Gemeindebücherei: Ehrenamtliche stehen auch in den Ferien mit Rat und Tat zur Seite

„Wer bei mir kein Buch findet, muss noch geboren werden“

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Das Ausleihen funktioniert noch auf die einfache altmodische Art und Weise mit Karteikarten und jeder Kunde der Bücherei hat ein Leseheft, in dem die ausgeliehenen Bücher vermerkt werden.

Herscheid - „Saure Gurkenzeit“ nennt Irmhild Lüsebrink die Sommerferien. Sie arbeitet seit zwölf Jahren ehrenamtlich in der Gemeindebücherei in Herscheid und kennt demnach auch den Geschmack der Besucher.

„Die Leute sind jetzt alle unterwegs. Unsere Kundschaft ist momentan überschaubar“, sagt die Herscheiderin. Sonst kämen 20 bis 25 Leute und jetzt in der Sommerzeit eher zehn bis 15 Personen. Dies ist auch der Grund, warum sie an diesem Donnerstag alleine in der Gemeindebücherei sitzt und nicht wie sonst zu zweit mit einer ihrer Kolleginnen – Annemarie Schmidt, Rita Bolinski und Ulrike Hilleke. 

„Da nicht so viele kommen, schaffen wir das in dieser Zeit auch alleine. Dafür haben wir aber die komplette Ferienzeit über geöffnet“, erklärt sie. Zu der Arbeit gehört jedoch auch mehr als nur die eineinhalb Stunden, die die Damen in der Bücherei sitzen. So suchen sie zum Beispiel auch Bücher aus, die neu in den Bestand aufgenommen werden sollen. Was gibt es denn auch Schöneres, als bei Sonnenschein im Garten zu sitzen und zu lesen? 

Und die passenden Geschichten findet man bei Irmhild Lüsebrink ganz bestimmt. Im ersten Raum ist ein Tisch aufgestellt, auf dem die Neuheiten und die beliebtesten Bücher präsentiert werden. Hier findet man neben Geschichten von Iny Lorentz zum Beispiel auch Bücher aus der Provinzkrimi-Reihe von Rita Falk oder Klassiker wie „Für immer Casablanca“. Und auch in den anderen Räumen der Gemeindebücherei finden die Bürger Bücher für jeden Geschmack, geordnet nach den Namen der Schriftsteller. Bei der Suche sind die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen gerne behilflich. „Wer zu mir kommt, beschreibt, was ihn interessiert und dann kein Buch findet, muss erst noch geboren werden“, ist sich Irmhild Lüsebrink sicher. 

Viele Besucher sind jedoch auch Stammgäste, und von denen weiß die Herscheiderin ganz genau, was sie gerne lesen. Ein spezielles Buch, das in diesem Sommer bei den Besuchern der Renner ist, gibt es jedoch nicht. Generell sei leichte Literatur beliebt, Buchreihen und bei einigen auch Krimis. 

Wenn ein Buch verfilmt worden sei, sei es ebenfalls sehr gefragt. Die Gemeindebücherei gibt es übrigens schon seit den 50er Jahren und sie befand sich damals noch in der alten Volksschule im Dorfkern, wo derzeit das GWU-Gebäude errichtet wird. Seitdem war die Bücherei an vielen Orten und hat sich zudem vergrößert. Irmhild Lüsebrink ging als Kind übrigens auch selbst schon zur Gemeindebücherei. 

Als Irmhild Lüsebrink vor etwa zwölf Jahren dann in der Zeitung las, dass der Büchereibus abgeschafft werden soll, kam sie schließlich auf die Idee, ehrenamtlich bei der Gemeindebücherei tätig zu werden. Das Ausleihen funktioniert übrigens noch auf die altmodische Art, mit Karteikarten und Leseheften für die Kunden. Darin werden die Ausleihen und die jeweilige Dauer dokumentiert. 

Die Gemeindebücherei wird übrigens rein ehrenamtlich betrieben. Und der Mitgliedspreis? „Die Leute bezahlen mit einem Lächeln“, sagt Irmhild Lüsebrink. Daher ist das Budget der Bücherei auch relativ überschaubar. Bei den Neuerscheinungen muss Irmhild Lüsebrink zum Beispiel genau schauen, was sie anschaffen kann und was sich die Besucher wünschen. Es gibt zum Beispiel eine Liste, in die eintragen werden kann, was man gerne lesen würde beziehungsweise, was man sich vorstellt.

Die Damen versuchen trotz des geringen Budgets immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Einige Bücher wurden der Bücherei zum Beispiel auch gespendet. So kommt eine Reihe von der Autorin Nora Roberts aus einem Nachlass. Derzeit könnten jedoch keine weiteren Bücher angenommen werden, da dafür der Platz fehle und zuerst noch Regale angeschafft werden müssten. 

Über eine solche Spende würde sich die Bücherei daher freuen. Einen Buchtipp hat Irmhild Lüsebrink übrigens auch: In dem Buch Meine afrikanische Leidenschaft berichtet die Protagonistin von ihrem Leben. „Wenn man die Geschichte gelesen hat, ist man dankbar für sein Leben“, erklärt Irmhild Lüsebrink.

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