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Alle haben einen Weihnachtsbaum – doch wie kam er eigentlich in unsere Wohnzimmer? 

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Brauch des Weihnachtsbaumes in Herscheid
Nach und nach bürgerte sich der Brauch des Weihnachtsbaumes auch in den Familien ein. Der besondere Glanz erfreute Kinder und Erwachsene gleichermaßen. So wie hier die Familien Hengstenberg und Brenscheid. © Repro: Hüttebräucker

Er ist vermutlich einer der beliebtesten Bäume – der Weihnachtsbaum. Festlich geschmückt und im hellen Lichterglanz steht er in diesen Tagen wieder in zahlreichen Wohnzimmern und vermittelt eine weihnachtliche Stimmung.

VON BIRGIT HÜTTEBRÄUCKER

Herscheid – Ob Blaufichte, Nordmanntanne, Edeltanne oder Kunststoffbaum: Der Weihnachtsbaum gehört zu Weihnachten wie die Krippe und die Weihnachtsplätzchen. Wann sich dieses Brauchtum durchsetzte, lässt sich nicht auf das Jahr genau bestimmen. Berichten zufolge wurden im 15. Jahrhundert die ersten Christbäume aufgestellt. Martin Luther erklärte sie damals zum Weihnachtssymbol der Protestanten – und so setzte sich der Weihnachtsbaum auch zunächst überwiegend in den evangelisch geprägten Gegenden, also auch bei uns, durch.

Als Fichten und Tannen noch selten waren

In der Herscheider Geschichte findet man hier und da einige Hinweise, die belegen, wann ungefähr der Weihnachtsbaum in der Ebbegemeinde seinen Einzug hielt. Zuerst musste ja mal ein Baum zur Verfügung stehen und das war nicht immer selbstverständlich. Fichten und Tannen waren bis zur Jahrhundertwende in unserer Gegend eher selten. Im Jahr 1825 wurde zum ersten Mal über die Anpflanzung von Fichten im Sauerland berichtet.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Auszug aus einem Bericht des Herscheiders Karl Kellermann, der im Jahr 1900 zu Hervel geboren wurde. Er schreibt in dem Buch „Weihnachten in Westfalen um 1900“ unter anderem:

„Die Kirche in Herscheid hatte großen Waldbesitz und schon frühzeitig Fichten gepflanzt. Mein Großvater war Rendant der Kirchenkasse und hat sich das zum Beispiel genommen. Er säte um 1850 auch schon die ersten Fichten, und so waren wir lange Jahre die einzigen in unserer Nachbarschaft, die einen Weihnachtsbaum aufstellten, wahrscheinlich schon lange vor 1900.

Beleuchtete Tanne auf dem Kirchplatz in Herscheid
Während im Jahr 1909 zum ersten Mal zwei Weihnachtsbäume in der Apostelkirche aufgestellt wurden, beschloss das Presbyterium im Dezember 1949 eine beleuchtete Tanne auf dem Kirchplatz aufzustellen. Bis heute erfreut dieser Brauch in der Advents- und Weihnachtszeit die Herscheider. © Hüttebräucker

Ende des vorigen Jahrhunderts kaufte der Forstfiskus viel Wald im Ebbegebirge von den Bauern auf, der mit Niederwald bestanden war. Dieser wurde dann abgeholzt und mit Fichten bepflanzt. Dieses hat dann mancher Bauer nachgemacht, so dass dann einige Jahre vor dem ersten Weltkrieg größere Fichtenbestände in Weihnachtsbaumhöhe vorhanden waren. Von dieser Zeit an konnte der Weihnachtsbaum als Massenartikel auf den Markt gebracht werden.“

Während viele Herscheider, so wie es Karl Kellermann für seine Familie beschreibt, sich ihren Weihnachtsbaum im eigenen Wald selbst schlagen konnten, wurden die Bäume anderswo zum Kauf angeboten. Beispielsweise in der Stadt Lüdenscheid, was man zahlreichen Anzeigen aus dem „Centralen Volksblatt für den Kreis Altena“, der Lüdenscheider Zeitung, entnehmen kann.

Schaumwaren als Baumschmuck

Während im Jahr 1879 der Lüdenscheider Emil Hens auf den Verkauf von Weihnachtsbäumen hinweist, ist es im Jahr 1884 der Lüdenscheider Carl Korte, der in der Schul- und Thünenstraße Weihnachtsbäume in großer Auswahl anbietet. Die zahlreichen historischen Zeitungsanzeigen belegen auch, dass schon vor rund 150 Jahren das Geschäft mit den Weihnachtsartikeln, zumindest in der Stadt, florierte. So empfiehlt schon im Jahr 1874 der H. Harren aus der Schulstraße in Lüdenscheid eine schöne Auswahl an Zucker und Schaumwaren zum verzieren von Weihnachtsbäumen.

Im Jahr 1876 eröffnete August Mette in Lüdenscheid eine Weihnachtsausstellung, in der er unter anderem Verzierungen für Weihnachtsbäume, wie Lichthalter, Früchte, Perlen usw. anbietet. Und auch der Lüdenscheider Friedrich Basse empfiehlt zur Verzierung des Weihnachtsbaumes Glasperlen in allen Farben, Vögel, Käfer, Fische, Schmetterlinge, Nüsse in Gold und Silber. Außerdem verkauft er auch eiserne Christbaumständer.

Wie sich der Herscheider Karl Kellermann an den Weihnachtsbaumschmuck seiner Kindheit erinnerte, beschreibt er so: „Geschmückt wurde der Weihnachtsbaum mit Kugeln, kleinen Glasglöckchen mit Tannenzapfen, Spekulatius, selbstgefertigten Sternen aus Papier oder Stroh, Süßigkeiten und kleinen Watteflocken auf den Zweigen. Ein großes Erlebnis war für uns, als auf die Spitze ein Engelsgeläut gesteckt wurde, welches von brennenden Kerzen in Bewegung gesetzt wurde und läutete.“

Allerdings war in den 1870er Jahren die Zeit für einen geschmückten Weihnachtsbaum im heimischen Wohnzimmer noch nicht gekommen und eher eine Seltenheit. Generell wurde der Weihnachtsbaum zunächst von der Mehrheit der Bevölkerung als ein Brauch angesehen, der weniger in der Familie, als vielmehr in der Öffentlichkeit, vor allem in den Wirtshäusern, angesiedelt war. Auch hier sind es wieder die Anzeigen aus den Zeitungen die das belegen.

Viele Vereine luden ihre Mitglieder damals per Anzeige zu einer gemütlichen Zusammenkunft beim Weihnachtsbaum ein. 1874 lädt beispielsweise die Gesellschaft „Namenlos“ zu einer gemütlichen Zusammenkunft beim Weihnachtsbaum im Saale des Herrn Wissing ein. 1882 lädt der Herscheider Wehrverein zu der üblichen kameradschaftlichen Feier am Weihnachtsbaume in die Gaststätte des Herrn August Schürmann ein. Der Herscheider Wirt Emil vom Heede lädt 1884 zum Ball am zweiten Weihnachtstage ein.

Unschwer lässt sich aus den Anzeigen erkennen, dass aus den gemütlichen Treffen am zweiten Weihnachtstag bald eine Feier mit Konzert, Ball und Verlosung wurde. Es waren zuerst die Kaufleute und vor allem die Wirte, die zur Verbreitung des Weihnachtsbaumes beitrugen.

Bis sich der geschmückte Weihnachtsbaum endgültig in den Wohnzimmern der Herscheider einbürgerte, vergingen noch ein paar Jahre. Selbst in der Herscheider Apostelkirche wurden erst im Jahr 1909 zum ersten Mal Weihnachtsbäume aufgestellt. Darüber schreibt der damalige Pfarrer Arnold zur Nieden am vierten Advent des Jahres 1912 im Sonntagsblatt der Gemeinde Herscheid: „Die traute, echt deutsche Sitte des Tannenbaumes – bei uns wohl bekannt aber immer noch wenig geübt – bürgert sich glücklicherweise immer mehr und mehr ein. Auch im Gotteshaus – wie zuerst 1909 – sollen wieder in den Tagen zwei große Lichterbäume dem Altar die schimmernde Wacht halten.“ Dieser Hinweis belegt, dass auch vor 110 Jahren der Weihnachtsbaum noch nicht bei allen Familien in der Gemeinde angekommen war. Erst in späteren Jahren hielt dieser Weihnachtsbrauch dann immer mehr Einzug in den privaten Bereich der Familien und heute sind Weihnachtsbäume aus den Häusern nicht mehr wegzudenken.

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