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Wespenproblem: Heimische Imker bieten Hilfestellung

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Von: Simone Rein

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Wespen sind verwandt mit Bienen - nicht nur deswegen waren sie Thema beim Imkertag.
Wespen sind verwandt mit Bienen - nicht nur deswegen waren sie Thema beim Imkertag. © Julian Stratenschulte / DPA

Süße Getränke und Speisen, Grillfleisch und Obst locken sie an. Panische Bewegungen und Anpusten machen sie aggressiv. Genau diese Mischung sorgt für Unruhe bei manch einer Gartenfete: Die Rede ist von Wespen, die in diesem Sommer auch in Herscheid für verängstigte Menschen sorgen. Beim Imkertag am Wanderparkplatz Linde gehörten sie zu den intensiv besprochenen Tierchen. Zwar stand ursprünglich die Biene im Mittelpunkt des Geschehens. Doch auch zu ihren Verwandten, den Wespen, wurden etliche Fragen gestellt.

Herscheid - „Wir haben inzwischen einen Stand zum Thema Wespen und wie man sie los wird“, informierte der Vorsitzende des Herscheider Imkervereins, Frank Esser, über das in diesem Jahr vergleichsweise früh begonnene Wespenproblem, das momentan viele Leute nervt. Er gibt zu bedenken, dass Wespen unter Naturschutz stehen. Eine Bekämpfung von einzelnen Exemplaren auf Nahrungssuche sei weder notwendig noch verhältnismäßig. Stattdessen sei es ratsam, Essen und Getränke im Freien stets abzudecken und damit das Anlocken zu vermeiden.

Bei drohender Gefahr für Leib und Leben gebe es hingegen andere Lösungen, die jedoch stets mit Fachleuten abgesprochen und nicht auf eigene Faust umgesetzt werden sollten. „Umsiedeln ist natürlich die beste Lösung und dafür gibt es Leute in unserem Verein, die das machen würden“, betont Esser.

Das Hauptaugenmerk der Imker liegt allerdings auf der Bienenzucht – ein abwechslungsreiches und durchaus ertragreiches Hobby. Ein Bienenvolk erzeuge im Durchschnitt 25 Kilo Honig, der für den Eigenbedarf recht hoch ist. Daher vermarkten viele Imker ihren Honig regional.

Informierten beim Imkertag über ihr Hobby (von links): Katharina Esser, Christine Walter und Frank Esser.
Informierten beim Imkertag über ihr Hobby (von links): Katharina Esser, Christine Walter und Frank Esser. © Simone Rein

Beim Imkertag konnte auch eine Neuheit vorgestellt werden: Grillen mit Honig. Aus dem goldenen Saft lassen sich schmackhafte Barbecue-Saucen zubereiten – wie Johannisbeerketchup, Whiskey-BBQ-Sauce, Honey Mustard Sauce und Honig Senf Salatdressing. Beim Durchlesen der zur Verfügung gestellten Rezepte – zum Beispiel auch für gratinierten Ziegenfrischkäse, glasierten Lachs von der Planke oder gegrillter Ananas mit Honigquark – bekamen die Besucher Appetit.

Nicht nur der Honig lasse sich verwerten, sondern auch Wachs, das zum Bau der Bienenwaben genutzt wird. Die ursprünglich hell-gelben Waben nehmen nach einer gewissen Zeit im Bienenvolk durch das Bebrüten eine braun-schwarze Farbe an. Aus hygienischen Gründen entnimmt der Imker die alten, braunen Waben, die durch Hitze und Wasserdampf eingeschmolzen werden. Nach der Trennung von Schmutzstoffen entsteht wieder helles und reines Wachs, aus dem neue Wachsmittelwände gegossen werden, in denen die Bienen erneut Waben bauen können, so Esser.

„Wir sind nicht mehr im Mittelalter“

Durch die regelmäßige Entnahme einer gewissen Menge werden die Waben gesund gehalten. „Die wenigsten von uns verarbeiten das Wachs selber, weil zum Beispiel eine Wachskerze heute kaum noch jemand bezahlen kann. Wir sind nicht mehr im Mittelalter und auch nicht die Katholische Kirche“, hält Esser die Verarbeitung eher für Liebhaberei. Bienenwachs werde heute unter anderem als Bestandteil im pharmazeutischen Bereich, in der Medizin und in der Physiotherapie verwendet.

Neben umfangreichen Informationen rund um die Bienenzucht und Anschauungsmaterial konnten sich die Besucher mit einem Stück Honigbrot stärken und ein Glas Honig aus eigener Herstellung erwerben.
Neben umfangreichen Informationen rund um die Bienenzucht und Anschauungsmaterial konnten sich die Besucher mit einem Stück Honigbrot stärken und ein Glas Honig aus eigener Herstellung erwerben. © Simone Rein

Zu einem Problem vor Ort ist die Amerikanische Faulbrut geworden. Aufgrund dieser Bienenkrankheit gilt ganz Herscheid als Sperrbezirk. So dürfen keine Bienen und auch kein Wachs ausgestellt werden. Honig hingegen gilt als unproblematisch, da dieser für den menschlichen Verzehr ungefährlich ist. Wie ein Bienenstock aufgebaut ist und Honigwaben aussehen, darüber konnten sich die Besucher vor Ort jedoch ein genaues Bild machen.

Auch zum Thema Bienensterben bezog der Verein Stellung. „In unserer Gegend betrifft das sicherlich nicht unsere Honigbienen, denen geht es gut“, versicherte der Vereinsvorsitzende. Imkern als Hobby sei im Moment beliebt. Deshalb geht es den Honigbienen überwiegend gut, daran könne auch die Faulbrut nichts ändern, da 95 Prozent davon nicht betroffen seien.

Wildbienen sind in Gefahr

Der Bestand der Wildbienenarten hingegen sei spürbar zurückgegangen. Es gebe Monokulturen und keine „altmodischen Blühstreifen“, bedauert Esser. Zusätzlich sorge auch der Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft dazu, dass für die Wildbienen kein gescheiter Lebensraum übrig bleibe. Wer den Wildbienen etwas Gutes tun möchte, könne zum Beispiel ein Insektenhotel auf dem Balkon oder im Garten aufstellen.

Schnupperimkern und Stammtisch

Nach dreijähriger Pause – verursacht durch Corona – konnte der Herscheider Imkerverein wieder zum Imkertag am Parkplatz Linde einladen. Dort konnten sich die Besucher nicht über Bienen, Bienenhaltung und Imkerei informieren. Auch Honigverkauf und -verkostung durften nicht fehlen. Der heimische Verein, zu dessen Einzugsgebiet auch Lüdenscheid, Plettenberg und Meinerzhagen gehören, bietet darüber hinaus Schnupperimkern an. Interessierte können bei einem Imker im Garten in den Bienenstock sehen und mithelfen. Dabei wird in der Regel versucht, einen Imkerpaten zu finden, der Ratschläge gibt und einzelne Arbeiten am Volk zeigt. Diese Betreuung beginnt bei der Anschaffung der Völker und endet meist nach zwei bis drei Jahren. Weitere Informationen erhalten Interessierte beim Stammtisch des Imkervereins, der an jedem ersten Donnerstag im Monat im Café-Restaurant Vedder stattfindet, oder im Internet auf www.imker.zembra.de.

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