Ein Jahr nach Eröffnung der Dorfwiesen zieht Uwe Schmalenbach im letzten Teil unseres Sommerinterviews ein zufriedenes Fazit

Wo waren die Herscheider früher?

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Vor einem Jahr wurden die Herscheider Dorfwiesen mit einem Aktionstag samt abschließendem Konzert feierlich eingeweiht. Bereits damals erwies sich die Fläche als Zuschauermagnet für alle Generationen. Diesen Status konnten die Dorfwiesen in den letzten zwölf Monaten problemlos behaupten.

Herscheid - Das Bilungszentrum Rahlenberg und die Suche nach möglichen neuen Gewerbeflächen waren bislang die prägenden Themen des Sommerinterviews mit Herscheids Bürgermeister. Im letzten Teil dieser Serie spricht Uwe Schmalenbach nun mit unserem Redakteur Dirk Grein über die Flüchtlingskrise, die Dorfwiesen und über seinen Heimatort Herscheid im Allgemeinen.

Im letzten Jahr war die Flüchtlingssituation allgegenwärtig. Wie ist die aktuelle Situation in Herscheid? 

Schmalenbach: „Es wohnen noch etwas über 70 Personen in unseren Unterkünften. Natürlich sind es mehr in Herscheid, viele haben jetzt auch eine Wohnung und werden vom Jobcenter betreut. Generell hat sich die Situation deutlich entspannt, wenn man überlegt, dass es mal 180 Personen waren. Neuzuweisungen hat es in diesem Jahr noch nicht gegeben, nur einen Familiennachzug. Insgesamt funktioniert das Zusammenleben in den Unterkünften eigentlich ganz gut.“ 

Plant die Gemeinde ergänzende Angebote für die Flüchtlinge? 

Schmalenbach: „Wir wollen uns weiter mit der Frage der Integration beschäftigen. Wie können wir den Leuten weitere Hilfestellung geben? Worauf müssen wir achten, damit sie hier vor Ort nicht allein sind? Der zuständige Fachbereich beschäftigt sich bereits mit einem Integrationskonzept. Vielleicht gelingt es uns, die Leute in Herscheid noch besser einzubeziehen oder ihnen Anleitungen zu geben für das gesellschaftliche Leben. Durch die entspanntere Situation haben wir für diese Dinge jetzt mehr Zeit, als noch vor eineinhalb Jahren.“ 

Generell ist die Aufnahme der Flüchtlinge in Herscheider aber bislang unproblematisch gewesen oder nicht?Schmalenbach: „Die Personen sind zufrieden. Ich habe in den letzten Tagen mit dem Sozialamt eine Bereisung der Unterkünfte unternommen und mich dort von der Situation überzeugt. Natürlich ist da auch der ein oder andere, der den ganzen Tag in der Unterkunft ist und nicht so recht eine Beschäftigung hat. Darum müssen wir uns kümmern. Aber die Situation in Herscheid ist ansonsten wirklich sehr gut.“ 

Woran liegt das?

 Schmalenbach: „Ich denke, die Unterbringungssituation trägt viel dazu bei. Im Müggenbrucher Weg war ich, dort sind jetzt 13 Personen; das Haus ist für über 40 ausgelegt und es waren ja sogar mal etwas mehr dort. Aber die dezentrale Unterbringung von Anfang an und das ehrenamtliche Engagement haben sich positiv ausgewirkt. Wir haben nach wie vor die ehrenamtlichen Helfer und müssen überlegen, was wir nun mit ihnen gemeinsam noch auf die Beine stellen können. Als sich die Situation etwas entspannt hat, haben wir ja bereits darauf geachtet, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen zusammenwohnen und dass es untereinander passt.“ 

Herscheid genießt ohnehin den Ruf einer Wohlfühl-Gemeinde – warum? 

Schmalenbach: „Ich persönlich wohne hier gerne, weil ich hier aufgewachsen bin und Herscheid mein Heimatort ist. Aber ich glaube auch, dass wir gute Bedingungen haben: Der Ort hat hohe Wohnqualität, wir haben in den letzten Jahren auch das ein oder andere getan, wenngleich auch noch viel zu tun ist. Man wohnt hier ruhig, dennoch gibt es alles, was man für den täglichen Bedarf benötigt. Es gibt für Familien ein gutes Angebot mit Kinderbetreuung. Wir sind geprägt durch eine Ein- und Zweifamilienhausbebauung, das macht den Ort aus. Man kennt sich, es herrscht ein gutes Miteinander. Wir haben eine tolle Landschaft, ein gutes Freizeitangebot und notwendige Einrichtungen, die wir in unserer Größe haben können, sind vorhanden. Immer, wenn man aus einem Urlaub zurückkommt, dann wird es einem erst wieder richtig bewusst, wie schön grün es hier ist und wie idyllisch wir wohnen.“ 

Eine Bereicherung für Herscheid sind die vor einem Jahr eröffneten Dorfwiesen. Sind Sie überrascht, wie gut die Fläche angenommen wird?

Schmalenbach: „Das hat zumindest mal meine Erwartungen voll erfüllt. Manchmal fragt man sich natürlich schon, wo die Leute vorher waren. Es ist genau der richtige Standort für so eine Freizeitanlage. Auch die Schaffung von kurzen Wegeverbindungen war eines unserer wesentlichen Ziele: vom Spielberg in Richtung Märkte und Kreisel und zur anderen Landstraßenseite mit Freibad und Jugendzentrum. Viele ältere Bürger gehen mit Rollatoren über die Wege und pausieren auf den Bänken, aber auch viele Jüngere mit kleinen Kindern halten sich dort auf. Alle Generationen nutzen die Dorfwiesen und darüber bin ich sehr froh.“ 

Letztes Jahr die Dorfwiesen, in Kürze beginnt die Neugestaltung des Alten Schulplatzes – Herscheid Ortsmitte befindet sich im Wandel.

Schmalenbach: „Das sind alles Projekte aus dem Gemeindeentwicklungsprojekt. Über viele Projekte und Workshops haben wir versucht herauszufinden, was der Bevölkerung wichtig ist und um welche Themen wir uns kümmern sollen. Deswegen finde ich es wichtig, dass wir diese Themen jetzt Schritt für Schritt umsetzen. Der Bürger soll merken, Daran habe ich irgendwann mitgearbeitet und diese Dinge passieren jetzt auch’ “. 

Eine unverzichtbare Einrichtung ist für Herscheid das Freibad. Leider ist der Schwimm-Sommer bisher eher verregnet...

 Schmalenbach: „Die Eintrittssituation an der Kasse spiegelt das so nicht wider, die ist schon auf einem hohen Niveau. Nach Auskunft der Schwimm-Meister ist das Niveau zum jetzigen Zeitpunkt sogar höher als noch vor einem Jahr. Insofern können wir sehr zufrieden sein. Manchmal wundert man sich, warum an den ganz heißen Tagen die hohen Besucherzahlen ausbleiben. Da haben wir in der Vergangenheit auch schon 2 500 Besucher pro Tag gehabt, das ist im Moment nicht der Fall – das scheint aber in allen Bädern so zu sein. Vielleicht liegt es an den Gewitter-Warnungen, auch wenn die manchmal gar nicht auftreten. Aber insgesamt ist das Freibad weiter sehr beliebt.“

Letzte Frage: Angenommen bei den Erschließungsarbeiten am Rahlenberg wird ein Goldschatz entdeckt – wofür würden Sie das Geld in Herscheid einsetzen? 

Schmalenbach: „Ein Thema, das mich trotz aller positiven Entwicklungen im Moment weiterhin beschäftigt, ist die Verschuldungssituation aus der Wirtschaftskrise. Da käme es mir natürlich gelegen, wenn ich das mit einem Schlag wieder zurückführen könnte. Wir haben es zwar im kleinen Rahmen geschafft, Kassenkredite zurückzuführen und die Haushaltssituation hat sich ja auch verbessert. Aber wir müssen raus aus diesen Beständen der Wirtschaftskrise 2008 bis 2010. Ein zweites Thema, bei dem wir auch nichts mit Zuschüssen des Landes erreichen können, ist das Thema Straßensanierung. Das wären meine beiden prioritären Projekte. 

Kommt die Gemeinde bei diesen Projekten ohne „fremde Hilfe“ nicht weiter?

 Schmalenbach: „Wir versuchen ja, wenn sich die Haushaltssituation weiter bessert, daran zu arbeiten. Sowohl wie im letzten Jahr Verschuldung abzubauen für folgende Generationen, aber gleichzeitig auch immer ein Straßensonderprogramm aufzulegen. Und wir sind ja bereits weitergekommen, wenn ich an den gesamten Abschnitt Holte - Gasmert denke oder auch an die Strecke von Hüinghausen über Wellin bis zur K 6. Letztlich bleibt noch der Abschnitt Rärin - Bubbecke - Wiesenfeld, aber auch das Ebbetal. Das sind lange Straßenabschnitte, an denen wir etwas tun müssen. Mit allen anderen Projekten kämen wir jetzt weiter über Städtebauförderung und über eine 70-prozentige Kostenübernahme durch das Land – aber das gilt eben nicht für den Gemeindehaushalt und die Straßensanierung.“

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