Expertin gibt Ratschläge rund um Eltern-Kind-Beziehung

So werden Eltern zu Alltagshelden

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Ein inniges Verhältnis zwischen Kind und Elternteil bildet die Basis von Erziehung, meint Heilpädagogin Nadine Held. Dazu zähle auch das regelmäßige Loben der Kleinen, um ihnen zu Stabilität zu verhelfen.

Herscheid – Kinder bringen Freude, Farbe und Leben in jedes Haus. Eltern zu sein bedeutet aber nicht nur Spaß rund um die Uhr, sondern auch Anspannung, Pflichten und Verantwortung. Wie sind all diese Dinge unter einen Hut zu bringen?

„Vor lauter Förderungen und Ansätzen zur Erziehung weiß man ja inzwischen gar nicht mehr, wie der Hase wirklich läuft“, bringt Heilpädagogin Nadine Held die riesige Herausforderung für Eltern der heutigen Zeit auf den Punkt. Um zumindest ein wenig Licht in die Dunkelheit zu bringen, ist die Lüdenscheiderin nicht nur in ihrer Praxis in Schalksmühle anzutreffen, sondern ebenso in verschiedenen Einrichtungen unterwegs. 

Im Martin-Luther-Haus widmet sie sich vor rund 20 Eltern dem Thema „Alltagshelden: Das System, die Familie und das Umfeld“. Dass sich jeder mit seiner Meinung beteiligen kann, macht die Referentin gleich zu Beginn deutlich: Denn die anwesenden Mütter und Väter werden sofort mit eingebunden, indem sie besonders schöne Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit aufschreiben. 

Iglu bauen, auf Bäume klettern oder Bobbycar fahren – all dies gehört zu den genannten Aktivitäten, die die jungen Eltern bei ihrem Rückblick hervorheben. Die Unterschiede sind für Nadine Held klar erkennbar: „Heutzutage gibt es eine Terminhatz und zig Vorgaben für Kinder. Früher konnten sie sich vor allem noch selbst ausprobieren und waren viel mehr in der Natur aktiv.“ 

Doch was brauchen Kinder, um sich mit ihrem vollen Potenzial entwickeln zu können? Wichtig seien Eltern, die eine gute Bindung zu ihrem Nachwuchs herstellen. Dafür verweist die Heilpädagogin auf den „bindungsbasierten Entwicklungsansatz“ des Wissenschaftlers Gordon Neufeld, der eine Methode darstellt, um Kinder zu verstehen. Die Eigenschaften von Bindungen, deren Wachstum und Entwicklung spielen dabei eine Rolle. 

Referentin Nadine Held betonte bei ihrem Vortrag im Martin-Luther-Haus die Bedeutung von Bindung für die Entwicklung von Kindern und machte dies mit Hilfe von praxisnahen Beispielen deutlich.

Und wie funktioniert Bindung konkret? Bereits bevor ein Mensch das Licht der Welt erblickt, gebe es laut der Expertin eine starke emotionale Verbindung: „Schon ein Fötus im Bauch der Mutter zuckt zusammen, wenn sich Eltern streiten.“ 

Jede neue Art der Bindung füge weitere Fähigkeiten hinzu, um Nähe aufzubauen und zu bewahren. Es beginnt etwa mit dem Augenkontakt, danach werden Berührungspunkte angeboten und anschließend folgt die Einladung, sich auf die andere Person verlassen zu können. 

Erwähnung findet auch das Konzept der Verletzlichkeit, das von Schutzreaktionen des Kindes ausgeht, wenn etwas aus dessen Sicht „komisch“ läuft. „Wenn jemand verletzt ist, wird auf Abwehr umgeschaltet“, erklärt Nadine Held und verweist auf mögliche Folgen: Betäubung der Gefühle, Ausblenden verletzlicher Wahrnehmungen und Umkehr des Nähestrebens. 

Wenn Aggression dazu kommt, lautet die wichtigste Regel: Niemals im emotionalen Ausnahmezustand (des Kindes oder des eigenen) erziehen wollen. Erst müsse der „Sturm“ zur Ruhe kommen, sagt die Heilpädagogin. Die nickenden Kopfbewegungen in der Zuhörerschaft verraten, dass wohl viele Eltern Erfahrungen in diesem Bereich sammeln mussten. 

Eine besondere Bedeutung haben gerade zu Beginn eines Lebens die festen Bezugspersonen. Daher empfiehlt die Expertin: „Bis zum Alter von zwei Jahren sollten Kinder nicht mehr als 20 Stunden pro Woche von ihren Eltern getrennt sein.“ Speziell Alleinerziehende seien jedoch auf Hilfe angewiesen. Später können dann auch Gleichaltrige zu einem Ersatz für Bindungspersonen werden. 

Generell gelte, dass Bindung als Grundlage für Erziehung höchste Priorität genießen müsse. „Man sollte sich nicht doofloben, aber regelmäßig positive Ankerpunkte setzen und das Kind mit Lob bestärken“, rät Held, um Selbstbewusstsein und psychische Stabilität zu steigern. All dies wirke sich auf die Sicherheit von Kindern aus und trage zu deren Reifeprozess bei.

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