380-kV-Höchstspannungsfreileitung: Straße am Sassenscheid eine Gefahr

Rat teilt Bürger-Bedenken

Besonders im Winter kann es für Autofahrer auf dieser Straße am Sassenscheid gefährlich werden.
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Besonders im Winter kann es für Autofahrer auf dieser Straße am Sassenscheid gefährlich werden.

Die Masten sollen schmaler werden, aber höher. Augenscheinlich rückt der Neubau der 380-kV-Höchstspannungsfreileitung näher. Doch es gibt ein Problem: Wenn für den Bau eine Straße am Sassenscheid gesperrt wird, wird es gefährlich für die Anwohner.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Amprion GmbH hat bei der Bezirksregierung Arnsberg die 2. Planänderung für das Planfeststellungsverfahren eingereicht. Der Rat hat keine Einwände: Die beantragte Trasse „Variante Wiblingwerde-Ost“ soll beibehalten und der Rückbau der 220-kV-Amprion-Bestandstrasse soll vorangetrieben werden. Und doch gibt es ein großes Aber. Denn der Rat beschloss einstimmig, ein Anliegen von Mark Fahnert zu unterstützen und auch eine eigene Stellungnahme abzugeben. Es geht um gefährliche Bedingungen.

Es geht steil bergab

Der Sassenscheid ist grundsätzlich ein idyllisches Fleckchen. Mit zwei Straßen. Eine davon ist nicht nur in einem schlechten Zustand, sondern für die Autofahrer mit Vorsicht zu genießen, weil sie an einer Wiese liegt, an der es steil bergab geht und die nach etwa 200 Metern am Waldrand endet. Im Winter ist genau dies ein Riesenproblem, denn bei glatten Straßenverhältnissen kann ein Auto durchaus wegrutschen, sich überschlagen und erst am Waldrand zum Stehen kommen.

Zaun abgebaut

„Uns ist dies passiert. Nur ein Stacheldrahtzaun verhinderte, dass sich unser Fahrzeug auf der Wiese überschlug. Der Zaun ist nicht mehr vorhanden, aber nicht, weil wir ihn mit unserem Unfall zerstört haben. Der Zaun wurde vom Besitzer abgebaut. Deswegen nutzen wir im Winter nur die linke Straße, um diese Gefahr zu vermeiden“, so Mark Fahnert in seiner Stellungnahme zum Bau der Höchstspannungsfreileitung.

Straße soll gesperrt werden

Und tatsächlich hat der Bau durchaus etwas mit der Straße zu tun, denn „nach unseren Informationen soll die linke Straße über einen Zeitraum von drei Jahren gesperrt werden, bis die Bauphase an den neuen Hochspannungsleitungen abgeschlossen ist“, so Mark Fahnert, der mit seiner Familie am Sassenscheid wohnt.

Angeblich soll die Straße sogar überhaupt nicht mehr für den öffentlichen Verkehr freigegeben werden. Wenn das so geplant ist, dann würden nach Ansicht von Mark Fahnert und auch nach Ansicht des kompletten Rates gefährliche Bedingungen entstehen, wenn alle Verkehrsteilnehmer über die problematische Straße müssten und keine Ausweichmöglichkeit mehr hätten.

„Hier fährt ein Schulbus“

„Hier fährt ein Schulbus, hier gibt es Gut Sassenscheid. Die Bewohner werden regelmäßig mit einem Bus zum Arzt, zur Arbeit, zu Ausflügen (aktuell jetzt nicht, aber hoffentlich bald wieder) gefahren. Es betrifft also nicht nur vier Haushalte. Darüber hinaus bestehen für die rechte Straße kaum Ausweichmöglichkeiten bei Gegenverkehr, der ja nun zwangsläufig sehr häufig entsteht, wenn die andere Straße gesperrt wird“, so argumentiert Mark Fahnert, der seine Bedenken im Rahmen der möglichen Einwendungen zur Planänderung für den Trassenabschnitt eingereicht hat. Ende offen.

Geringster Schmerz

Des einen Freud, des anderen Leid. Da die Alternativtrasse Wiblingwerde-Ost den Vorzug vor der Trasse zwischen dem Wohngebiet Niggenhuser Hof/Harpkestraße und entlang der Wohnbereiche „Über dem Dorfe/Kolpingstraße“ bekommen hat, fühlen sich die Bürger im Bereich Hallenscheid-Kreinberg eher belastet. Doch die Variante Wiblingwerde-Ost beansprucht den Landschaftsraum mit weniger Leitungen und Masten als der Bau in der Bestandstrasse. Die Bestands-trasse kann in diesem Bereich also zurückgebaut werden. Es ist ein erreichtes Ziel „mit dem geringsten Schmerz“, für das sich die Bürgerinitiative „Wiblingwerde spannungsfrei“ eingesetzt hatte und in einen Dialogprozess mit Amprion gegangen war.

Wechsel auf schmale Mastform

Übrigens: Die Auswertung der eingegangenen Stellungnahmen hat ergeben, dass vielfach die Forderung nach einer schmalen Mastform gestellt wurde. Dies hat Amprion zum Anlass genommen, die Planung auf einen grundsätzlichen Mastwechsel hin zu prüfen. Mit dem Wechsel auf eine schmale Mastform fällt auch der Leitungsschutzstreifen entsprechend schmaler aus, sodass „die Eigentums- wie auch die Waldinanspruchnahme reduziert werden können“, so Amprion. Im Gegenzug werden die Masten durch die geänderte Anordnung der Leiterseile jedoch bei einem Wechsel der Mastform höher als in der Ursprungsplanung – allerdings nicht überall. In Deierte und Sassenscheid bis Gemeindegrenze werden sie etwas niedriger, die Neubaumasten in Wiblingwerde-Ost werden drei Meter höher. Das Zeitfenster für mögliche Einwendungen ist geschlossen.

Die Information

Die geplante Höchstspannungsleitung beginnt in Kruckel bei Dortmund und führt zum rheinland-pfälzischen Dauersberg. Sie ist insgesamt 126 Kilometer lang, wobei auch 36 Kilometer über den Märkischen Kreis führen. Nachrodt-Wiblingwerde liegt im Abschnitt B. Aus einer 220-Kilovolt- wird dabei eine 380-Kilovolt-Leitung. Die höhere Spannungsebene ist dem gestiegenen Energiebedarf geschuldet. Alle 243 Masten im Abschnitt B werden abgebaut – auch die 33 in Nachrodt. Zukünftig soll es insgesamt 109 geben, davon 24 in der Gemeinde. Masthöhe: 65 Meter - plus drei Meter bei der schmaleren Variante. Geplant wird seit 2011. Und seit dieser Zeit gibt es auch zahlreiche Diskussionen in der Gemeinde. Viele Menschen wollen nicht in direkter Nähe von Hochspannungsleitungen mit ihren elektro-magnetischen Feldern wohnen.

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