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250 Kilometer Rundwanderwege in der Gemeinde: Wird das Netz geschrumpft?

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Urlaub in Hamm - Österreich: Auf zur Kissinger Höhe: WA-Reporterin Svenja Jesse ist mit dem Wanderstock im Grünen unterwegs.
Auf Wandern als Tourismusfaktor setzt die Leaderregion Lenneschiene. Das damit verbundene Projekt kommt jedoch seit Jahren nicht wirklich voran. © Andreas Rother

Der Sinn des Wanderns ist... unterwegs zu sein. Das kann man in Nachrodt-Wiblingwerde hervorragend. Und bald noch viel besser? Das wird sich noch herausstellen.

Im Moment gibt es 24 Rundwanderwege mit einer Gesamtlänge von 250 Kilometern. Es geht bergauf, bergab, tief durch die Wälder und Schönheiten der Natur. Der Heimat- und Verkehrsverein kümmert sich um die Wege, man erkennt sie an weißen Kreisflächen mit rotem Punkt.

Doch jetzt stehen ein paar Veränderungen an. Denn: Die Kommunen in der heimischen Leaderregion Lenneschiene sehen den Wandertourismus als eine Gemeinschaftsaufgabe und haben sich zum Ziel gesetzt, ein modernes und qualitativ hochwertiges Wanderwegenetz zu schaffen. Es gilt das Motto: Weniger ist mehr. Klingt erst einmal gut, scheint aber mühselig.

Das Warten geht weiter

Seit sechs Jahren schon versucht man, in Nachrodt-Wiblingwerde acht besondere Wanderwege zu bestimmen. Und eben diese sollen dann vom SGV betreut werden. Diese acht Wege sind die Schönsten des Heimatvereins, der die Routen vorgeschlagen hat, und jetzt seinerseits auf die Dinge wartet, die gerade noch nicht kommen.

Denn: Die acht angedachten, besonders schönen Wanderwege sind, wie die Redaktion vom SGV erfuhr, mittlerweile auf fünf geschrumpft. Ein Großgrundbesitzer möchte seine Zustimmung nicht geben, befürchtet, dass dann noch mehr Leute durch seinen Wald stapfen. Es gibt zwar grundsätzlich ein Waldbetretungsrecht, aber man wollte augenscheinlich keinen Streit entfachen. So wurden aus den acht geplanten Wegen deshalb sechs. Dann stellte man fest, dass ein Weg exakt die Strecke beinhaltet, die es schon gibt. Und so wurden aus sechs jetzt fünf Qualitätswanderwege, die gar nicht so genannt werden dürfen, weil Qualitätswanderwege zertifiziert sind und gewisse Bedingungen zu erfüllen haben. Also nennt man die fünf Wege nun Ortswanderwege.

Neue Kennzeichnung soll erfolgen

Fakt ist: In Zusammenarbeit und in Abstimmung mit der Stadt Plettenberg und der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde sollen im Rahmen des Leader-Projekts Lenneschiene eben nun diese fünf Ortswege als Rundwanderwege neu gekennzeichnet werden. Vom SGV. Seine Schilder sind schwarze Zeichen auf weißem Grund.

Möglicherweise nennt der Heimat- und Verkehrsverein seine Wege bald Spazierwege – erhalten bleiben sollen sie aber auf jeden Fall, wie Gerd Nolte verspricht.

Neue Wege eine Bereicherung?

Auch ist der Heimat- und Verkehrsverein gern bereit, bei der Pflege der neuen Wege zu helfen. „Wir haben mit Gerd Bratz ein Mitglied im Heimat- und Verkehrsverein, der auch gleichzeitig im SGV ist und somit eine Doppelfunktion hat“, erzählt Gerd Nolte. Gerd Bratz sei übrigens ein unglaublicher „Zu-Fuß-Läufer“, und „wir sind froh, dass wir ihn haben“, so Gerd Nolte. Nicht ganz so glücklich ist der Wanderwart des Heimatvereins aber über den ewig-langen Prozess rund um die Ortswanderwege und die „Kubikmeter Unterlagen“ dazu. Ob sie eine Bereicherung sein werden? „Eigentlich nicht. Aber es ist politisch so gewollt“, weiß Gerd Nolte.

Mittlerweile gibt es übrigens Kartenmaterial von den Wegen beim Sauerländischen Gebirgsverein.

Abstimmungsprozess läuft

Der SGV ist verpflichtet, sich vor der Festlegung neuer Wanderwege mit den betroffenen Grundstückseigentümer und deren Verbänden, Gemeinden, unteren Naturschutzbehörden, Trägern der Naturparke und dem Landesbetrieb Wald und Holz ins Benehmen zu setzen. Und genau dort ist der Prozess gerade angelangt.

Gemeinde wird sich Diskussion nicht entziehen können

Die Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde hat um die Jahre 2000 bis 2003 ein eigenes Wanderwegenetz mit eigenen Markierungszeichen neben dem (vorhandenen) des SGV eingerichtet, das vom Heimat- und Verkehrsverein betrieben und gewartet wird. Gerd Nolte hat sich mit der Thematik intensiv befasst und schreibt: „Nach der heutigen Rechtslage hätte die Gemeinde dazu Ausnahmegenehmigungen von der Bezirksregierung Arnsberg erwirken müssen. Die abweichenden Markierungszeichen hätten im Amtsblatt der Bezirksregung veröffentlicht werden müssen. Unterstellt, die Genehmigungen sind erfolgt oder waren seinerzeit nicht erforderlich, ist der Betrieb des Wanderwegenetzes auch weiter zulässig. Inwieweit sich dieses Sondernetz in die politisch gewollte und finanziell vom Land unterstützte Vereinheitlichung nach der Charta „Pro Wandern im Sauerland“ einfügen lässt, ist aber offen und unter strategischen und operativen Gesichtspunkten zu diskutieren. Die Gemeinde wird sich letztlich dieser Diskussion nicht entziehen können, hat sie doch wie alle Gemeinden im Kreis diese „Charta“ mit ihren Zielen akzeptiert. Hier bleibt aber noch viel Zeit, die Umsetzung im Kreis ist wohl erst vollständig in Balve erfolgt. Die Stadt Balve hat ein ähnlich umfangreiches Netz wie Nachrodt-Wiblingwerde, etwa 250 Kilometer. Empfohlen wird, die weitere Entwicklung in Ruhe abzuwarten.“

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