilt. Und so ist aus dem großen, manchmal unübersichtlichen Fundus eine umfangreiche, nach Gruppen sortierte Heimatstuben-Präsentation geworden. Die Ergebnisse monatelanger Arbeit präsentierten Dr. Christian Schulze, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, und seine Mitstreiter Siegfried Kruse und Rüdiger Hammel.

Vor allem Dinge der bäuerlichen Haushalte

„Wir haben in der Heimatstube und auch in den Nachbargebäuden viele Exponate, die über Jahrzehnte zusammentragen wurden, vor allem aus dem Bereich des bäuerlichen Haushalts“, erzählt Dr. Christian Schulze, der dann die Idee hatte, im Rahmen des Heimatscheckprogramms, das die Landesregierung vor einigen Jahren auf den Weg gebracht hat, 2000 Euro zu beantragen, um Struktur in die unübersichtliche Vielfalt zu bringen. Der Verein hatte Glück. Das Geld wurde bewilligt. Die Vorarbeiten hatte Siegfried Kruse geleistet, der schon vor Jahren eine Art Inventarisierungsmöglichkeit geschaffen und alles, was die Heimatstube besitzt, in Bereiche geordnet hatte: Wohnen, Freizeit, landschaftliche Geräte. Es gibt insgesamt sechs Bereiche, die wieder in Unterpunkten aufgehen. Dies als Grundlage konnte nun für das professionelle Vorgehen genutzt werden.

Maschine aus einer alten Schusterwerkstatt.

Der Kernbestand von 450 Eponaten ist nun gesichert. „Das heißt nicht, dass wir fertig sind“, erzählt Dr. Christian Schulze. Zu sehen sind die Schmuckstücke jetzt auf der Homepage des Heimat- und Verkehrsvereins unter dem Punkt „Inventar“. Dort ist jedes Exponat mit Foto und Inventarisierungsblatt zu bestaunen. Beispiel: Eine Spritzgebäckmaschine, die ein Befriedigend für den Erhaltungszustand bekommt, eine Spielzeugbadewanne, die die Schulnote 4 erhalten hat, oder ein orangefarbener Puppenwagen, der auch noch recht schön anzusehen ist. Manchmal gibt es auch viele Objekte einer Art aus unterschiedlichen Epochen – Bügeleisen zum Beispiel. Eines hat zwei Griffe, ein anderes musste einst mit glühenden Kohlen erhitzt werden. „Wir haben 18 Bügeleisen“, erzählt Dr. Christian Schulze schmunzelnd und ergänzt: „Wir haben aber auch einige Objekte, von denen wir nicht wissen, um was es sich handelt.“ Ein Gegenstand aus Eisen ist so ein Fall. „Wir vermuten, dass man darin etwas röstet“, sagt Rüdiger Hammel. Um den Geheimnissen auf die Spur zu kommen, möchte der Heimat- und Verkehrsverein eine Expertenrunde einberufen, bei der ältere Bürger aus dem Dorf helfen sollen, die unbekannten Objekte zu identifizieren. Wer weiß, was das ist? Diese Themenabende sollen dann stattfinden, wenn Treffen wieder möglich sind.

Gesammelt werden vor allem Alltagsgegenstände.

Übrigens: Bei vielen Exponaten wurde ein Maßstab beigelegt, sodass Interessierte direkt die Größe erkennen können. „Manchmal wissen wir etwas zur Herkunft, in den meisten Fällen aber nicht“, sagt Dr. Christian Schulze. Es gibt also noch das eine oder andere Fragezeichen zu den alten Schönheiten.

Kostbare Drahtwiege

Die Präsentation ist übrigens nicht nur zum Anschauen. Andere Museen, wissenschaftlich Interessierte, affine Vereine oder Schulgruppen können die „Schätzchen“ auch ausleihen. Wie schnell so etwas Kreise ziehen kann, zeigt ein Anruf von „Bares für Rares“. Eine Drahtwiege des Heimat- und Verkehrsvereins hatte die Redaktion entdeckt. „Die gibt es wohl nur sehr selten. Ein Verkäufer hatte genauso eine Wiege angeboten und man wusste nicht, was sie wert ist und woher sie kommt“, so Christian Schulze, der zwar nicht persönlich weiterhelfen konnte, aber durchaus etwas herausbekommen hat. Reiner Ittershagen, Kassierer im Heimatverein, erinnerte sich, dass der frühere Vorsitzende Klaus Potthoff mal ein Gutachten für die Wiege hat anfertigen lassen.

Kein Platz für neue Exponate

„Und da wurde die Wiege auf mehrere tausend Euro taxiert“, sagt Christian Schulze. Die Wiege hat eine Firma aus Hohenlimburg gebaut. „Und das ist letztlich das, was wir bezwecken wollen: Dass sich Interessierte einen Überblick über unseren interessanten Bestand beschaffen können“, so Christian Schulze. Von Exponaten möchte man sich aber auf keinen Fall trennen. „Wir würden sie nur verleihen.“ Und für neue Objekte gibt es – leider – keinen Platz mehr.

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