Schlechte Wetterprognosen und Abhängigkeit von Corona-Zahlen

Zitterpartie Außengastronomie: So erlebt Gastwirte-Ehepaar die letzten Tage der Zwangspause

Die Vorbereitung auf die Öffnung der Terrasse im Café-Restaurant Vedder sind längst angelaufen. An diesem Tisch, den Kellnerin Lea Bühner säubert, sollen möglichst bald Kunden sitzen.
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Die Vorbereitung auf die Öffnung der Terrasse im Café-Restaurant Vedder sind längst angelaufen. An diesem Tisch, den Kellnerin Lea Bühner säubert, sollen möglichst bald Kunden sitzen.

Kann am Pfingstwochenende nach monatelangem Warten die Herscheider Gastronomie zumindest im Außenbereich öffnen? Der bange Blick von Gästen und Betreibern richtet sich nicht nur auf die Coronazahlen, sondern er geht auch gen Himmel.

Herscheid - Die Sieben-TageInzidenz im Märkischen Kreis muss an fünf Werktagen nacheinander unter 100 liegen – das ist die Bedingung für eine Öffnung. Montag erstmals unterschritten, bislang konstant: Da die Zahlen auch am Freitag unter der Marke lagen, sind die rechtlichen Voraussetzung für eine Wiederöffnung von Biergärten und Terrassen ab Sonntag erfüllt. Doch diese Abhängigkeit erschwerte für die Herscheider Gastwirte die Planung, wie das Beispiel des Wirte-Ehepaars Vedder aus Nieder-Holte verdeutlicht.

„Das ist eine Zitterpartie“, sagt Caro Vedder. Sie und ihr Mann Reinhard bereiten sich seit Wochen auf den Tag X vor. Reinigung der Terrasse, die Abstimmung mit dem Personal, Einkauf von Lebensmitteln – die Vedders wollen, nein müssen gerüstet sein. „Unsere finanziellen Reserven sind nahezu aufgebraucht“, erzählt Caro Vedder. Seit Januar habe der Familienbetrieb keine staatliche Unterstützung mehr erhalten und sei dringend auf Einnahmen angewiesen.

Doch auf dem Weg zur erhofften Wiedereröffnung wartet manch ein Stolperstein auf die Gastwirte. „Ich muss die Leute Dinge fragen, die ich gar nicht fragen möchte“, schildert Caro Vedder. Denn Voraussetzung für einen Besuch auf der Terrasse in Nieder-Holte ist entweder der vollständige Impfschutz, ein negativer Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden ist, oder aber der Beweis dafür, von Corona genesen zu sein. Diese Kontrolle sei vorgeschrieben, erläutert Vedder.

Ein weiteres Problem ist technischer Natur: Auf Anregung des Herscheider Bürgermeisters sollen die heimischen Gastwirte bei der Kontaktnachverfolgung auf die Luca-App setzen. Dazu müssten die Besucher die entsprechende App auf ihr Handy geladen haben und sich vor Ort durch das Einscannen eines QR-Codes anmelden. Doch nutzen alle Kunden diese App? Und was geschieht, wenn mehrere Kunden gleichzeitig davon Gebrauch machen wollen? Insbesondere in Außenbereichen wie Nieder-Holte sei das Wlan-Netz nicht besonders stabil. Die Vedders haben vorgesorgt und einen Wlan-Verstärker installieren lassen. Alternativ sei aber auch auf das bewährte Ausfüllen von Zetteln möglich.

Vorfreude auf die Rückkehr der Gäste ist bei Herscheider Gastwirten groß

Wie reagierendie Herscheider Gastwirte auf die mögliche Öffnung der Außenbereiche? Die Reaktionen bei einer Umfrage fielen unterschiedlich aus. Im Hotel Zum Adler will man spontan reagieren: „Wenn das Wetter mitspielt, dann öffnen wir unsere Terrasse“, erzählt Klaus-Dieter Führt. Er betont, dass auch im Adler künftig die Luca-App eingesetzt werde, um die Nachverfolgung zu erleichtern (parallel können die Kundendaten aber auch klassisch handschriftlich erfasst werden). Auch im Landhotel Herscheider Mühle ist die Freude auf die Rückkehr der Gäste groß: „Wir sind bereit und könnten jeden Tag öffnen“, schildert Gustav-Adolf Alberts. Um die Planung für den Neustart zu vereinfachen, soll die Speisekarte zunächst verkleinert werden. Essen abholen, aber auch Öffnung der Außengastronomie – so lautet die Planung im Landgasthaus Stottmert. Für die fünf überdachten Tische im Außenbereich werden für den Mittagstisch und die Abendzeit Reservierungen entgegengenommen. Inhaberin Magdalena Kowal weist darauf hin, dass der Nachweis eines negativen Corona-Schnelltests nur aus einem Testzentrum akzeptiert werden könne; Selbsttests – ob daheim oder vor Ort durchgeführt – seien nicht zulässig.

Als seien all diese Unwägbarkeiten nicht schon genug, da verdüstern nun auch noch die Wetterprognosen die Perspektive des Café-Restaurants. Für das Pfingstwochenende werden viel Regen und kühle Temperaturen vorausgesagt. Dies war letztlich ausschlaggebend dafür, dass die Vedders ihre Außengastronomie an diesem Wochenende noch nicht öffnen werden – der Aufwand dafür sei letztlich zu groß. Noch am Mittwoch hatte Caro Vedder mit einer Öffnung an Pfingstsonntag und -montag geliebäugelt, diese Pläne sind nun aber vom Tisch: „Das macht für uns zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn.“

Stattdessen bieten die Vedders am Feiertagswochenende erneut Speisen und Getränke zum Mitnehmen an. Damit habe man an Christi Himmelfahrt gute Erfahrungen gemacht: Die Kunden können Herzhaftes aber auch Süßes aus einer kleinenKarte vor Ort wählen, dürfen diese aber in einem Umkreis von 50 Metern um das Restaurant nicht verzehren – und somit auch nicht auf der Terrasse. Doch lange soll diese nicht verwaist bleiben. Vorausgesetzt, dass die Coronazahlen weiter sinken, möchten die Vedders so bald wie möglich wieder Gäste empfangen. „Ich hoffe, dass wir spätestens in zwei Wochen wieder in Richtung Normalität aufgebrochen sind“, gibt sich Caro Vedder optimistisch.

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