Die leuchtenden Augen werden fehlen

Wie der Weihnachtsmann mit Herz seine Corona-Zwangspause erlebt

Im letzten Jahr ließ sich Herscheids Weihnachtsmann mit Herz zugunsten der Aktion Lichtblicke in der Provinzial-Agentur
von Dario Radoia mit Kindern fotografieren. Wegen Corona will er in dieser „Saison“ auf öffentliche Auftritte komplett
verzichten. Archivfoto: Grein
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Im letzten Jahr ließ sich Herscheids Weihnachtsmann mit Herz zugunsten der Aktion Lichtblicke in der Provinzial-Agentur von Dario Radoia mit Kindern fotografieren. Wegen Corona will er in dieser „Saison“ auf öffentliche Auftritte komplett verzichten. Archivfoto: Grein

Der rote Mantel, der Bart und die dicke Mütze hängen zwar griffbereit im Schrank, doch dort werden sie vermutlich ungenutzt überwintern müssen. Zumindest bei öffentlichen Auftritten wird Tobias Clever nicht in seine Rolle schlüpfen: Er ist Herscheids Weihnachtsmann mit Herz.

Ob in Senioren- oder Kinderheimen, in Krankenhäusern, Hospizen, bei Pflegebedürftigen oder Obdachlosenveranstaltungen – der 36-Jährige hat es sich zur Aufgabe gemacht, Freude in die Gesichter derer zu zaubern, die es im Leben nicht leicht haben. Kommerzielle Zwecke verfolgt er dabei nicht, betont der Herscheider, denn: „Für mich ist der Weihnachtsmann ein Symbol für Liebe, Frieden, Gutherzigkeit, Wärme und Freude.“

Umso schwerer fällt es Clever, der hauptberuflich übrigens Lehrer ist, sich in diesem Jahr zurückzuhalten. Doch die Corona-Pandemie zwang ihn bereits dazu, erste Anfragen für sein Hobby abzusagen. Das Risiko, ein Überträger der schweren Krankheit zu werden, sei zu groß, betont er. Fernab der rechtlichen Situation könne er nicht ruhigen Gewissens verschiedene Gruppen besuchen, zumal Risikogruppen wie Senioren zu seinem Stammpublikum zählen.

Ohnehin sei das Interesse in der bald beginnenden „Saison“ überschaubar. „Die Leute halten sich spürbar zurück. Es hat den Anschein, dass alle offiziellen Weihnachtsfeiern abgesagt werden“, fürchtet Clever. Welche Auswirkungen das haben wird, kann er sich noch nicht ausmalen. Eines steht für ihn jedoch fest: Weihnachten wird in diesem Jahr ganz anders werden.

Seit seiner Kindheit liebt er diese magische Zeit, den Geruch von frisch gebackenen Plätzchen oder Bratäpfeln, den leuchtenden Schmuck, die Märkte, Feste und das Gefühl von Zusammengehörigkeit und Vorfreude. Vieles davon wird fehlen. Doch am meisten werde er die leuchtenden Augen vermissen. Wann immer er – verkleidet als Weihnachtsmann – Menschen besuche, dann spüre er diese besondere Stimmung. „Selbst Erwachsene werden dann wieder zu Kindern“, freut sich der 36-Jährige, der ergänzt, dass der echte Weihnachtsmann natürlich nur in den Herzen der Kinder lebe.

Mit Geschenken für St. Josef fing es an

Nach dem Vorbild der Aktion Weihnachten im Schuhkarton hat Tobias Clever zehn Jahre lang gemeinsam mit seiner Mutter Sigrid und seiner Ehefrau Bianca das Lüdenscheider St. Josef mit Geschenken unterstützt. Dort lieferte er die Pakete (zuletzt kamen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis immerhin 50 Stück zusammen) lediglich ab. „Irgendetwas fehlte mir“, beschreibt der Herscheider.

Er wollte einen Schritt weitergehen und bestellte sich daher ein Weihnachtskostüm. Entsprechend verkleidet besuchte er vor fünf Jahren spontan eine befreundete Familie an Heiligabend. Die Überraschung sei mehr als gelungen gewesen – solch überglückliche Gesichter wollte Clever gern häufiger erblicken.

Daher überlegte er sich, für wen solche Auftritte interessant sein könnten. Er entschied sich dafür, kostenlose Auftritte mit sozialem Charakter zu ermöglichen. Sein Einzugsgebiet erstreckt sich über den südlichen Märkischen Kreis, aber auch bis nach Attendorn, Olpe und Siegen.

Im Internet hat er eine eigene Homepage eingerichtet: www.weihnachtsmann-mit-herz.de.

Die negativen Auswirkungen überwiegen, dennoch kann der Herscheider seiner selbst verordneten Weihnachtsmann- Pause auch etwas Positives abgewinnen: Er hat nun mehr Zeit für sich und seine Familie. Denn seine ehrenamtliche Tätigkeit sei eine nicht zu unterschätzende Zusatzbelastung zu beruflichen und privaten Verpflichtungen. Jeder Termin beanspruche mindestens eineinhalb bis zwei Stunden seiner Freizeit, je nach Anfahrtslänge und Veranstaltung aber auch mehr.

Zeit, die er nun in die Weihnachtsvorbereitungen daheim investieren kann und möchte. Dennoch überlegt er, ob und wie er vielleicht doch noch sein rotes Kostüm nutzen könnte. Nicht vor großem Publikum, sondern in einem eher überraschenden Rahmen und ohne direkten Kontakt. Denn das große Fest ganz ohne den Weihnachtsmann – das kann sich Tobias Clever trotz aller Einschränkungen in diesem Jahr dann doch nicht vorstellen.

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