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Zur Klemme - dieser Name gibt seit Jahrzehnten Rätsel auf

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Von: Birgit Hüttebräucker

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Die Gastwirtschaft Hugo Schürmann vor dem Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1916 wurden der Wirt und seine Frau Anna Vollmer im Rahmen einer Kriegstrauung in dem Haus getraut.
Die Gastwirtschaft Hugo Schürmann vor dem Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1916 wurden der Wirt und seine Frau Anna Vollmer im Rahmen einer Kriegstrauung in dem Haus getraut. © Repro: Hüttebräucker

Auf der Strecke zwischen Herscheid und Hüinghausen, im Ortsteil Grünenthal, befindet sich Schürmanns Landgasthaus, das seit vier Generationen im Besitz der Familie ist.

Herscheid - Im August des Jahres 1874 erwarb Ludwig Schürmann die Konzession für die Schankwirtschaft und legte damit den Grundstein für die heutige Gaststätte in Grünenthal. Der Bäcker und Wirt musste einige Schicksalsschläge ertragen, denn seine erste Ehefrau Wilhelmine Cordt starb ein Jahr nach der Heirat, nachdem sie eine Totgeburt erlitten hat.

Auch die zweite Ehefrau Henriette Uerpmann starb im Jahr 1877 im Alter von gerade mal 37 Jahren. Der Witwer und Vater von zwei kleinen Töchtern heiratete im Jahr 1879 zum dritten Mal. Seine Ehefrau Maria Catharina (geborene Vieregge) aus Holthausen brachte zwei Jahre nach der Hochzeit die Zwillinge Hugo Ludwig und Hulda Maria zur Welt.

Im September 1892 starb Ludwig Schürmann und da sein einziger Sohn zu dem Zeitpunkt gerade erst elf Jahre alt war, ist anzunehmen, dass die Ehefrau Maria Catharina den Gasthof weiterführte und auch für den Anbau des Saals zuständig war. Dieser 1895 neu erbaute Saal war, laut Vereinschronik des TV Grünenthal, Treffpunkt der Sportler, die ihr Vereinslokal in die Gaststätte legten. Ebenso nutzte der Männergesangverein Eintracht Elsen die Gaststätte Schürmann ab dem Jahr 1904 als Übungsstätte und Vereinslokal.

Peter Schürmann setzt die Familientradition fort. Er ist in vierter Generation Wirt im Grünenthal und kann im Jahr 2024 auf 150 Jahre Gastwirtschaft Schürmann zurückblicken.
Peter Schürmann setzt die Familientradition fort. Er ist in vierter Generation Wirt im Grünenthal und kann im Jahr 2024 auf 150 Jahre Gastwirtschaft Schürmann zurückblicken. © Birgit Hüttebräucker

Als im Jahr 1927 die Witwe des Ludwig Schürmann an Grippe verstarb, hatte mittlerweile der Sohn Hugo Ludwig, gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna (geb. Vollmer) die Gaststätte übernommen. In dieser Zeit, als das Ehepaar Schürmann die Gaststätte führte, wurde der Saal auch als Kino benutzt. Das belegt ein Schreiben von Hermann Müller, dem Inhaber der Westmark-Lichtspiele aus Lüdenscheid, an den Gastwirt Hugo Schürmann.

Darin schreibt Müller im August 1953, dass „im Kino-Grünenthal im Saal Schürmann, jede Woche die aktuellsten Filme der neusten Produktion vorgeführt werden“. Er bittet in dem Schreiben, diese Information auch an den Turnverein weiterzuleiten, der den Saal zum Trainieren und für Sportveranstaltungen nutzte. Das Schreiben diente vermutlich zum einen als Information und wohl auch, um Terminüberschneidungen zu verhindern.

Als Hugo Ludwig Schürmann, der seinen zweiten Vornamen kaum benutzte, im Jahr 1960 starb, erfolgte ein weiterer Generationswechsel. Der Sohn von Hugo und Anna, der den Vornamen des Großvaters Ludwig erhalten hatte, übernahm gemeinsam mit seiner Ehefrau Marlene die Gaststätte in Grünenthal. In seiner Zeit als Wirt erhielt die Gaststätte die Bezeichnung „Zur Klemme“. Der Zeitraum dieser Namensänderung lässt sich anhand von Werbeanzeigen, die in verschiedenen Vereinschroniken erschienen, zeitlich gut eingrenzen.

Nur noch neun übrig

In Herscheid und den umliegenden Ortsteilen gab es vor rund 60 Jahren mehr als 30 Gaststätten. Die Bewohner der Gemeinde hatten eine große Auswahl um sich in geselliger Runde zu treffen und für auswärtige Gäste war es kein Problem eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. In einer Liste aus dem Jahr 1717, in der die Wirte und Fusselbrenner im Amt Altena aufgeführt sind, werden in Herscheid damals schon 12 Wirte gezählt. Heute, 305 Jahre später, ist die Zahl der Gasthäuser auf neun gesunken und es lohnt sich diesen verbliebenen Gastwirtschaften in die Geschichte zu blicken.

So heißt es 1957 „Gaststätte Hugo Schürmann“. Im Jahr 1963 heißt es in einer weiteren Anzeige „Gaststätte Ludwig Schürmann“ und 1975 lautet der Name in der Werbeanzeige Gastwirtschaft „Zur Klemme“.

Diese Änderung muss zwischen 1963 und 1975 stattgefunden haben. Häufig haben die Gäste nach der Bedeutung des Namens gefragt, doch trotz Bemühungen wurde das Rätsel nicht gelöst. Peter Schürmann, Sohn des 1997 verstorbenen Ludwig, hat sich daher dazu entschieden, den Namen in Schürmanns Landgasthaus zu ändern.

Doch egal welchen Namen das Gasthaus in Grünenthal hat, die Familientradition wird mit Peter Schürmann in der vierten Generation fortgesetzt; er freut sich auf das 150-jährige Jubiläum, dass er in zwei Jahren feiern kann.

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