Woche der Ausbildung bei Fa. Wilhelm Schröder: Zeiten von zu wenig Ausbildungsstellen vorbei

Weniger Bewerber als Stellen

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In der Woche der Ausbildung traf sich Julia Kuhn (Arbeitgeberservice, 3 v. re.) mit Bürgermeister Uwe Schmalenbach, Carola Okulla, Personalleiterin von Wilhelm Schröder, Ausbilder Thorsten Rohrmann (4. v. re.) und drei Auszubildenden im Unternehmen in Hüinghausen.

HERSCHEID - 100 Ausbildungsstellen sind in Herscheid, Plettenberg und Werdohl noch offen. Auch die Firma Wilhelm Schröder in Hüinghausen hat noch drei offene Ausbildungsstellen, wie Carola Okulla, Leiterin der Personalabteilung, im Rahmen der Woche der Ausbildung berichtete. 

Die Zeiten, dass mehr Bewerber als Plätze da sind, seien vorbei. 3323 Ausbildungsstellen seien der Agentur für Arbeit derzeit gemeldet und 3211 Bewerber gebe es. Gemeinsam mit Bürgermeister Uwe Schmalenbach, Carola Okulla und Thorsten Rohrmann, Ausbilder im Bereich Werkzeugbau und Metall bei Wilhelm Schröder, sprach Julia Kuhn vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit über die Gründe, warum die Ausbildungsplätze mittlerweile schwer zu besetzen sind. 

„Es gibt weniger Bewerber als früher und einige Bewerber sind zu schwach. Es muss kein Realschüler sein, der sich bewirbt, aber mathematische Vorkenntnisse sollten schon vorhanden sein. Wir achten aber nicht nur auf die Noten, sondern auch darauf, ob die Bewerber engagiert sind und Begeisterung zeigen. Und sie müssen gut in das Unternehmen passen“, erklärt Karola Okulla. Lust, Begeisterung und Motivation seien das höchste Gut und wenn das passe, würde es mit der Ausbildung auch klappen. 

Wilhelm Schröder hat noch drei offene Ausbildungsstellen. Ein Verfahrensmechaniker Kunststoff- und Kautschuktechnik wird gesucht sowie ein Werkzeugmechaniker Stanztechnik und eine Fachkraft für Lagerlogistik. Ein Beruf, in dem es immer ausreichend Bewerber gebe, das konnte auch Julia Kuhn bestätigen, ist Industriekaufmann beziehungsweise -frau und auch Verwaltungsberufe seien gefragt. 60 Bewerbungen habe die Gemeinde Herscheid für dieses Jahr bekommen, sagte Bürgermeister Uwe Schmalenbach. Letztes Jahr seien es hingegen viel weniger gewesen. 

„Für andere Bereiche haben die Jugendlichen kein Interesse mehr“, erklärte Julia Kuhn. Frisörin sei nach wie vor gefragt. Am wenigsten Bewerber gebe es hingegen im Bereich Produktion und Fertigung und auch der Einzelhandel habe Schwierigkeiten auf Grund der Arbeitszeiten. Gleichzeitig gebe es im Einzelhandel jedoch auch viele unversorgte Bewerber. 

Die Frage, wie die Auszubildenden zu ihrem Arbeitsplatz kommen ist teilweise auch ein Problem, da diese in der Regel noch keine 18 Jahre alt sind und somit weder ein Führerschein noch ein Auto vorhanden sind. Nach Hüinghausen zur Firma Wilhelm Schröder komme man von Plettenberg oder Herscheid gut mit der Buslinie 54, von Werdohl sei es hingegen eher schwierig. 

„Einer unserer Auszubildenden kommt aus Meinerzhagen. Er wird von einem Mitarbeiter, der in Kierspe wohnt, mitgenommen“, erklärt Thorsten Rohrmann eine Möglichkeit. Der 17-Jährige arbeite dann so, wie ihn der Kollege mitnehmen könne. Julia Kuhn lobte, dass es gut sei, wenn solche Mitfahrgelegenheiten möglich sind. Nicht in allen Berufen sei diese Flexiblität bei der Arbeitszeit möglich, wie zum Beispiel bei Handwerkern. „Diese brauchen daher eine gute Anbindung mit dem Bus“, merkte sie an. 

Die Firma Wilhelm Schröder mit rund 140 Mitarbeitern beschäftigt derzeit fünf Auszubildende. Drei von ihnen stellten sich gestern in der Gesprächsrunde zur Woche der Ausbildung vor. Joel Hipke aus Meinerzhagen hat im August seine Ausbildung zum Maschinenanlagenführer begonnen. Bei einem Praktikum bei einer Firma, die sich um Automaten kümmert, hatte er unter anderem das Unternehmen Wilhelm Schröder kennen gelernt und sich beworben. Später möchte er sich noch weiter zum Industriemechaniker ausbilden lassen. 

Mohammed-Ali Jaafari kommt gebürtig aus Kabul und ist einer von zwei beschäftigten Flüchtlingen. Er absolviert derzeit eine Ausbildung zum Mechatroniker. Zuvor besuchte er eine internationale Förderklasse, verbesserte somit seine Deutschkenntnisse und punktete auch in Mathe. 

Tim Scheideler absolviert bei Wilhelm Schröder eine betriebliche Einstiegsqualifikation (EQ) als Fachkraft für Metalltechnik. Der ehemalige Schüler der Vier-Täler-Schule machte in dem Hüinghauser Unternehmen zuvor ein einjähriges Praktikum, in dem er einen Tag pro Woche dort arbeitete und dieses kennen lernte sowie der Arbeitgeber ihn. Mit dem Qualifizierungsjahr wird festgestellt, ob der Jugendliche in den Beruf passt und Ziel soll die anschließende Ausbildung im Betrieb sein. Sind seine Noten in der Berufsschule gut, kann sich Tim Scheideler das EQ auch als erstes Ausbildungsjahr anrechnen lassen. 

Abschließend erklärte Uwe Schmalenbach, wie wichtig eine Ausbildung ist. Momentan gehe es auch ohne, aber die wirtschaftliche Lage ändere sich auch wieder und dann stehe man ohne Ausbildung schlecht dar. „Wir brauchen die Menschen in der Region. Die Firmen brauchen die Nachwuchskräfte und wir brauchen die Unternehmen vor Ort“, sagte er. Daher müsse nicht nur etwas für ein gutes Arbeitsumfeld getan werden, sondern auch die Region müsse überzeugen können, wie mit einem guten Freizeitangebot oder einer guten Internetverbindung. Das Fazit des Bürgermeisters zur Woche der Ausbildung war: „Früher mussten wir darüber sprechen, ob die Unternehmen noch weitere Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen können. Die Zeiten haben sich geändert.“

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