In Zeiten von Smartphones haben es Amateurfunker schwer / Helfer in Notfällen

Eine seltene Spezies

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Technisches Interesse und Gemeinschaftssinn werden beim Amateurfunken vereint. Hier bauen Funker eine Antenne. 

HERSCHEID - Der technische Wandel trifft unsere Gesellschaft in vielen Bereichen und macht dabei vor Vereinen nicht Halt. Zum Teil stehen Existenzen auf dem Spiel, aber trotz sich verändernder Umweltbedingungen ist deren Verschwinden kein Automatismus, wie die heimischen Amateurfunker beweisen.

Es ist ein technisches Hobby mit über 60 000 Aktiven in Deutschland und mehr als zwei Millionen weltweit. Und sie sind auch in Herscheid beheimatet: Der hiesige Orts-verband ist organisiert im „Deutschen Amateur-Radio-Club“ (DARC) und wurde von 18 Personen im Jahr 1980 gegründet. Danach stieg die Anzahl der Mitglieder zu Beginn der 90er Jahre bis auf 36 an. Mittlerweile zählt der Ortsverband noch elf Mitglieder. 

Sie gehen einer Freizeitbeschäftigung nach, die auch im Digitalzeitalter noch Bestand hat und dabei überraschend vielfältig erscheint. Während sich manche Vereinsmitglieder insbesondere als technikaffin und eifrige Bastler von selbstgebauten Funk-Stationen verstehen, nehmen andere an nationalen, zum Teil auch an internationalen Wettbewerben, teil. Meistens geht es jedoch darum, möglichst häufig Kontakt zu anderen Funkbegeisterten aufzunehmen und mit diesen Gespräche zu führen. 

Doch die Unterstützung für diese Art der Informationsübertragung verliert an Gewicht. „Wir haben ein Nachwuchsproblem. Die jungen Leute lassen sich kaum noch für eine Mitgliedschaft begeistern“, schildert Lothar Niegsch, der Vorsitzende der Herscheider Funkamateure, die momentane Lage. Er erklärt: „In Zeiten von Smartphones wird es zunehmend schwieriger für uns. Wir werden oft gefragt, warum unsere Funkgeräte überhaupt noch nützlich sein sollen. Dabei sind sie im Vergleich zu Handys deutlich robuster und selbst in Katastrophenfällen einsetzbar.“ 

Damit nennt er ein Beispiel für die praktische Nutzung der Technik: Bei Stromausfall, wenn Telefon und Internet lahmgelegt sind, „ist es unsere Aufgabe, die Kommunikation aufrechtzuerhalten“, erinnert Niegsch. In solchen Notfällen könnten die Funker mit Hilfe einer Autobatterie oder von Notstromaggregaten trotz Netzausfalles über einen längeren Zeitraum Hilfsdienste leisten. „Ein öffentliches Kommunikationsnetz würde somit am Laufen gehalten werden“, betont Niegsch. 

Der Weg zur Aufnahme in den Amateurfunk führt über eine Lizenzprüfung bei der Bundesnetzagentur. Auch Funkamateure müssen den richtigen Umgang mit ihren Geräten unter Beweis stellen und verschiedene Kenntnisse erlernen, beispielsweise zu den Themen Betriebstechnik oder Gesetzeskunde. Derzeit gibt es die Klassen A und E, die einen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad aufweisen. „Darum bleiben viele jüngere Personen, die zwar grundsätzlich das Interesse mitbringen, aber keine Prüfung ablegen wollen, diesem Hobby lieber fern“, berichtet der Vorsitzende aus seinen Erfahrungen. 

Dabei bietet der Amateurfunkdienst ein abwechslungsreiches Betätigungsfeld: Bei Wettbewerben können viele Kontakte zu anderen Funkamateuren weltweit aufgenommen werden, das Amateurfunkpeilen beinhaltet das Suchen kleiner Sender in einem begrenzten Gelände und Funkkontakte zu Stationen mit besonderen Eigenschaften, wie auf Inseln oder jene mit historischem Hintergrund, sind ebenfalls möglich. 

Die einfachste Form, Teil der Gemeinschaft zu werden, ist zunächst die Betätigung als Kurzwellenhörer, dem sogenannten „Short Wave Listener“ (SWL). Mit einem einfachen Empfänger können sie den Funkbetrieb verfolgen. Wer später eigene Sendeversuche machen möchte, kann gerne mit dem Herscheider Ortsverband in Kontakt treten, deren Mitglieder sich zweimal im Monat zu einem Erfahrungsaustausch im „Hubertushof“ treffen.

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