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Wahrzeichen auf der Nordhelle: Der Robert-Kolb-Turm im Wandel der Zeit

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Von: Dirk Grein

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Blick aus der Vogelperspektive auf den heutigen Robert-Kolb-Turm und die benachbarte Gaststätte.
Blick aus der Vogelperspektive auf den heutigen Robert-Kolb-Turm und die benachbarte Gaststätte. © Carsten Engel

Durch das notwendige Abholzen großer Fichtenbestände hat sich die Umgebung der Nordhelle dramatisch verändert. Positiver Nebeneffekt: Der etwa 18 Meter hohe Robert-Kolb-Turm auf dem höchsten Punkt des Ebbegebirges ist wieder weithin sichtbar, so wie es vor mehr als 100 Jahren angedacht war. Der Geschichts- und Heimatverein Herscheid hat mit vielen Bildern die über die Jahrzehnte häufig wechselnden Ansichten des Kolb-Turms zusammengestellt.

Herscheid - Zu Beginn des 19. Jahrhunderts soll Kaiser Napoleon auf dem Kamm des Ebbegebirges einen ersten Turm aus Steinen errichtet haben, um mit Hilfe eines Spiegeltelegraphen Nachrichten zu verbreiten. Hinweise auf den Standplatz, etwa 100 Meter östlich des heutigen Turms, veranlassten die Herscheider SGV-Abteilung seinerzeit nach Überresten zu suchen – erfolglos. Bis heute gibt es keine dokumentarischen Beweise für ein Vorhandensein dieses „Napoleon-Turmes“.

Fotografisch bewiesen ist hingegen ein hölzerner Turm, der um 1890 zum Zwecke der trigonometrischen Vermessung des Geländes errichtet wurde. Sinus und Kosinus waren aber schon bald nicht mehr gefragt. Die Herscheider SGV-Abteilung kaufte den Turm, mit Messtisch in zehn Metern Höhe, und nutzte ihn als Aussichtsturm.

1904 war es ein kräftiger Dezembersturm, der der vermutlich inzwischen morschen Holzkonstruktion ohne Personenschaden ein Ende bereitete. Der SGV-Hauptverein hatte aber weiter Lust auf einen Aussichtsturm. Dank vieler Spenden begann man im Jahre 1912 mit dem Bau eines massiven Steinturms. Schon ein Jahr später, am 21. September 1913, wurde der Robert-Kolb-Turm eingeweiht. Robert Kolb war ein bekannter Wanderfreund aus Hagen, der im Auftrag des SGV-Hauptvereins ein umfangreiches Wanderwegenetz angelegt hatte.

Nach der Grundsteinlegung wurde der Turm rasch erbaut.
Nach der Grundsteinlegung wurde der Turm rasch erbaut. © Repro: Dr. Hüttebräucker

Viele Jahrzehnte war der Turm mit seinen Gitterfenstern und ohne jegliche Umbauung ein beliebtes Ausflugsziel. Im Jahr 1940 wurde er von der deutschen Heeresverwaltung beschlagnahmt. Zur Ablenkung feindlicher Flugzeuge wurde er komplett mit Holz verkleidet. Anstelle des markanten Daches wurden Aufbauten für militärische Zwecke errichtet.

Die Einheit auf der Nordhelle, die Jägerleitkompanie „NelkeY“, hatte die Aufgabe, anfliegende Flugverbände zu orten und vor diesen zu warnen. Zu diesem Zweck wurden auf dem Kamm des Ebbegebirges mehrere Türme mit Funk- und Radareinrichtungen gebaut. Aus den noch vorhandenen Turmfundamenten und Augenzeugenberichten gibt es Vorstellungen zu dem Aussehen.

Ende 1945 fanden junge Leute die traurigen Überbleibsel des Robert-Kolb-Turms vor. Viele der abgefallenen Bruchsteine sollen sich heute noch in Gebäuden der näheren und weiteren Umgebung befinden. An einen Wiederaufbau war nicht zu denken, bis im Jahre 1951 der NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) die Idee hatte, den Turm zu sanieren und ihn als „Fundament“ für eine UKW-Sendeanlage zu nutzen.

Ende 1945 fanden junge Leute, teilweise mit Fahrrädern angereist, diese traurigen Überbleibsel des Robert-Kolb-Turms vor.
Ende 1945 fanden junge Leute, teilweise mit Fahrrädern angereist, diese traurigen Überbleibsel des Robert-Kolb-Turms vor. © Repro: Dr. Hüttebräucker

So zeigte sich schon im Jahre 1952 ein Turm im neuen Gewand mit einem UKW-Sendemast, bestehend aus einer weit sichtbaren weiß-rot angestrichenen Rohrkonstruktion. Die Kanzel mit Fenstern war verschiefert. In ihrer Mitte befand sich die Befestigungskonstruktion des 20 Meter hohen Stahlrohres. Auf der Spitze dieses Rohres funkte die 20 Meter hohe UKW-Sendeantenne.

Natürlich war der Turm jetzt wieder begehbar und erlaubte die Aussicht nach allen vier Seiten. Was gegenüber dem Ursprung aber fehlte, war das markante hübsche Blechdach.

Auch damals war die Zeit schnelllebig, schon drei Jahre später reichte die Stahlrohrkonstruktion nicht mehr aus. Für zwei weitere Rundfunkprogramme und ein Fernsehprogramm wurde 1955 ein 80 Meter hoher Gittermast gebaut, der auffällig nach drei Seiten hin mit Stahlseilen verspannt war. Die UKW- Sendeantenne wurde auf dem Gittermast installiert, so das der Kolb-Turm wieder sendemastfrei war. Immerhin wurde er für drei Jahre Sendefunktion vom NWDR gerettet.

Die folgenden Jahrzehnte brachten immer wieder Änderungen des Turmes und des Umfeldes. 1967 wurde eine schmucke Schutzhütte mit Bewirtung und öffentlichen Toiletten eingeweiht. Sorgen bereitete die Fassade des Turms. Durch die Bewitterung kam es häufig zu Ausbrüchen der Bruchsteine.

Eine Blechverkleidung auf der Westseite konnte das Problem nur teilweise beseitigen. Da eine Grundsanierung des Mauerwerks aus Bruchsteinen aus finanziellen Gründen nicht in Frage kam, wurde der Robert-Kolb-Turm kurz vor seinem 100-jährigen Bestehen mit Brettern in unteren Bereich und mit Schiefer im Kanzelbereich verkleidet. Eine zusätzliche Sanierung des Innenbereichs machte den Turm seit 2011 wieder zu einem gern besuchten Aussichtsturm.

Zweifelsohne hat der Turm heute mit seiner Verbretterung ein ansprechendes Aussehen. Von seinem Ursprung im Jahre 1913 ist diese Lösung aber weit entfernt. Ob ein solches Ursprungs-Aussehen eines Tages verwirklichbar ist, steht in den viel zitierten Sternen.

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