Eltern buchen Betreuung in Tagespflegestellen zögerlicher

Wegen Corona: Existenzbedrohende Situation für Tagesmütter

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Da sind noch einige Plätze frei: Julien Eichhoff zeigt Fachberaterin Alina Poßekel die Belegungspläne der Kindertagespflege Sonnenblume. Das Gespräch der beiden maskierten Erwachsenen interessierte natürlich auch die Kinder.

Herscheid – In sechs Wochen beginnt das neue Kindergartenjahr. Während in den großen Einrichtungen (Familienzentrum und Kindertagesstätten) die Planungen weit vorangeschritten sind, schrillen in den kleineren Tagespflegestellen aufgrund der dort geringen Meldezahlen die Alarmglocken. 

Bedingt durch die Coronakrise scheinen viele Eltern mit einer Buchung zu warten. „Die Situation für die Tagesmütter ist existenzbedrohend“, warnt Julien Eichhoff. Der Erzieher hat 2014 zusammen mit seiner Kollegin Nicole Ballsieper-Tillmanns die Großtagespflege Pusteblume gegründet, die im Erdgeschoss des Seniorenzentrums beheimatet ist. Weil die Nachfrage in der Folge immer größer wurde, eröffnete Eichhoff vor zwei Jahren zusätzlich die Tagespflegestelle Sonnenblume an der Mittelstraße, die aktuell mit fünf Kindern ausgebucht ist. 

Doch nach den Sommerferien wechseln diese Kinder an die Grundschulen. Und Nachfolger gibt es nur bedingt. Familien mit Betreuungsbedarf gebe es zwar genug, doch Eichhoff vermutet, dass die Eltern bedingt durch Kurzarbeit und eine unsichere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt verunsichert sind und deshalb mit ihren Anmeldungen zögern. 

Fehlende Buchungen „würden für uns große finanzielle Einbußen bedeuten“, erklärt Eichhoff für die Sonnenblume. In der Großtagespflege Pusteblume sei die Situation entspannter, dort sei nur noch eine Stelle offen. Doch die weiteren drei Tagespflegestellen in Herscheid seien stark betroffen; die Tagesmütter haben teilweise noch keine einzige Anmeldung, weiß Eichhoff zu berichten. Zum jetzigen Zeitpunkt seien insgesamt noch zehn Plätze frei in den Herscheider Einrichtungen. 

Alle Informationen rund um das Coronavirus im MK gibt es hier.

Diese Problematik besprach der Erzieher mit Alina Poßekel. Die Fachberaterin des AWo-Kindertagespflegebüros betonte bei ihrem Antrittsbesuch vor Ort, dass es sich nicht um ein Herscheider Problem handele, die Situation sei in vielen Kommunen ähnlich. Doch eben weil in der überschaubaren Ebbegemeinde ein gutes Netz an Tagespflegestellen bestehe, was für eine lückenlose Betreuung der Kinder sorge, „wäre es schade, wenn dieses nun einbrechen würde“, sagte Alina Poßekel. 

Im Gegensatz zu den Kindertagesstätten, deren Anmeldeverfahren bereits abgeschlossen ist, nehmen die Tagespflegestellen noch Kinder auf. Die wöchentlichen Buchungszeiten variieren dabei zwischen 25, 35 und 45 Stunden – zusätzlich werde eine 20-Stunden-Stufe angeboten. „Diese gebuchten Stunden können auch im Laufe des Kitajahres geändert werden“, ergänzt Julien Eichhoff. Er empfiehlt Eltern, sich vorsichtshalber jetzt einen Platz mit wenigen Stunden zu sichern und diese Betreuung bei Bedarf zu einem späteren Zeitpunkt noch auszuweiten. 

Zudem räumt Eichhoff mit dem weit verbreiteten Vorurteil auf, dass die Tagespflegestellen teurer seien als Kitas. Die Einrichtungen Pusteblume und Sonnenblume werden zwar privat finanziert, aber „bei uns gelten dieselben Beiträge wie für die Kindertagesstätten auch“, so Eichhoff.

Anmeldungen: Weitere Informationen zu den Herscheider Tagespflegestellen und dem Anmeldeverfahren erteilt Alina Poßekel unter der Rufnummer (01 71) 9 19 53 64.

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