Neuanfang nach vielen Monaten der Trennung

Wie in Kriegszeiten: Kirchengemeinde feiert nach über einem halben Jahr wieder einen Gottesdienst

Gisela Eichhoff nahm die Gottesdienst-Besucher mit einem Spritzer Desinfektionsmittel in Empfang.
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Gisela Eichhoff nahm die Gottesdienst-Besucher mit einem Spritzer Desinfektionsmittel in Empfang.

Nach über einem halben Jahr wurde am Sonntag erstmals wieder ein Gottesdienst in der Apostelkirche gefeiert. Pfarrer Bodo Meier sprach von einem „Neuanfang“ und geht davon aus, dass von nun an wieder jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert werden könne.

Herscheid - „Wir sind froh, dass es wieder losgeht und hoffen, dass es so bleibt“, sagte Gisela Eichhoff vom Presbyterium. Sie stand am Eingang der Kirche, einen Desinfektionsspender in der Hand, um die Besucher zu begrüßen. Alles sei wie gehabt, erklärte sie und meinte damit die nach wie vor geltenden Schutzmaßnahmen: So durfte nur auf markierten Sitzen Platz genommen werden, die Kontaktdaten waren auf vorbereiteten Kärtchen zu hinterlegen und die Maske musste während des gesamten Gottesdienstes aufgesetzt bleiben.

Doch trotz dieser Einschränkungen und auch trotz der Maske sah man ihr an, wie glücklich sie war, die Gemeindemitglieder endlich wieder persönlich zu sehen. Mit diesem Gefühl stand Eichhoff keineswegs alleine da. „Die persönliche Begegnung hat gefehlt“, meinte Waltraud Schöttler. „Es tut gut, die Geschwister wiederzusehen.“

Gut besetzt - auf Abstand - waren die Kirchbänke zum „Neuanfang“ in der Apostelkirche.

Ebenso sah es eine weitere Kirchenbesucherin. „Das Gemeinsame ist mir wichtig“, sagte sie. „Die Gemeinschaft, mit anderen zusammen zu sein.“ Außerdem habe sie sich besonders über das Orgelspiel gefreut.

„Es war schön!“ brachte es Roger Berghaus auf den Punkt. Live sei es doch etwas anderes als online oder ein Fernsehgottesdienst. Es sei an der Zeit gewesen und „tat gut nach so langer Zeit“.

Auch für Pfarrer Bodo Meier war dieser Gottesdienst etwas Besonderes. Er habe es „sehr genossen“ und sei im Vorfeld sogar ein bisschen aufgeregt gewesen, weil man ja nicht wusste, wie es angenommen würde. Letztendlich war er mit der Resonanz aber sehr zufrieden. 49 Personen hätten den Gottesdienst besuchen dürfen; fast so viele waren auch gekommen.

Im Vorfeld seine Predigt sei er ein wenig aufgeregt gewesen, gestand Pfarrer Bodo Meier.

Seit dem Zweiten Weltkrieg sei es die längste Zeit ohne Gottesdienst in der Apostelkirche gewesen, erzählte Meier. Und selbst in den Kriegsjahren haben sich die Menschen versammelt, um gemeinsam Schutz und Trost zu suchen. „Aber genau das ging ja nicht“, so Meier. Zwar hatte es Onlinegottesdienste gegeben, zu Ostern sei sogar live gestreamt worden, doch „ein Monitorlaptop ist kein Eins-zu-Eins-Ersatz für die persönliche Begegnung.“ Drum sei es heute schon gut gewesen und habe Spaß gemacht.

Meier gibt zu bedenken, dass „Kirche auf Begegnung angewiesen ist. Wir stehen das nicht ewig lange durch.“ Er sieht zudem die Gefahr, dass die Leute sich an den Onlinegottesdienst gewöhnen und irgendwann denken, das sei Kirche. Jetzt sei es an der Zeit, sich daran zu „gewöhnen, auch wieder zusammen zu sein“. Auch wenn die Zukunft noch ungewiss ist, im Moment überwiegt das gute Gefühl, der Normalität wieder ein Stückchen näher gekommen zu sein.

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