Anfragen in Trautes Bauernlädchen seit Skandalbeginn sprunghaft angestiegen

Wegen der großen Nachfrage: Eier nur für Stammkundschaft

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„Die sind einfach lecker“, sagt Margit Isbrecht (links). Sie zählt zu den Stammkunden der Herscheider Landwirtin Traute Bühner (rechts) und schwört auch in Zeiten des Eier-Skandals auf die Eier von der Gasmert.

Auf dem Hof Bühner gibt es aktuell nur noch ein Thema: Eier. Der Fipronil-Skandal hat direkte Auswirkungen auf die Landwirte-Familie aus der Gasmert.

„Kein Kommentar“, blockt Traute Bühner gestern Morgen auf dem Herscheider Wochenmarkt die erste Anfrage der Heimatzeitung zunächst noch strikt ab. Erst nach und nach lockert sich die Einstellung der Landwirtin. Vor allem die vielen Kunden, die ihr das Vertrauen aussprechen und an diesem Vormittag bei ihr Eier kaufen, geben ihr den Mut, über das zu sprechen, was derzeit ihren Alltag diktiert. 

Als vor gut zwei Wochen bekannt wurde, dass in Holland, Belgien und Deutschland Eier durch den Einsatz des Pflanzenschutzmittels Fipronil verseucht worden sind, war das Ausmaß dieses Skandals noch nicht abzusehen. Inzwischen sind Millionen Eier aus den Regalen der Supermärkte zurückgenommen worden, ein Ende ist derzeit nicht in Sicht. „Das ist doch eine Sauerei, was da im Moment passiert“, sagt Traute Bühner. 

Eine ganze Branche stehe nun in der Kritik. Dabei, das betont die Herscheiderin ausdrücklich, sei der (ohnehin gesetzlich verbotene) Einsatz von Fipronil für kleine Betriebe wie den auf der Gasmert in keinster Weise denkbar. Das Insektizid scheint – so der aktuelle Stand der Ermittlungen – von einem Betrieb in Belgien einem Reinigungsmittel beigemischt worden zu sein, um die Hühnerställe schneller und besser reinigen zu können. 

Eine Folge der „Geiz ist geil“-Mentalität und der zunehmenden Massenhaltung der Tiere, kritisiert Traute Bühner: „Auf unserem kleinen Hof setzen wir solche Mittel gar nicht ein, die Reinigung erfolgt sozusagen noch von Hand.“ Viele Verbraucher sind aufgrund der aktuellen Ereignisse nachdenklich geworden. Plötzlich wollen sie wissen, woher die Eier stammen, die morgens auf dem Frühstückstisch stehen oder in den Kuchenteig gerührt werden. Heimische Landwirte sind wieder gefragt: Traute Bühner berichtet von einem sprunghaft gestiegenen Interesse. 

In ihrem Bauernlädchen stehen die Käufer Schlange. Und auch am Stand gestern auf dem Wochenmarkt herrscht reger Verkehr. „Die Nachfrage ist derart groß, dass wir nur noch Stammkunden bedienen können“, sagt Traute Bühner. Und davon gibt es eine ganze Menge: Gisela Trester zum Beispiel lässt sich von dem Skandal nicht abschrecken: „Das hält mich nicht davon ab, die leckeren Eier von Bühners zu kaufen.“ 

Auch viele andere Herscheider decken sich mit Eiern ein, sowohl in kleineren, aber auch in größeren Mengen. Der Trubel um die verseuchten Eier hat den Bühners zwar auch neue Kunden beschert – wie viele von ihnen aber bleiben, wenn das Thema Fipronil aus den täglichen Schlagzeilen verschwunden ist, bleibt abzuwarten. 

Traute Bühner geht nicht davon aus, dass sich das Kaufverhalten der breiten Masse ändern wird – das haben Lebensmittelskandale wie Rinderwahn (BSE), Vogelgrippe oder Gammelfleisch in der Vergangenheit bewiesen. So oder so: „Ich bin froh, wenn das Thema Eier-Skandal endlich ein Ende hat“, sagt Traute Bühner.

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