„So viele Waldbrände wie noch nie“

Zukunft der heimischen Wälder: Alternativen zur Fichte notwendig

+
Forstexperte Klaus Kermes informierte die Teilnehmer der Exkursion über mögliche Zukunftsszenarien für den Wald.

Herscheid – Stürme, Brände, Hitze, Trockenheit und Schädlinge wie der Borkenkäfer – der heimische Forst hatte in jüngster Zeit mit verschiedensten Problemen zu kämpfen. Was bedeutet all dies für die Zukunft des Waldes?

Dieser Frage ging Herscheids Revierförster Klaus Kermes bei seiner Führung durch die Natur rund um den Spielberg nach. „Die Fichte ist neben der Douglasie die ertragreichste Baumart in der Region. Wir brauchen angesichts der Borkenkäfer-Plage aber Alternativen“, betonte der Forstbetriebs-Bezirksleiter den rapiden Wertverlust der Fichten, die derzeit für einen völlig überhitzten Holzmarkt sorgen würden. 

Deshalb gab er die Empfehlung ab, mehr auf Laub- und Buchenholz zu setzen. Zugleich machte er jedoch deutlich, dass sich eine Umstellung alles andere als einfach darstellt. Schließlich müssten die hauptsächlich auf Fichtenholz ausgerichteten hiesigen Sägewerke ihre Produktion umstellen. Tannen hätten beispielsweise ganz andere Eigenschaften, wofür man wiederum neue Sägen brauche. 

Auch das Wachstum unterscheidet sich: Während die Fichte nach rund 70 Jahren eine stattliche Größe erreicht, benötigt die Eiche ungefähr 200 Jahre, um ähnlich hoch zu wachsen. Andere Bäume, wie etwa die Kiefer, haben den Nachteil, dass sie nicht unbedingt für den Winter geeignet sind. „Bei der Schneelage im Sauerland brechen die Kiefern mit ihren breiten und daher auch krummen Kronen eher ein“, erläutert Kermes das Problem. 

Aufgrund der spürbaren Folgen des Klimawandels glaubt er daran, dass in Zukunft mehr Baumarten aus südlichen Gebieten vor Ort vorkämen. Beispiele dafür seien die Atlas-Zehder oder die Esskastanie. Diese Bäume kämen für warm-trockene Bedingungen in Frage. Zur Anpflanzung von Olivenbäumen oder Palmen werde es allerdings nicht kommen, versichert der Förster. Für ihn steht nur fest: „Die Wälder werden künftig jünger und gemischter.“ 

Derweil beschäftigt den Forstexperten natürlich auch die zunehmende Waldbrandgefahr. „2018 habe ich so viele Waldbrände wie noch nie erlebt“, blickt Klaus Kermes besorgt zurück. Allein in Herscheid habe es wegen enormer Hitze bekanntermaßen mehrere Male gebrannt. Trockenes Harz, Nadeln und Totholz seien wie eine „Zündschnur“. 

Umso wichtiger werde eine „intakte Infrastruktur“ im Forst. Nur dann können Rettungsfahrzeuge im Notfall zu ihrem Einsatz anrücken. Vor diesem Hintergrund gab es Lob für das kürzlich erstellte Wegenetzkonzept der Gemeinde, die sich damit einen Überblick zum Zustand ihres Wegenetzes verschaffte. Dieses kann nun mithilfe von Fördermitteln Stück für Stück verbessert werden. 

Angesichts der vielfältigen Probleme rund um den Wald richtete Klaus Kermes abschließend einen Appell an alle Nutzer des Waldes: „Wir müssen uns mehr um den Wald kümmern. Man sollte vernünftig mit ihm umgehen und dort nicht noch achtlos seinen Müll entsorgen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare