Trotz der Aufstockung des Kultur-Etats bleibt die Planung knifflig

Wohin geht die Reise?

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Die Blues Company ist eigentlich ein Garant für viele Besucher. Im Lokschuppen war das in diesem Juni anders.

Herscheid - Die Veranstaltungen sollen alle Altersgruppen ansprechen, eine bunte Mischung bieten, dürfen aber nicht zu viel Geld kosten. Bei der Zusammenstellung des Herscheider Kulturprogramms treten vielschichtige Probleme auf.

Kabarett mit Lioba Albus, sinfonische Blasmusik mit dem Märkischen Kreisjugendorchester, Comedy-Lesung mit Reiner Hänsch – mit diesen drei Terminen konnten in diesem Jahr über 500 Besucher angelockt werden. Zahlen, mit denen Frank Holthaus durchaus zufrieden ist. Doch nicht mit all seinen Ideen konnte der Herscheider Kulturbeauftragte einen Treffer landen. 

Der größte Zuschussbedarf bestand überraschenderweise beim Konzert der Blues Company. Die Band, die bereits des Öfteren im Hüinghauser Lokschuppen und auch bei der Dorfwiesen-Eröffnung aufgetreten war, hat sich einen großen Fankreis in der heimischen Region erspielt. Doch im Juni kamen vergleichsweise wenig Besucher (187). Woran dies lag, das kann sich Holthaus nicht erklären. Dieses Beispiel zeigt, wie schwierig es ist, den Geschmack der Herscheider Bürger zu treffen. 

Noch komplizierter wird diese Herausforderung, wenn man sich den Jugendlichen widmet: Im Teenager-Alter gehen die Interessen weit auseinander. Ein Azubi-Projekt, federführend organisiert von den Auszubildenden des Rathauses, kam letztlich nicht zustande. Plakate für eine offene Bühne unter dem Motto „Dein Moment, Dein Talent“ waren bereits gedruckt. Doch letztlich mangelte es an der Resonanz. 

Frank Holthaus denkt nun darüber nach, das Thema Jugendkultur in einem neuen Arbeitskreis aufzugreifen: „Wir müssen uns überlegen, wo die Reise hingehen soll und ob wir das in Herscheid überhaupt leisten können.“ Alternativ könne man Veranstaltungen in anderen Städten auswählen und den Herscheidern einen Transport dorthin ermöglichen. 

Abhängig sind all diese Überlegungen auch von den Kosten. Der Kulturetat für das kommende Jahr ist um 1 500 Euro aufgestockt worden. Generierte Eintritts- und Sponsorengelder vorausgesetzt, stehen für kulturelle Zwecke in Herscheid 5 500 Euro zur Verfügung. Aktuell aus Funk und TV bekannte Künstler können mit diesem Geld nicht angelockt werden, oftmals scheitern Verpflichtungen schon an den begrenzten Hallengrößen vor Ort. 

Gelingt es dann doch, einen Prominenten nach Herscheid zu holen, dann muss die Auswahl sitzen. Denn neben Kosten für die Gage und die Hallentechnik fallen nicht selten Ausgaben für besondere Bonbons an. Damit sind vertraglich zugesicherte Leckereien wie spezielle Weinsorten oder erlesene Schokolade gemeint. Die Agenturen verlangen, dass diese Dinge gekauft und vorgehalten werden, auch wenn die Künstler sie gar nicht verzehren. 

Wesentlich unkomplizierter gestaltet sich vor diesem Hintergrund die Zusammenarbeit mit heimischen Akteuren. Dass diese dazu in der Lage sind, stimmungsvolle Abende zu gestalten, bewies zuletzt das Format „Musik und Lyrik für den Feierabend“, welches Ende September eine erfolgreiche Premiere im Bürgersaal feierte. 

Anscheinend spielt Geld eben doch nicht die entscheidende Rolle, das lässt auch der Versprecher von Gerd Haas erahnen. Der Vorsitzende des Kulturausschusses meinte angesichts der hochwertigen Veranstaltungen, dass sich Herscheid mit seinen knapp 7 000 Einwohnern zwar nicht mit kulturellen Angeboten von größeren Nachbarstädten messen könne, sich aber nicht verstecken brauche: „Unser Programm kann sich für eine 7 000 Euro Gemeinde sehen lassen.“

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