1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Herscheid

„Zustrom wird zunehmen“: Bange Blicke bei der Tafel in Richtung Zukunft

Erstellt:

Von: Simone Rein

Kommentare

Der Vorsitzende der Lüdenscheider Tafel Peter Koopmann (3. von links), hier gemeinsam mit Armin und Erika Kämper (links) sowie Peter Langemann, hofft, dass viele Herscheider die Möglichkeit zur 5-Euro-Spende im Rewe wahrnehmen werden.
Der Vorsitzende der Lüdenscheider Tafel Peter Koopmann (3. von links), hier gemeinsam mit Armin und Erika Kämper (links) sowie Peter Langemann, hofft, dass viele Herscheider die Möglichkeit zur 5-Euro-Spende im Rewe wahrnehmen werden. © Simone Rein

Immer mehr Menschen sind aufgrund der aktuellen Situation auf Lebensmittel von der Tafel angewiesen. Die Lüdenscheider Tafel ist deshalb mit einer Aktion unterwegs und war am Dienstag zum Rewe-Markt in die Ebbegemeinde gekommen, um Spenden zu sammeln.

Herscheid - Peter Koopmann kam mit seinem Team von der Tafel Lüdenscheid aus der Bergstadt nach Herscheid und verteilte 5-Euro-Tüten für den guten Zweck. „Wir versuchen, die Kunden zu bitten, für 5 Euro eine zusammengestellte Tüte zu kaufen. Die nehmen sie hier bei uns mit und bezahlen sie im Rewe-Markt, der auch die Tüten gefüllt hat. Anschließend werden diese Tüten an uns weitergegeben“, erklärt der Vorsitzende der Lüdenscheider Tafel die Aktion.

Der Lüdenscheider Tafel-Verein hat viele neue Kunden aufnehmen müssen, darunter einen großen Zustrom von Ukrainern, die auf Unterstützung angewiesen sind. In erster Linie seien Lebensmittel das Wichtigste. „Wir erwarten, dass der Zustrom wahrscheinlich weiter zunehmen wird. Gleichzeitig fürchten wir auch, dass Geschäfte noch enger kalkulieren müssen“, macht sich Peter Koopmann große Sorgen, dass bei steigender Kundenzahl irgendwann weniger Waren eingehen als ausgegeben werden müssen. Die Lüdenscheider Tafel erwarte „in dem Sektor Schwierigkeiten“. Helfer gebe es im Moment recht viele, was vom Verein als „schön“ empfunden würde.

„Wir haben auch eine ganz gute Kooperation zwischen Lüdenscheid, Meinerzhagen, Kierspe, Plettenberg, Altena und Werdohl. Wenn in Plettenberg keine Ausgabe ist und die Plettenberger Tafel keine Waren einsammelt, dann fahren wir auch nach Plettenberg und sammeln die Waren ein“, freut sich Koopmann über die sehr gute Zusammenarbeit. So komme sich niemand in die Quere und die Geschäfte, die ihre Waren zur Verfügung stellen, könnten regelmäßig angefahren werden.

Unterstützung erhalte die Lüdenscheider Tafel von der Firma Metten, die unter anderem falsch etikettierte Waren als Spende zur Verfügung stelle. „Und es gibt auch noch ein Verteilzentrum für die Tafeln. Das ist in Siegen. Da landen manchmal Großmengen. Wenn eine Firma unendlich viele Pizzen hat, die falsch beschriftet waren, gibt es dann mal hunderttausend Pizzen für die Tafel NRW. Diese werden dann über zentrale Verteilstellen verteilt und so bekommen wir auch die Ware aus Siegen“, zeigt sich Koopmann zufrieden.

„Wir unterstützen auch noch viele andere Organisationen. Sobald wir etwas übrig haben, geht das an den Obdachlosen-Freundeskreis, die Obdachlosenhilfe Lüdenscheid, an die Caritas und an den Wiedenhof. Das sind alles soziale Institutionen, die es auch gut gebrauchen können“, so Koopmann.

Wie hoch ist die Spendenbereitschaft? „Das ist immer schwierig abzuschätzen. Unser Hauptspendeneinkommen liegt immer gegen Ende des Jahres. Wir haben noch recht viele Großspenden, die von den Firmen kommen“, hofft Koopmann auf weitere Unterstützung in dieser Richtung und freut sich, dass auch die Zahl von Kleinspenden zugenommen habe. Die Wichtigkeit der Tafeln sei vielen Leuten mittlerweile bewusst geworden und sie seien bereit, auch Mal 10 oder 20 Euro zu spenden.

Jeden Morgen stünden sechs bis zehn Leute bereit, die die ankommende Ware nach Warengruppen und Qualität sortierten. Mindestens ein Drittel sei für den menschlichen Verzehr nicht mehr geeignet. Doch bevor diese Lebensmittel der braunen Tonne zum Opfer fielen, würden sie ein weiteres Mal aussortiert und noch Verzehrbares den Landwirten zur Verfütterung an das Vieh zur Verfügung gestellt.

Dank dem Google-Übersetzer gestalte sich die Verständigung zwischen den Tafel-Mitarbeitern und den ukrainischen Flüchtlingen recht gut. Ungefähr 50 Prozent Ukrainer zählten mittlerweile zu den Tafelkunden. „Vorher hatten wir 50 Prozent aus dem arabischen Raum, vor allem aus Syrien sehr viele“, zeigt sich Koopmann auch überrascht über die merklich steigende Zahl deutscher Bürger, die Hilfe beim Verein suchen. Alle 14 Tage kämen etwa 750 Bedürftige zur Lebensmittelausgabe. Es bleibt zu hoffen, dass die Herscheider Spenden helfen können.

Auch interessant

Kommentare