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War es ein Wolfsriss? Landwirt enttäuscht vom Lanuv - zweites Kalb verschwunden

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Von: Dirk Grein

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Für Landwirt Karsten Schäfer mehren sich die Anzeichen dafür, dass ein Wolf ein Kalb auf seiner Wiese gerissen hat.
Für Landwirt Karsten Schäfer mehren sich die Anzeichen dafür, dass ein Wolf ein Kalb auf seiner Wiese gerissen hat. © Boris Roessler / DPA

Vor mehr als eineinhalb Monaten machte Karsten Schäfer die Entdeckung: Auf einer Wiese nahe seines Wohnhauses in Piene lagen die Überreste eines neugeborenen Kalbes. Ob es von einem Wolf gerissen wurde, das weiß der Landwirt weiterhin nicht. Er ist frustriert, weil die Untersuchungen dieses Vorfalls länger dauern, als erhofft.

Herscheid - Insbesondere vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (kurz Lanuv) sei der Herscheider enttäuscht. Er habe den Eindruck, dass die Behörde einen möglichen Wolfsnachweis nicht zugeben möchte. Trotz telefonischer Nachfrage habe man ihm nicht erklären können, warum sich die Untersuchungen der eingereichten Proben derart lange hinziehen.

War es ein Wolfsriss? Landwirt enttäuscht vom Lanuv - zweites Kalb verschwunden

Zumal in der Zwischenzeit ein zweites Kalb von seinen Wiesen spurlos verschwunden ist, was zusätzlich für Verunsicherung sorge. Ein Bekannter habe mit einer Wildkamera, die keine 2000 Meter von Piene entfernt in einem Wald aufgestellt war, ein Bild gemacht, auf dem ein Wolf zu sehen sei. Für Karsten Schäfer verdichten sich die Anzeichen dafür, dass das Raubtier für das getötete und das verschwundene Kalb verantwortlich ist.

Ein abstoßender Anblick: Das vermutlich erst in der Nacht zuvor geborene Kalb liegt tot auf einer Wiese.
Ob ein Wolf Mitte Juli dieses Kalb von Karsten Schäfer gerissen hat, steht weiterhin nicht fest.  © Schäfer

Daher habe er selbst versucht, ein Labor damit zu beauftragen, die DNA-Proben auszuwerten, und bot an, die Kosten für das Verfahren zu übernehmen. Doch das gewählte Labor lehnte ab, weil es dem Lanuv unterstellt sei und dessen Auswertung Vorrang habe. „Uns bleibt nichts anderes übrig, als abzuwarten“, findet Schäfer kein Verständnis für das Verhalten der Behörde: „Das ist doch Willkür.“

Aus Gesprächen mit Berufskollegen wisse er, dass die Unzufriedenheit vielerorts wachse. Die Landwirte leiden ohnehin unter Probleme wie der Dürre und explodierenden Kraftstoffpreisen. Der Wolf bedeute für sie zusätzliche Beeinträchtigungen.
Denn weder habe Schäfer bislang einen Schadensersatz für das getötete Kalb erhalten. Noch gebe es eine Sicherheit, dass sich solche Angriffe nicht wiederholen können.

Das sagt das Lanuv

Wilhelm Deitermann, Pressesprecher des Lanuv, betont: „Auch wir haben ein hohes Interesse daran, so schnell wie möglich für Klarheit zu sorgen.“ Allerdings werden sämtliche in Deutschland eingereichten Proben von nur einem Institut ausgewertet – und das könne aufgrund des großen Aufwandes manchmal dauern. Der gemeldete Vorfall aus Herscheid sei noch in Bearbeitung, das geht auch aus einer im Internet veröffentlichten Liste zu Nutztierrissen (www.wolf.de) hervor; in dieser rangiert ein Eintrag aus dem Rhein-Sieg-Kreis vom 22. Juni ebenfalls noch unter „In Bearbeitung“. Bei rechtzeitig entnommener Probe sei ein DNA-Nachweis nahezu auf Ewigkeit möglich, versicherte Deitermann, dass die zeitliche Verzögerung keinen Einfluss auf das Ergebnis habe. Er erläuterte in diesem Zusammenhang den Auftrag des vom Lanuv betriebenen Wolfsmonitoring: Ziel sei es, herauszufinden, wo sich ein Wolf aufhält und wohin dieser zieht.

Wolf in Herscheid? Landwirt ergreift selbst Schutzmaßnahmen

Deswegen ergreift der Landwirt selbst Schutzmaßnahmen. Jede kalbende Kuh bringt Schäfer neuerdings in einen Stall. Damit bricht er nicht nur den naturnahen Ansatz seines Betriebes. Er investiert auch wesentlich mehr Zeit in zusätzliche Aufgaben. Am Mittwochabend habe er bis 22.30 Uhr auf einer Wiese verbracht, um eine Kuh auf schonende Weise in einen Stall zu bringen. Der Mehraufwand sei angesichts von bis zu 100 Kalbungen pro Jahr beträchtlich.

Eine weitere Betrachtung mache ihm stutzig: Seit geraumer Zeit sehe er kaum noch Rehe in der Nähe seines Wohnhauses; die scheuen Wildtiere habe er früher nahezu täglich beobachten können. „Vielleicht sind sie weitergezogen oder verstecken sich. Aber vielleicht sind sie auch gefressen worden“, sinniert Schäfer, ohne dabei das Wort Wolf auszusprechen.

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