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400 Zeichnungen: Die Werkssiedlung Langenstück gibt es jetzt als Wimmelbild

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Dorothee Reichenberger hat das Wimmelbild gemalt, das im Rahmen des Tages des offenen Denkmals offiziell präsentiert wird und dann auch in der Werkssiedlung verbleibt. Rechts Organisator Aykut Aggül.
Dorothee Reichenberger hat das Wimmelbild gemalt, das im Rahmen des Tages des offenen Denkmals offiziell präsentiert wird und dann auch in der Werkssiedlung verbleibt. Rechts Organisator Aykut Aggül. © Fischer-Bolz, Susanne

Willkommen im Wimmelbild. Witzig und wissenswert, wortlos und willensstark ist es wirklich ein Wunderwerk geworden. Kreuz und quer zeigt es Gebäude, Figuren und Handlungen in der Werkssiedlung Langenstück im Hier und Jetzt, in der Zukunft und in der Vergangenheit.

Gemalt von der Grafikerin und Kulturwissenschaftlerin Dorothee Reichenberger, wird es während des zweitägigen Festes zum Tag des offenen Denkmals am 10. und 11. September enthüllt und verbleibt dann als besonderes Kunstwerk in der Siedlung.

300 Stunden hat Dorothee Reichenberger an dem Bild gearbeitet. Stelzenläufer stolzieren lachend an illuminierten Häusern vorbei, ein Opa im Rollstuhl erinnert sich mithilfe einer Gedankenblase an den alten Friedhof, den es in der Siedlung gegeben hat, Kinder verfolgen staunend das Kasperletheater, sogar ein Wohnmobil, das tatsächlich in der Werkssiedlung steht, ist verewigt.

400 Einzelzeichnungen zusammengeführt

„Ich war positiv überrascht, wie schön das hier ist“, erzählt Dorothee Reichenberger, die die unter Denkmalschutz stehende Werkssiedlung als Kleinod empfindet. „Ich zeichne analog mit besonderen Stiften. Jedes Haus, jedes einzelne Teil auf dem Bild ist von Hand gezeichnet“, erzählt die 61-Jährige. 400 Einzelzeichnungen wurden sodann digital zusammengeführt.

„Es geht Schritt für Schritt, erst wird gezeichnet, dann zusammengesetzt, schließlich nachgezeichnet, Schatten gesetzt, Struktur reingebracht“, erklärt Reichenberger, wie ihr Werk nach und nach zur Vollendung gelangte. Damit nicht irgendeine Siedlung, sondern die Werkssiedlung detailgetreu nachempfunden werden konnte, machte sie im Vorfeld Fotos von jedem Haus und auch vom Umfeld der Siedlung. „Ich habe mir eine Reihenfolge überlegt, aber dabei auch einen Fehler gemacht. Das hat aber Aykut Aggül rechtzeitig erkannt“, erzählt sie lachend. Es ist übrigens nicht ihr erstes Wimmelbild, sondern in der Größenordnung das sechste.

Bild soll voll, aber nicht überfrachtet sein

Für die Künstlerin vom Möhnesee ist die Recherche das Wichtigste: „Es ist das Ziel, dass sich die Menschen damit identifizieren und dass sie Lust haben, sich an dem Bild aufzuhalten. Das Bild darf auch nicht überfrachtet, muss aber voll sein.“ Tatsächlich entdeckt der Betrachter immer neue Details.

Es ist ein Wimmelbild für die Ewigkeit – und darüber freut sich Aykut Aggül besonders. Er hatte die Idee, die Werkssiedlung mit all ihren 43 Objekten, mit den Bewohnern, mit den Tieren und der Natur festzuhalten. Das Interessante: Auf dem Bild findet schon der Tag des offenen Denkmals statt – mit allen Akteuren, die am 10. und 11. September vor Ort sind.

Förderung über Leader-Kleinprojekte

Die Leaderregion Möhnesee hatte die Künstlerin ebenfalls beauftragt – „aber das Bild von dort ist fast fünf Mal so groß wie unseres. Unser Bild ist 3,50 Meter lang und 1,50 Meter breit“, erzählt der fraktionslose Ratsherr, der den Tag des offenen Denkmals auf die Beine stellt und für das Wimmelbild eine Förderung über Leader-Kleinprojekte bekommen hat. Von der Gesamtsumme in Höhe von 7000 Euro wurden 5600 Euro gefördert, den Rest trägt Aykut Aggül privat.

Das Wimmelbild wird dort installiert, wo auch die Informationstafel der Werkssiedlung steht. Und es wird natürlich geschützt: „Wenn jemand Graffiti darauf sprüht, ist es für uns einfach, es wieder abzuwischen“, sagt Aykut Aggül. Und weil das Wimmelbild so schön geworden ist, gibt es am Tag des offenen Denkmals 150 Tassen mit der Zeichnung für etwa je zehn Euro zu kaufen.

Einnahmen fließen zurück in die Siedlung

Die Einnahmen wiederum werden zurück in die Siedlung fließen. Auch Postkarten und Magnete vom Wimmelbild wird es geben. „Es ist wirklich spannend“, findet Aykut Aggül.

Werkssiedlung Langenstück: 15 Häuser werden illuminiert

Das Fest zum Tag des offenen Denkmals beginnt am Samstag, 10. September, um 14 Uhr in der Siedlungsmitte. Aufgebaut sind dann viele Essens- und Getränkestände – von Bratwürstchen über türkische Spezialitäten bis zu Kuchen, Eis und Cocktails. Mit dabei sind dafür die Ditib-Gemeinde, die Nachbarschaftshilfe, die Awo-Kita, die katholische Kita, der Waldkindergarten, Michaela Christodoulakis und Di Natale. Der Schmitz-Pferdeerlebnishof bietet an beiden Tagen Ponyreiten, die Kinderfeuerwehr stellt ihre Arbeit vor und schminkt die kleinen Gäste, das Jugendzentrum lädt zum Dosenwerfen. Zudem gibt es eine Hüpfburg und ein Kasperletheater. Und: Die Künstlerinnen Sonja Kreisel und Inge Voss stellen am Samstag ihre Werke vor. Die Hauptattraktion, das Erstrahlen der Häuser, übernimmt C3-Event aus Neuenkirchen – und zwar an beiden Tagen jeweils ab 18.30 Uhr bis in die Nacht. Es werden aber der Energiekrise geschuldet nicht 20, sondern 15 Häuser illuminiert. „Einige Bewohner haben gesagt, dass sie dann doch lieber verzichten möchten. Das kann man wirklich gut verstehen. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen, jetzt warten wir ganz gespannt, dass es endlich losgeht“, so Aykut Aggül. Stelzenläufer werden am Samstag und Sonntag jeweils ab 16, 18 und 20.30 Uhr aus höherer Perspektive die Werkssiedlung erkunden und für Fotos zur Verfügung stehen. Zwei Höhepunkte am Samstag: Der Künstler „Lemmi“ aus Köln präsentiert ab 20.30 Uhr eine Feuer-LED-Show und die Coverband „Lenniac“ spielt ab 21 Uhr auf einer Bühne zwischen Haus 4 und 6.

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