Waldbesitzer vermisst Anerkennung für Arbeit

Waldarbeiter leisten derzeit Schwerstarbeit - dem Borkenkäfer und Klimawandel sei „Dank“

Ein Holzvollernter kann an einem Tag bis zu 300 Festmeter Holz ernten. Dabei werden die gefällten Stämme gleich entrindet und zugeschnitten.
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Ein Holzvollernter kann an einem Tag bis zu 300 Festmeter Holz ernten. Dabei werden die gefällten Stämme gleich entrindet und zugeschnitten.

Es ist laut in den Wäldern rund um Herscheid, denn nach den verheerenden Borkenkäferschäden sind dort an verschiedenen Stellen Erntemaschinen im Einsatz, um die befallenen Bäume zu fällen und möglichst schnell exportfertig zu machen. Aktuell arbeiten sich die Harvester durch die Fichtenbestände des Forstguts Gasmert.

Herscheid – Einen davon bedient Marco Steinert von der Firma Grünhagen aus dem niedersächsischen Walsrode. Er arbeitet sich mit dem Harvester langsam durch ein Waldstück im Bereich Gasmert und ist gerade damit beschäftigt, den Fällkopf des Harvesters umzurüsten, als er Besuch bekommt, und zwar von Moritz Wesche, Junior-Chef des Forstguts Gasmert, und Marcus Teuber, der für Lüdenscheid zuständige Forstbeamte, der die Waldflächen des Forstguts auf Herscheider und Lüdenscheider Gebiet betreut.

„Sie sind wahre Helden“, sagt Wesche und dankt Harvester-Fahrer Steinert quasi stellvertretend für all die vielen Menschen, die – vom Förster über den Forstarbeiter bis zum Lkw-Fahrer – damit beschäftigt sind, die gewaltigen Mengen an Käferholz abzuernten. „Sie arbeiten 10 bis 12 Stunden am Tag – während Corona – und versuchen das Ausmaß der Borkenkäferschäden in den Griff zu kriegen“, sagt Wesche. Es gehe darum, einfach mal Danke zu sagen, bei aller Kritik, die es wegen der umfangreichen Fällarbeiten in den Wäldern immer wieder gebe. Als Beispiel nennt Wesche Beschwerden von Wanderern, dass wegen der Fällarbeiten noch Äste auf den Waldwegen herumliegen und der Boden von den schweren Forstmaschinen aufgewühlt und matschig ist. Er wünscht sich mehr Verständnis für diese notwendigen Arbeiten und die, die sie erledigen.

Stellvertretendes Dankeschön

„Diese Leute kommen hierher ins Sauerland, sind in Ferienwohnungen einquartiert, weit weg von ihren Familien“, ergänzt Marcus Teuber zu den Belastungen, die die Fällungen nicht nur für die Waldbesitzer bedeuten, sondern auch für viele andere Menschen und deren Angehörige.

Ohne die schweren Maschinen wäre das Ausmaß gar nicht zu bewältigen. „Ein Harvester ersetzt die Leistung von zehn Waldarbeitern mit Motorsäge“, rechnet Teuber vor. Auf die bis zu zehn Harvester, die in Lüdenscheid und Herscheid derzeit im Einsatz sind, hochgerechnet, ist es also die Arbeit von 100 Mann, die die Maschinen bewältigen müssen. „Aber ganz ohne die Motorsäge in der Hand geht es auch nicht“, sagt Marco Steinert. In Randbereichen und in schwierigem Gelände brauche man sie doch noch.

Treffen am Harvester: Forstarbeiter Marco Steinert (von links) bekam Besuch von Förster Marcus Teuber und Waldbesitzer Moritz Wesche.

Wie schnell und präzise der Harvester arbeitet, demonstriert Steinert wenig später, nachdem er an der Motorsäge des Fällkopfs, der über einen Arm mit dicke Hydraulikschläuchen mit dem eigentlichen Harvester verbunden ist, eine Kette aufgezogen hat.

In wenigen Augenblicken werden nacheinander mehrere Fichten gepackt, abgesägt, entrindet und auf eine vorher eingestellte Länge gekürzt. Die Harvester-Einheit messe direkt die vorher eingestellten Festmeter-Längen ab und schneiden den Stamm zu, erklärt Förster Teuber. Programmiert sind die Maschinen natürlich aufs Container-Maß, denn rund 90 Prozent der Ernte sind für den Export nach Asien bestimmt.

Je nachdem, wie die Witterung ist und ob an der Technik nichts kaputtgeht, kann ein Harvester am Tag bis zu 300 Festmeter Holz ernten, wie Wesche erklärt. Das muss dann noch von den Rückezügen aus dem Wald geholt, gestapelt und etikettiert werden. Neben den Harvestern sind am Forstgut Gasmert auch Kettenlaufwerke und Seilzuganlagen im Einsatz, teure Maschinen, wie Förster Teuber betont.

Allein auf den zwei Flächen, die Moritz Wesche und Teuber am vergangenen Dienstag in Augenschein nahmen, sind es etwa 1000 Festmeter Borkenkäferholz, die bereits gefällt wurden oder derzeit abgeholzt werden. Schon das entspreche dem vierfachen Einschlag eines normalen Jahres (250 Festmeter), doch das sei erst der Anfang. „Am Ende werden wir uns beim zehn- bis zwölffachen der üblichen Holzmenge bewegen“, sagt Wesche.

Ein Vielfaches der üblichen Holzmenge wird in diesem Jahr unter anderem im Forstgut Gasmert geerntet.

Weitreichende Entscheidung

Sein Vater Achim Wesche und er gehören mit dem zwischen 180 und 190 Hektar Wald umfassenden Forstgut Gasmert, das sie in dritter und vierter Generation bewirtschaften, zu den größeren Waldbesitzern in Herscheid.

Trotz der enormen Kosten, die eine Wiederaufforstung kostet – zwischen 8 000 und 10 000 Euro pro Hektar – , ist Moritz Wesche entschlossen, auf den kahlen Flächen wieder neue Bäume zu pflanzen. „Die Flächen freizulassen ist keine Option“, sagt er. Für eine Wiederaufforstung kommen unterschiedliche Baumarten infrage, etwa Douglasie, Lärche, Eiche oder Buche. Doch was letztlich angepflanzt werden könne, hänge auch von dem ab, was in den Baumschulen verfügbar sei, sagt Wesche. Schließlich wollten nun viele Waldbesitzer die Wiederaufforstung der abgeholzten Bestände angehen.

Genauso wenig, wie die vorigen Generationen von Waldbesitzern, die vor 60 bis 80 Jahren die heutigen Fichtenbestände anlegten, die heutigen Dürreperioden und Borkenkäferplagen absehen konnten, könne man heute abschätzen, wie die klimatischen Bedingungen im Sauerland im Jahr 2070 oder 2100 aussehen, sind sich Förster Teuber und Waldbesitzer Wesche einig. „In 50 bis 60 Jahren kann es genauso gut sein, dass die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, falsch gewesen ist“, sagt Wesche.

„Das ist eine weitreichende Entscheidung, die zu treffen ist – das ist schon eine echte Hausnummer“, erklärt Marcus Teuber, auf dessen Rat Waldbesitzer Wesche auf jeden Fall hören wolle. Er hofft, so die Weichen für die Zukunft des Waldes – und seine Nutzung – richtig zu stellen.

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