32-Jähriger muss Sozialstunden nicht ableisten

32-Jähriger muss keine Sozialstunden leisten

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein eigentlich schon abgeschlossenes Gerichtsverfahren hatte am Donnerstag vor dem Amtsgericht noch einmal ein Nachspiel. Auf der Anklagebank saß ein 32-jähriger Nachrodter.

Eine endgültige Einstellung des Strafverfahrens gegen Ableistung von 50 Sozialstunden – mit diesem Angebot war im Januar die Gerichtsverhandlung gegen einen 32-jährigen Nachrodter zu Ende gegangen, der am 5. August 2013 in Nachrodt an der Haustür eines 30-Jährigen geklingelt und diesen verprügelt hatte. Auch die Ehefrau hatte noch etwas abbekommen, und eine Tür war zu Bruch gegangen. Der Geschädigte hatte bei der Attacke unter anderem eine Bisswunde am Oberarm erlitten, aber auch selber ausgeteilt. Der Angeklagte hatte das Feld mit einer Platzwunde an der Stirn und mehreren Prellungen am Hinterkopf verlassen.

„Wenn ich dich auf der Straße sehe, steche ich dich ab“, sollte er seinem Kontrahenten zum Abschied noch hinterher geschleudert haben. Beleidigung, Bedrohung, Körperverletzung – das Angebot zur Einstellung des Verfahrens war großzügig und wurde vor allem damit begründet, dass das Opfer des Angriffs nur leicht verletzt wurde und seinerseits ausgeteilt hatte. Grund für die Auseinandersetzung soll ein Streit um 20 Euro gewesen sein.

Am Donnerstag musste der Angeklagte erneut ins Amtsgericht Altena kommen. „Machen Sie das, dann sehen wir uns hier nicht wieder“, lautet zumeist die unmissverständliche Ansage von Richter Dirk Reckschmidt, wenn er Angeklagte zur Ableistung von Sozialstunden verpflichtet. In diesem Fall hatte der Angeklagte aber gar nichts gemacht – keine einzige Stunde Sozialdienst.

Normalerweise gibt es in diesem Fall ein förmliches Urteil, das die Möglichkeit weiterer Sanktionen eröffnet. Doch es gab in diesem Fall ausnahmsweise gute Gründe, darauf zu verzichten: Er leide an einer gefährlichen Neigung zu Hirnblutungen, trug der Angeklagte glaubwürdig vor. Deshalb dürfe er nicht schwer heben – die Ableistung von Sozialstunden sei ihm deshalb unmöglich. Er habe sogar große Probleme, seine Kinder hochzuheben, versicherte der 32-Jährige.

Dirk Reckschmidt und Staatsanwalt Jörn Esken berieten sich daraufhin, und der Richter stellte das Verfahren ohne Auflagen endgültig ein. Nach einigen einschlägigen Vorstrafen durfte der Angeklagte aber nicht ohne eine dringende Ermahnung gehen, sich nie wieder aus solchen Gründen im Amtsgericht blicken zu lassen. - Thomas Krumm

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