Zwei Bullen und ein Mutterkalb bei Bauer Voss

Zwillinge? „Da kommt noch eins!“ Überraschende Drillingsgeburt in Herscheid

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Jung-Landwirt Christian Voss füttert die Kälber mehrmals am Tag mit frischer Kuhmilch, damit diese zu Kräften kommen.

Herscheid – Als Christian Voss mit dem Melkeimer den Stall betritt, springen ihm sofort drei quirlige Kälbchen entgegen. Das Trio hat Hunger – und das ist ein gutes Zeichen. 

Mutterkuh Neapel beobachtet die Fütterung wohlwollend; fast könnte man meinen, dass sie sich über diese Pause freut – und noch mehr darüber, dass ihr Nachwuchs gesund und munter ist.

Stolz und beeindruckt sind jedenfalls die Besitzer der Tiere: Denn eine Drillingsgeburt hat es im Stall der Familie Voss in Friedlin noch nie gegeben. „Das war eine Überraschung für uns alle“, sagt Christians Vater, Dirk Voss. 

Der erfahrene Landwirt schätzt, dass pro Jahr rund 200 Kälber in seinen Ställen zur Welt kommen. In den meisten Fällen geschehe dies auf natürliche Weise, oftmals ohne menschliches Dazutun. Doch im Fall von Neapel und ihren Drillingen sprang Voss als Geburtshelfer ein. 

Mutterkuh Neapel ist stolz und erschöpft zugleich: Sie hat gesunde Drillinge zur Welt gebracht – das hat es im Kuhstall der Familie Voss noch nie zuvor gegeben.

Bereits drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bemerkte der Friedliner bei der trächtigen Kuh das erweiterte Euter, was vergleichbar sei mit dem Milcheinschuss bei schwangeren Frauen. Vorsichtshalber holte der Landwirte das Tier von der Weide in den Stall. 

Dort zog es sich zurück und wirkte unruhig: Neapel legte sich hin, um kurz danach wieder aufzustehen. Ein deutliches Zeichen für einsetzende Wehen. Dirk Voss untersuchte die Kuh, ertastete zunächst eine Schulter und kurz darauf mehrere Beine – mindestens derer fünf. Sollten es etwa Zwillinge sein? 

Der Landwirt nahm umgehend mit einer Tierärztin Kontakt auf, die sich auf den Weg von ihrer Praxis in Much (Rhein-Sieg-Kreis) nach Herscheid machte. Und dort angekommen staunte sie nicht schlecht: Nachdem sie zwei gesunde Kälber auf die Welt geholt hatte, tastete sie die Mutterkuh erneut ab und stellte fest: „Da kommt noch eins.“ 

Sowohl die beiden Bullen, als auch das Mutterkalb waren und sind wohlauf. „Da geht einem das Herz auf“, beschreibt Dirk Voss die berührenden Momente nach der Geburt an Pfingstmontag. 

Für die sechsjährige Mutterkuh Neapel war es die vierte Kalbung. Sie muss sich von dieser kräftezehrenden Mehrfachgeburt erholen und erfährt zurzeit eine intensive Pflege im Stall. Ihre Drillinge werden derweil mehrmals am Tag mit Milch gefüttert, damit sie zu Kräften kommen. 

Zurzeit bringt jedes einzelne von ihnen 20 Kilo auf die Waage (nur die Hälfte von normalen Geburten). Aber die Kälber werden sich entwickeln, davon ist Dirk Voss überzeugt. Aufgrund dieses längeren Prozesses sind die Drillinge aus rein wirtschaftlicher Sicht für den Landwirt kein Gewinn, weil sie nicht vermarktbar sind. 

Doch monetäre Aspekte treten angesichts der besonderen Umstände in den Hintergrund. „Hier entsteht neues Leben“, freut sich Voss und ergänzt: „Genau dafür mache ich diesen Beruf.“

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